Im Zeitraum von März 2001 bis März 2003 untersuchten wir am Institut für Diagnostische Radiologie des Universitätsklinikums Giessen 30 Patienten mit 41 Stentimplantaten und Verdacht auf Instent-Restenose nach Percutaner Transluminaler Coronarer Angioplastie (PTCA) mit der retrospektiv EKG getriggerten Multislice Computertomographie (MSCT). Die Befunde wurden mit einer anschließend durchgeführten konventionellen Koronarangiographie verglichen.Ziel war es, die Aussagekraft der MSCT in der Beurteilung von Instent-Restenosen der Koronararterien zu evaluieren. Die MSCT Untersuchung der Patienten wurde in einer Schichtdicke von 1,25 mm gewählt. Die Bilddaten wurden in Startphasen von 20 %, 30 %, 40 %, 50 %, 60 %, 70 % und 80 % des RR-Intervalls rekonstruiert. Die errechneten Bilddatensätze (Rekonstruktionen) beurteilten zwei erfahrene Radiologen im Team, die keine Informationen über die Ergebnisse der Koronarangiographie hatten. Die Rekonstruktionen (7 pro Patient) wurden per Intranet auf die 'Vitrea-Workstation' überspielt und konnten dort von den Radiologen zur Beurteilung der Stentimplantate gesichtet werden. Die Datensätze wurden auf einer Befundungsworkstation mit 3-D-Rekonstruktionsoptionen von den Radiologen bezüglich der Durchgängigkeit der Stentimplantate in Längs und Querschnittreformatierung beurteilt.
Dabei ergaben sich bei der Beurteilung in der longitudinalen Schnittebene (relativ zum Stentverlauf) eine Sensitivität von 0,67 und eine Spezifität von 0,8. In der transversalen Schnittebene wurde eine Sensitivität von 0,50 und eine Spezifität von 0,8 erreicht.
Insgesamt wurde in 78% bzw. 75% der Fälle die richtige Diagnose durch MSCT gestellt. In 6 von 41 Stentimplantaten wurde durch Koronarangiographie eine Restenose des Implantats diagnostiziert, die in 4 bzw. 3 Fällen durch MSCT ebenfalls vorab erkannt werden konnten.
Die vorliegende Studie zur Diagnostik der Instentrestenose in Koronarstentimplantaten zeigt, dass die retrospektiv EKG getriggerte Mehrzeilenspiralcomputertomographie mit einem 4-zeiligen CT Gerät derzeit nicht in der Lage ist, in jedem Falle Instentstenosen reproduzierbar und zuverlässig abzubilden. Die etablierte Untersuchungsmethode, die Koronarangiographie, ist hinsichtlich Zuverlässigkeit und Reproduzierbarkeit, in der Mehrzahl der Fälle der 4-zeiligen MSCT überlegen.
Trotz der, in der Studie beschriebenen Defizite, birgt die MSCT ein hohes Potential zur nichtinvasiven Diagnostik der koronaren Instentrestenose. Mit fortschreitender technischer Entwicklung der CT Geräte, höherer Detektordichte und somit höherer Auflösung, wie auch verbesserter Bildbearbeitungssoft- und Hardware, können möglicherweise auch die derzeitig noch vorhandenen Limitationen beseitigt werden. Zumindest bei vorselektierten Patienten könnte die MSCT zukünftig eine nichtinvasive Beurteilung von Instentstenosen ermöglichen.
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