Die Bedeutung von Bindung und mütterlicher Unterstützung für die emotionale Regulation von sechsjährigen Kindern in Anforderungssituationen

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Mit dem Eintritt in die Schule werden Kinder mit Anforderungen konfrontiert, zu deren Bewältigung sie kognitive und motivationale Kompetenzen benötigen. Gelangen sie an die Grenzen ihrer Fähigkeiten spielen außerdem sozial-emotionale Regulationsstrategien, die sich aufgrund individueller Erfahrungen in Interaktionen mit den Bezugspersonen entwickelten, eine Rolle. Die Qualität der frühen Bindung bestimmt dabei die Art der emotionalen Regulation. Vor allem in Situationen mit schwierigen, unbekannten Anforderungen ist die Unterstützung, die Kinder aktuell von ihren Bezugspersonen erhalten, entscheidend für die Bewältigung. 91 sechsjährige Kinder der Regensburger Längsschnittstudie IV (Spangler & Schieche, 1998), deren Bindungsqualität und Desorganisation mit 12 Monaten in der Fremden Situation beur-teilt wurde, wurden in jeweils einer kognitiven Anforderungssituation mit und ohne Mutter und einer sozial-kompetitiven Anforderungssituation beobachtet. Das kindliche Verhalten wurde hinsichtlich emotionalem Ausdruck, subjektiven Erwartungen, aufgabenbezogenem Handeln und der Nutzung sozialer Ressourcen kontextspezifisch ausgewertet. Das Verhalten der Mutter wurde in Bezug auf die emotionale und handlungsstrukturierende Unterstützungsqualität beurteilt. Es konnte nachgewiesen werden, dass sowohl eine sichere Bindung mit 12 Monaten als auch eine aktuell gute mütterliche Unterstützung wie Schutzfaktoren wirken, die angemessenes Bewältigen stufenbezogener Anforderungen begünstigen. Die emotionale Regulation sicher gebundener Kinder war effektiv und realistisch. Die Wahrnehmung eigener negativer Emotionen der unsicher-vermeidend gebundenen Kinder schien schlecht zu funktionieren, so dass sie die Situation unrealistisch positiv bewerteten, einmal gewähltes Verhalten zu lange beibehielten und Kontakt und Hilfe ihrer Mutter vermieden. Unsicher-ambivalent gebundene Kinder zeigten in sich widersprüchliches Verhalten, ihre Leistung war, wenn sie wenig mütterliche Unterstützung erfuhren, beeinträchtigt. Die Unterscheidung der beiden unsicheren Bindungsqualitäten und Erforschung ihrer situationsabhängigen Stärken und Schwächen ist zum Verständnis der Strategien, zu einer verbesserten Entwicklungsvorhersage und zur gezielten Interventionsplanung notwendig. Mütterliche Unterstützung kann das Defizit der jeweiligen Regulationsstrategien kompensieren. In Zusammenhang mit der Bindungsdesorganisation ergaben sich über alle Situationen hinweg vom Geschlecht der Kinder abhängige Strategien mit Schwierigkeiten umzugehen. Das fröhliche offene Verhalten der desorganisierten Mädchen im Gegensatz zu dem schüchternen verschlossenen Verhalten der Jungen, wird im Sinne einer weiblichen tend-and-befriend Stressreaktion (Taylor et al., 2000) interpretiert. Die Studie verdeutlicht die Notwendigkeit einer differenzierten Erforschung der Interaktionen.

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