Untersuchungen zur sonographischen Darstellung des caninen Gesäuges unter besonderer Berücksichtigung entzündungsassoziierter Veränderungen
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Zusammenfassung
Die Sonographie der caninen Mamma verspricht eine Verbesserung der klinisch oft schwierigen Differentialdiagnostik bei den sehr ähnlich auftretenden Gesäugeerkrankungen. In der veterinärmedizinischen Literatur finden sich nur wenige sonographische Einzelbeschreibungen des physiologischen Mammagewebes, die jedoch die der Hündin eigene zyklische Veränderung des Organs außer Acht lassen. Ebenso besteht eine Wissenslücke über die sonographischen Charakteristika des caninen Gesäuges beim Vorliegen einer Entzündung. In Anbetracht der Bedeutung der Mastitis, die neben dem Erkrankungswert für das Muttertier vor allem in der damit assoziierten hohen Welpenmorbidität und mortalität zu sehen ist, verwundert die noch heute einzig auf der klinischen und bakteriologischen Untersuchung basierende Diagnostik mit ihrem eingeschränkten prognostischen Nutzen. Ziel der Untersuchung war es daher, die physiologischen Gegebenheiten der caninen Mamma unter Berücksichtigung zyklischer Auf-, Um- und Abbauprozesse sowie entzündungsassoziierter Veränderungen sonographisch zu charakterisieren. Hierzu wurden in Voruntersuchungen die Gewebeschichten der Mamma sonographisch und histologisch identifiziert und ein standardisiertes Untersuchungs- und Befundungsprotokoll erarbeitet. Die mittels B-Mode Verfahren gewonnenen sonographischen Aufnahmen dienten der Beurteilung der Abgrenzbarkeit der einzelnen Gewebeschichten zum umliegenden Gewebe und der Ermittlung ihrer Schichtdicken. Jede Schicht wurde bezüglich ihrer Echogenität, Struktur und Homogenität bewertet und das Vorhandensein von echogenen Linien und Bereichen sowie anechogenen Arealen im jeweiligen Gewebe beurteilt. Das ausführliche Befundprotokoll ermöglichte die differenzierte Betrachtung der einzelnen Gewebeschichten und die Erarbeitung ihrer sonographischen Merkmale. Die Ultraschalluntersuchungen erfolgten am Gesäuge von 99 Hündinnen, mit insgesamt 747 physiologischen Einzelkomplexen, wobei jeweils eine Aufnahme in der longitudinalen und transversalen Schnittebene kranial und kaudal der Zitze angefertigt wurde. Zur Charakterisierung der verschiedenen Funktionszustände der Mamma konnten jeweils 20 Tiere mit 187 inaktiven, 195 im Rahmen einer Lactatio sine graviditate angebildeten und 190 laktierenden Einzelkomplexen sonographisch untersucht werden. Die erhobenen Befunde wurden durch Verlaufsuntersuchungen des Gesäuges über mindestens einen Reproduktionszyklus an vierzehn Tieren sowie über die späte Gravidität und Laktation an fünf Hündinnen erweitert. Die Ergänzung der Einzeluntersuchungen um die regelmäßigen Kontrollen des Gesäuges ermöglichte die Dokumentation der zyklusabhängigen unterschiedlichen Ausprägungen des Mammagewebes sowie dessen Veränderung in der späten Gestation und Laktation. Um zu entscheiden, ob sich die sonographische Abbildung des Gewebes in Abhängigkeit zu dessen Anbildungsgrad beziehungsweise dem Sexualzyklusstand der Hündin oder der Lage des untersuchten Komplexes verändert, wurden die in den einzelnen Gruppen ermittelten Daten miteinander verglichen und mittels einfacher Datenbeschreibung und dreifaktorieller Varianzanalysen analysiert. Die Ermittlung der statistischen Signifikanzen erfolgte mittels des WALD-Testes. Für die einzelnen Gewebeschichten ergaben sich die im Folgenden erläuterten sonographischen Beschreibungen. Die Haut im Bereich der caninen Mamma konnte zu jedem Untersuchungszeitpunkt in jeder Lokalisation über alle drei Untersuchungsabschnitte hinweg eindeutig dargestellt werden. Sie zeigte, im Gegensatz zu Fettgewebe und Drüsenparenchym, ein konstant über den Reproduktionszyklus und die Laktation bestehendes mittelechogens, feingekörntes, homogenes Aussehen mit einer gleichbleibenden Schichtdicke und einem neutralen Schallverhalten. Auch das subkutane Fettgewebe zeigte ein vom Funktionsstatus des Gesäuges unabhängiges Bild und war als mittelechogenes, grobkörniges Gewebe mit einem inhomogenen Aussehen zu charakterisieren. Es ergab sich jedoch eine statistisch hochsignifikante Beeinflussung der Darstellbarkeit und Schichtdickenermittlung durch den Anbildungsgrad des Drüsenparenchyms und die Lage des Komplexes (p <= 0,001). So konnte während der Laktation und Lactatio sine graviditate eine gegenläufige Veränderung der Schichtdicke von Fettgewebe und Drüsenparenchym dokumentiert werden. Bei der sonographischen Beschreibung des Drüsenparenchyms zeigte sich ebenfalls ein signifikanter Unterschied zwischen inaktivem und aktiviertem Mammagewebe (p <= 0,001). Während das inaktive Gewebe als echoarm einzuschätzen war, konnte dem aktivierten Gewebe ein eher mittelechogenes Aussehen zugeordnet werden. Unterschiede in der Echogenität zwischen Lactatio sine graviditate und Laktation konnten zwar erkannt werden, waren jedoch statistisch nicht abzusichern. In den Untersuchungen über den Zyklus hinweg ließ sich neben einer statistisch signifikanten Veränderung der Echogenität über den Zyklus ein Wandel zwischen grob- und feinkörniger Struktur des Drüsenparenchyms aufzeigen (p <= 0,001). Auch die Homogenität und damit das Vorhandensein von echogenen Linien und Bereichen sowie anechogenen Arealen zeigte eine statistisch hochsignifikante Abhängigkeit zum Funktionsstatus des Gesäuges. Während das inaktive Gewebe als homogen zu beschreiben war, ergab sich für das angebildete Gewebe ein inhomogenes Aussehen. Auffällig wurde hier das charakteristische Auftreten von echogenen Bereichen im laktierenden Gewebe. Das sonographische Bild sowie die Schichtdicke von Faszie und Muskulatur hingegen war erwartungsgemäß keinen zyklisch bedingten Veränderungen unterworfen. Lediglich die Darstellbarkeit zeigte eine statistisch abzusichernde Beeinflussung durch den Funktionsstatus des Gesäuges und die Lokalisation des Komplexes (p <= 0,001). Eine starke Anbildung des Gesäuges verhinderte eine Abbildung der Faszie sonst charakteristisch als echogene Linie darzustellen - und der Muskelschicht, gekennzeichnet durch ihre inhomogene, mittelechogene, grobkörnige Erscheinung. Zusätzlich zu den Untersuchungen am physiologischen Mammagewebe erfolgte die Abbildung inflammatorisch veränderter Prozesse des Gesäuges bei zwanzig Tieren, wobei bei fünf Patientinnen der Krankheitsverlauf sonographisch dokumentiert werden konnte. Bei diesen fünf Probandinnen wurde die Untersuchung mittels B-Mode-Verfahren um die farbdopplersonographische Ermittlung des Durchblutungsstatus ergänzt. Bei allen Hündinnen wurden eine detaillierte klinische Erhebung und bakteriologische Kontrolle der Milchproben durchgeführt. Bei der Betrachtung der erhobenen sonographischen Befunde an der entzündlich veränderten Mamma wird als Charakteristikum der Mastitis der Verlust der Gewebeschichtung deutlich. Die sonographischen Merkmale der Mamma sind nur noch im Randbereich der Inflammation zu identifizieren. Das Gewebe verliert an Echogenität und das Bild wird von zahlreichen anechogenen und echogenen Bereichen dominiert. Zusätzlich wird eine entzündungsassoziierte Veränderung des Schallverhaltens auffällig; neben Schallverstärkungen zeigen sich auch Ring-Down- Phänomene, sogenannte schmutzige Schallschatten. Eine Unterscheidung von inflammatorisch verändertem und gesundem Gewebe war anhand der erarbeiteten Kriterien immer möglich und eröffnet, neben der frühen Diagnostik der Mastitis, die Möglichkeit der sonographischen Darstellung einer restitutio ad integrum. In den Verlaufsuntersuchungen wurden neben den klinischen und bakteriologischen Ergebnissen die mittels B-Mode Verfahren erhobenen Befunde retrospektiv auf ihre prognostische Wertigkeit überprüft. Bei keinem der Merkmale konnte eine prognostische Bedeutung herausgearbeitet werden. Es gelang jedoch, eine mittels Farbdoppler sichtbar gewordene Minderdurchblutung des Gewebes bei Erstvorstellung mit einer gangraenösen Veränderung des Gesäuges im Verlauf der Erkrankung in Verbindung zu bringen. Bei allen Mastitiden, die zur vollständigen restitutio ad integrum geführt werden konnten, war jedoch eine konstante Durchblutung im inflammatorischen Areal gegeben. Die Dopplersonographie ermöglicht somit eine prognostische Aussage über den weiteren Krankheitsverlauf und eine schnellere Einleitung einer adäquaten Therapie. Die gewonnenen Erkenntnisse über das sonographische Aussehen des physiologischen und inflammatorisch veränderten Mammagewebes lassen den Schluss zu, dass die Mammasonographie zur Verbesserung der Diagnostik am Gesäuge in der tierärztlichen Praxis eingesetzt werden kann. Dies bedeutet vor allem in Hinblick auf die frühzeitige Feststellung einer Mastitis, deren Abgrenzung zu möglichen Differentialdiagnosen und der Einleitung einer adäquaten Therapie, eine deutliche Verbesserung des Status quo. Zusätzlich ist hervorzuheben, dass durch die sonographische Beschreibung der physiologischen und inflammatorischen Gegebenheiten am caninen Gesäuge erstmals die Möglichkeit einer objektiven Kontrolle des Heilungserfolges bis zur Feststellung der vollständigen Restitution gegeben ist. Auf der Grundlage der statistisch abgesicherten sonographischen Basisdaten ist, neben dem Einsatz der Mammasonographie in der tierärztlichen Praxis, eine Bearbeitung einer Vielzahl von klinischen und wissenschaftlichen Fragestellungen denkbar.Verknüpfung zu Publikationen oder weiteren Datensätzen
Beschreibung
Anmerkungen
Erstpublikation in
Giessen : VVB Laufersweiler 2006
