Langzeitergebnisse nach arthroskopischer Therapie der Koronoiderkrankung im Vergleich zu den Ellbogengelenken konservativ behandelter Hunde
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Zusammenfassung
Die Koronoiderkrankung als eine Form der Ellbogengelenksdysplasie ist eine der häufigsten Lahmheitsursachen der Vordergliedmaße, vor allem beim jungen großen Hund. Da die klinische Relevanz dieser Erkrankung immer mehr zunimmt und noch viele Unklarheiten bezüglich Therapie und Prognose bestehen, sind Untersuchungen der Klinik, röntgenologischer Befunde der betroffenen Ellbogengelenke und verschiedender Therapieformen zur Prognosefindung von entscheidender Bedeutung. Das Ziel dieser Studie ist es, die klinischen Langzeitergebnisse der konservativen und arthroskopischen Therapie der Koronoiderkrankung bei Hunden bezüglich Arthrose- und Lahmheitsentwicklung sowie der Erfolgsbeurteilung durch die Patientenbesitzer zu vergleichen. Anhand der Ergebnisse soll überprüft werden, ob die arthroskopische Therapie der Koronoiderkrankung als Goldstandard im Vergleich zur konservativen Therapie gesehen werden kann und ob eine Aussage über die jeweilige Prognose beider Therapieformen möglich ist. Neben dem Einfluß der Therapieform auf das Behandlungsergebnis wurde untersucht, wieweit andere Faktoren wie Body-Conditioning-Score, Bewegungsradius der betroffenen Gelenke, Arthrosegrad des jeweiligen Ellbogengelenkes zum Zeitpunkt der Diagnosestellung bzw. Arthrosokopie einen Einfluß auf das Behandlungsergebnis besitzen und inwiefern der jeweilige Lahmheitsgrad im Schritt und Trab und der Arthrosegrad bei Kontrolluntersuchung sich mit der Besitzerzufriedenheit mit der jeweiligen Therapieform decken. Bei den Patienten der Gruppe 1 wird zusätzlich überprüft, ob die Anzahl und Mobilität der Fragmente einen Einfluß auf den Grad der Knorpelerosionen haben und ob der jeweilige Grad des Knorpelabriebes einen Einfluß auf den Arthrosegrad prä und post operationem und somit auf das Behandlungsergebnis hat. Die radiologische Beurteilung von Cubarthrosen und die daraus resultierende Einschätzung des jeweiligen Arthrosegrades sollte zuverlässig, einheitlich und auch bei einem geringeren Erfahrungsgrad des Untersuchers verlässlich sein. Mit Hilfe der Interobserver Studie wird die Verlässlichkeit der Röntgenbeurteilung von Cubarthrosen unabhängig vom Erfahrungsgrad des Untersuchers geprüft. Durch die Intraobserver Studie wird darüber hinaus die Autorin dieser Arbeit auf ihre Verlässlichkeit bei wiederholter Röntgenbefundung kontrolliert. In der vorliegenden Untersuchung werden insgesamt 100 Ellbogengelenke von 62 Hunden untersucht, bei denen im Zeitraum von Ende 2002 bis Mitte 2010 in der Klinik für Kleintiere Chirurgie des Klinikum Veterinärmedizin der Justus-Liebig-Universität Gießen die Koronoiderkrankung an einem bzw. beiden Ellbogen diagnostiziert wird. Die Patienten werden je nach Therapieform (arthroskopischer oder konservativer Therapie) in zwei Gruppen eingeteilt und die klinischen Untersuchungsergebnisse miteinander verglichen. Die Patientengruppe 1 wird nach Diagnosestellung arthroskopiert und besteht aus 43 Hunden (71 Ellbogengelenken). Patientengruppe 2 besteht aus solchen Patienten, bei denen eine Koronoiderkrankung diagnostiziert wird, diese aber auf Besitzerwunsch konservativ therapiert wird. Diese Gruppe beinhaltet 19 Patienten und 29 Ellbogengelenke. Der Schwerpunkt dieser klinischen Verlaufskontrolle liegt auf den Röntgenbefunden, der klinisch-orthopädischen Untersuchung der Patienten und der goniometrischen Gelenkwinkelmessung der betroffenen Ellbogengelenke. Bei der Untersuchung auf eine statistisch signifikante Korrelation zwischen dem jeweiligen Lahmheitsgrad des Patienten zum Zeitpunkt der Kontrolluntersuchung und der Besitzerzufriedenheit mit dem jeweiligen Therapieerfolg ist diese in Patientengruppe 1 nachweisbar. In Gruppe 2 findet sich ein ähnlicher Zusammenhang, ohne jedoch statistische Signifikanz. Im Zuge der Kontrolluntersuchung zeigen 56,7% (n=17) der Hunde der Patientengruppe 1 keine Lahmheit im Schritt und Trab und deren Besitzer stufen den Erfolg der Arthroskopie als sehr gut ein. In Gruppe 2 zeigen 62,5% (n=10) der Patienten keine Lahmheit im Schritt und 64,7% (n=11) keine im Trab, deren Besitzer beurteilen den Erfolg der konservativen Therapie ebenfalls mit sehr gut . Durch den Vergleich des Bewegungsradius der betroffenen Gelenke mit dem jeweiligen Body-Conditioning-Score (BCS) und dem Arthrosegrad des Patienten bei Kontrolluntersuchung kann in Gruppe 1 eine statistisch signifikante Korrelation zwischen diesen Faktoren nachgewiesen werden. Mit zunehmendem BCS und somit größerem Übergewicht nimmt der Arthrosegrad der betroffenen Ellbogengelenke zu und der Bewegungsradius ab. Gruppe 2 zeigt bei der Korrelationsberechnung des Bewegungsradius und Arthrosegrades des jeweiligen Ellbogengelenkes eine schwache Signifikanz. Die Hypothese, dass der Arthrosegrad des betroffenen Ellbogengelenkes zum Zeitpunkt der Diagnosestellung bzw. der Arthroskopie den Arthrosegrad nach der jeweiligen Therapie beeinflusst, lässt sich in beiden Patientengruppe mit einer statistischen Signifikanz bestätigen. Bei dem Vergleich des Arthrosegrades bei Kontrolluntersuchung mit der Besitzerzufriedenheit mit dem jeweiligen Therapieerfolg ist in Patientengruppe 1 ein Zusammenhang statistisch nachweisbar. 100% der Besitzer der Patientengruppe 1, bei denen die Hunde geringgradig arthrotisch veränderte Ellbogengelenke haben, stufen den Erfolg der arthroskopischen Therapie als sehr gut ein. Patientenbesitzer von Hunden mit hochgradigen Cubarthrosen bewerten den Erfolg als mäßig bis sehr schlecht . In Patientengruppe 2 ist ein Zusammenhang zwischen der Erfolgseinschätzung der konservativen Therapie und dem Arthrosegrad bei Kontrolluntersuchung aufgrund der geringen Patientanzahl statistisch nicht nachweisbar. Bei der arthroskopischen Therapie der Koronoiderkrankung kann eine Aussage über die Prognose für eine (annähernde) Schmerz- und Lahmheitsfreiheit nicht nur anhand des Lahmheits- und Arthrosegrades vor der Operation, sondern auch von den arthroskopischen Befunden im betroffenen Ellbogengelenk zum Zeitpunkt der Therapie gemacht werden. Diese Studie beweist eine statistisch hoch-signifikante Korrelation zwischen der Anzahl der im erkrankten Ellbogengelenk vorliegenden Fragmente und deren Mobilitätsgrad mit dem Erosionsgrad der korrespondierenden Knorpelflächen. Je höher die Anzahl der Fragmente und deren Mobilitätsgrad, umso massiver ist der Grad der Knorpelerosion in dem jeweiligen Ellbogengelenk. Bei den Ellbogengelenken mit 2 Fragmenten ist in 33,3% (n=2) der Fälle ein vollständiger Verlust des Gelenkknorpels feststellbar. 68,2% (n=15) der Ellbogengelenke mit einer Fissur des medialen Koronoids der Ulna lassen arthroskopisch keinen Knorpelabrieb erkennen. Im Gegensatz dazu weisen die Gelenke mit einem verlagerten Fragment zu jeweils 20,0% (n=1) eine tiefgehende Läsion des Gelenkknorpels oder einen vollständigen Verlust des Gelenkknorpels auf. Eine Korrelation zwischen dem Grad des Knorpelabriebes und dem Arthrosegrad vor einer arthroskopischen Therapie, kann in dieser Studie statisch bewiesen werden. Der Grad der arthrotischen Veränderung in dem betroffenen Ellbogengelenk wird 119 somit nicht nur von der Dauer der Koronoiderkrankung sondern auch von ihrer Ausprägung beeinflußt. Je stärker der Gelenkknorpel durch Erosion betroffen ist, desto höher ist der Arthrosegrad in diesem Gelenk. Bei 12 Ellbogengelenken dieser Studie mit nur einer oberflächlichen Erweichung des Gelenkknorpels, reagieren 83,3% (n=10) mit einer geringgradigen Arthrosebildung. Bei den Gelenken mit vollständigem Verlust des Gelenkknorpels weisen vor arthroskopischer Therapie 50,0% (n=6) mittelgradige und 25,0% 8n=3) hochgradige Cubarthrosen auf. Die interobserver Untersuchung dieser Arbeit zeigt für die Messung der Arthrosenhöhen an den jeweiligen anatomischen Gelenklokalisationen deutlich statistisch signifikante Übereinstimmungen zwischen dem erfahrenen (Untersucher 1) und dem unerfahrenen Untersucher (Untersucher 2). Bei der Einteilung des jeweiligen Arthrosegrades kann jedoch keine bzw. nur eine schwache statistische Übereinstimmung festgestellt werden. Insgesamt stuft Untersucher 2 die zu beurteilenden Ellbogengelenke bezüglich ihres Arthrosegrades niedriger als Untersucher 1 ein. Untersucher 2 befundet unabhängig von der Lokalisation häufiger das Fehlen von Arthrosen als Untersucher 1. Weiterhin verzichtet Untersucher 1 aufgrund nicht eindeutig identifizierbarer Knochengrenzen häufiger auf Messungen der Arthrosenhöhe, wogegen Untersucher 2 wahrscheinlich aufgrund mangelnder Erfahrung die Messpunkte trotz Überlagerung subjektiv wählt und somit Fehlmessungen vornimmt. Die intraobserver Untersuchung dieser Studie beweist eine wiederholbare Verlässlichkeit des Untersuchers 2 (Autorin dieser Arbeit) bezüglich der Messung der Arthrosenhöhen und der Einteilung des jeweiligen Arthrosegrades. Auch bei wiederholter Messung variieren die Ergebnisse kaum und der Untersucher kommt auf annähernd gleiche Ergebnisse.Verknüpfung zu Publikationen oder weiteren Datensätzen
Beschreibung
Anmerkungen
Erstpublikation in
Giessen : VVB Laufersweiler
