Das Mekoniumaspirationssyndrom (MAS) ist eine der häufigsten Ursache einer ARDS-ähnlichen Lungenerkrankung des Neugeborenen. Es ist gekennzeichnet durch eine ausgeprägte Obstruktion der Atemwege, toxischen Pneumonitis und Inaktivierung des pulmonalen Surfactants. Diese Surfactantinaktivierung und eine veränderte Expression verschiedener Wachstumsfaktoren spielt bei der Entstehung neonataler Lungenerkrankungen eine entscheidende Rolle. Unter anderem konnte dies für den Vascular Endothelial Growth Factor (VEGF), einem pluripotenten Wachstums- und Permeabilitätsfaktor, nachgewiesen werden. Es gibt zahlreiche Beweise, dass VEGF eine Rolle bei verschiedenen akuten und chronischen Lungenerkrankungen spielt, wie z.B das Atemnotsyndrom des Neugeborenen und bei der Emphysementstehung. Er hat einen deutlichen Einfluss auf die Funktion der Endothelzellen, fördert das Wachstum der Typ II Pneumozyten und stimuliert die SF-Sekretion.
Die im Rahmen der Therapie des MAS eingesetzte Applikation von natürlichen Surfactant-Präparaten, die die Surfactantproteine B und C enthalten, führt in einigen Fällen zu einer Verbesserung der Oxygenierung und der Lungenmechanik. Es werden jedoch hohe Surfactantdosen zur Überwindung des surfactantinhibitorischen Potenzials im alveolären Kompartiment benötigt. Studien zeigen für neue, synthetisch hergestellte, SP-C-haltige Surfactant-Präparate eine verminderte Surfactantinaktivierung.
Vor diesem Hintergrund war es in der vorliegenden Arbeit von Interesse, den Effekt einer exogenen Surfactantapplikation eines natürlichen Surfactant-Präparates sowie eines synthetisch hergestellten Surfactant-Präparates, im Rahmen des experimentell induzierten MAS, auf die surfactantassoziierten Proteine B und C zu untersuchen. Zudem war es von Interesse, inwieweit die Induktion des MAS sowie die Applikation eines natürlichen SF-Präparates oder eines synthetisch hergestellten SF-Präparates die mRNA Expression des VEGF beeinflusst.
Die Untersuchung erfolgte an 23 Ferkeln. Zur Induktion des Lungenversagens wurde Mekonium intratracheal unter laufender maschineller Beatmung verabreicht. Hiernach erfolgte eine Randomisierung in eine von drei Behandlungsgruppen: Kontrollgruppe mit physiologischer Kochsalzlösung, natürlichem bovinen Surfactant und rekombinantem SP-C-haltigen Surfactant. 28 Proben gesunder Tiere dienten als Kontrollgruppe.
Die mRNA Expression von SP-B, SP-C und des VEGF wurde aus Proben der linken Lunge bestimmt. Dies erfolgte mittels der TaqMan-Real-time-PCR Methode (??CT Methode, normalisiert auf die Kontrollgruppen). Des Weiteren wurde die Proteinkonzentration der SF-Proteine B und C bestimmt.
Die Ergebnisse zeigten nach Induktion des Lungenversagens eine signifikant erhöhte SP-B mRNA Expression und eine verminderte SP-C mRNA Expression im Vergleich zur gesunden Kontrollgruppe. Weder eine Applikation von natürlichem Surfactant noch des synthetischen Surfactants zeigte einen signifikanten Einfluß auf die mRNA Expression und Proteinkonzentration. Die VEGF mRNA Expression war nach Induktion des MAS gegenüber der Kontrollgruppe signifikant vermindert.
Aus den vorangegangenen Beobachtungen lässt sich schlussfolgern, dass es im Rahmen des MAS, als mögliche Folge einer Schädigung der Typ II Pneumozyten zu einer Induktion der SP-B mRNA Expression sowie einer reduzierten mRNA Expression von SP-C kam. Es konnte weder eine Veränderung der mRNA Expression dieser Proteine noch eine Veränderung der Proteinkonzentration nach SF-Applikation erfasst werden. Dies könnte auf einen zu kurz gewählten Beobachtungszeitraum zurückzuführen sein und erfordert weitergehende Untersuchungen.
Die Ergebnisse dieser Arbeit könnten einen Anstoß für weiterführende Experimente sein, in denen die unterschiedlichen Effekte dieser Präparate auf Lungenfunktion, Gasaustausch, Histologie und Inflammation eingehend untersucht werden.
Wie gezeigt werden konnte, führt das MAS zu einer signifikant erniedrigten VEGF-Expression. VEGF spielt eine wichtige physiologische Rolle in der Angio- und Vaskulogenese sowie in der Entwicklung der Lunge. In Studien konnte gezeigt werden, dass sowohl eine verminderte als auch eine erhöhte Expression des VEGF mit akuten und chronischen Lungenerkrankung einhergeht, wie z.B. das Atemnotsyndrom des Neugeborenen. Die vorliegende Arbeit könnte dazu beitragen, die komplexen Schädigungsmechanismen beim MAS eingehend zu untersuchen und so zu der Entwicklung neuer Therapieansätze führen.
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