Wirkung des Fusarientoxins Deoxynivalenol beim wachsenden Schwein in Abhängigkeit von der Darreichungsform
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Zusammenfassung
In der Literatur finden sich zahlreiche widersprüchliche Angaben zur Wirkung des Mykotoxins Deoxynivalenol (DON) bei Schweinen, wobei meist für natürlich mit DON kontaminiertes Futter (DONnat) stärkere Wirkungen beobachtet wurden als für künstlich mit DON-Reinsubstanz kontaminiertes Futter (DONrein). In dieser Arbeit wurde der Einfluß von Deoxynivalenol (DON) auf die Entwicklung wachsender Schweine untersucht. Von besonderem Interesse war hierbei die Frage, inwieweit für natürlich kontaminiertes Futter beobachtete Wirkungen (DONnat) auch durch Verfütterung einer mit DON-Reintoxin künstlich kontaminierten, getreidefreien Futtermatrix (DONrein) reproduziert werden können. Hierzu wurden männliche Läuferschweine einerseits mit einer natürlich kontaminierten Getreideration und andereseits mit einer getreidefreien Ration auf Kartoffelbasis unter Zusatz von Reintoxin gefüttert.Aufgrund der baulichen Gegebenheiten sowie der tierschutzrechtlichen Bestimmungen, wurde das Projekt in Teilabschnitten umgesetzt. Neben den Leistungsparametern Futteraufnahme und Gewichtsentwicklung wurden ferner Parameter wie Blut, Darmenzymatik, Gewebeveränderungen und DON-Metabolisierung im Kot untersucht. Zur Abschätzung der erforderlichen Toxingehalte für ein sicheres Auftreten eines Toxineffektes wurden in einem Vorversuch (Durchgang A) jeweils 5 Tiere parallel mit 2000 mg/kg und 4000 mg/kg DONnat bzw. DONrein belastet. Das Fütterungsregime entsprach einer restriktiven Futtervorlage, welche so bemessen war, dass sie einer ad libitum-Fütterung entsprechen sollte. Zu jeder Belastungsgruppe in jeder Futtervariante wurde eine Kontrollgruppe mitgeführt.Die Ergebnisse aus dem ersten Durchgang (A) zeigten lediglich Trends hinsichtlich einer möglichen Toxinwirkung auf. Insbesondere Tiere der natürlichen Belastungsgruppe wiesen Gewichtseinbußen auf. Demgegenüber waren in der Gruppe DONrein, trotz der hohen Toxinbelastung, keine Unterschiede der Leistungsparameter festzustellen.In einem zweiten Durchgang (B) wurde daraufhin jeweils 5 Tieren ausschließlich eine kontaminierte Weizenration mit einer DON-Belastung von 4000 mg/kg und 6000 mg/kg verabreicht, und im Anschluß daran in einem dritten Durchgang (C) wiederum jeweils 5 Tiere ausschließlich mit DONrein in Höhe von 4000 mg/kg und 6000 mg/kg in einer getreidefreien Futtermatrix belastet. Auch das Fütterungsregime wurde in diesen beiden Abschnitten an eine ad libitum-Fütterung adaptiert. Das variierte Versuchsverfahren in Durchgang B ließ signifikante Unterschiede in Gewichtsentwicklung und Futteraufnahme der Tiere erkennen, im gleichermaßen gestalteten Durchgang C konnte jedoch kein Einfluß des zugesetzten reinen DON in der getreidefreien Diät abgeleitet werden. Die Untersuchung der Blutparameter lieferte keinen Anhaltspunkt auf einen systemischen Toxineffekt. Veränderungen einzelner Parameter traten sporadisch und inkonstant auf. Die Thyroxingehalte stiegen nur in der Versuchsgruppe mit reinem Toxin regelmäßig in den Durchgängen A und C gegen Versuchsende an. In den Durchgängen A und B lagen die T4-Werte der getreidehaltig gefütterten Gruppen deutlich höher, als die der getreidefrei gefütterten Tiere, was allerdings der Diät zuzuschreiben war.In Versuchsdurchgang B fiel der Blut-Triglyceridgehalt mit einem signifikanten Anstieg auf, allerdings nur in der mittleren Belastungsgruppe 4000 mg/kg DONrein. Dagegen konnte in diesem Abschnitt ein signifikanter SDH-Anstieg in der Gruppe DONnat gefunden werden. Bezüglich der IgA-Gehalte im Serum waren zwischen den Behandlungen keine Unterschiede zu erkennen. Mit zunehmendem DON-Gehalt im Futter ließ sich lediglich ein Trend zu höheren IgA-Gehalten feststellen, der bei Verabreichung von DONnat deutlich ausgeprägter erschien.Die Fähigkeit der Darmmikroflora (aus dem Rektum), DON zu dem Metaboliten Deepoxy-Deoxynivalenol (DOM-1) zu transformieren war sowohl von der Darreichungsform und der Toxinmenge als auch vom Fütterungsregime abhängig. Der Anteil transformierender Mikroorganismen im Kot nahm unabhängig von der Darreichungsform mit steigender Toxinkonzentration im Futter zu. Bei den Kontrolltieren dagegen war kein einheitliches Muster abzuleiten.Ein Einfluß des Toxins auf den Proteingehalt der Darmmukosa sowie der ALT- und & #61537;-KGDH-Aktivität der Enterozyten war nicht eindeutig zu bestimmen. Histologisch ließen sich vereinzelt deutlich Veränderungen der Mukosa von Magen und Darm finden, allerdings traten diese Veränderungen ebenfalls unabhängig von der Behandlung auf.Diese Arbeit zeigt den grundsätzlichen Unterschied bezüglich der Efffekte von DON als Reinsubstanz und als natürlich gebildetes Toxin in kontaminiertem Getreide auf. Die bislang festgestellten toxischen Wirkungen von DON sind allein durch Verabreichung der Reinsubstanz ohne natürliche Matrix nicht reproduzierbar. Das heißt, dass im natürlich kontaminierten Futter ein oder mehrere andere toxische Agentien zu den Vergiftungssymptomen beitragen oder diese sogar ausschließlich verursachen. Andererseits ist bei Vergiftungsfällen in der Praxis immer auch DON in entsprechenden Mengen nachzuweisen, DON könnte somit als Leitsubstanz benannt werden. Um die Zusammenhänge und auch um eine sichere Einschätzung der Gefährdung durch diese Substanz gewährleisten zu können, sind hierzu weitere Untersuchung erforderlich. Aber sowohl hinsichtlich der Kosten und des Aufwandes als auch unter Tierschutzaspekten sind die aufzustellenden Versuchskonzepte nur sehr schwer umsetzbar.Verknüpfung zu Publikationen oder weiteren Datensätzen
Beschreibung
Anmerkungen
Erstpublikation in
Giessen : VVB Laufersweiler 2012
