Zielstellung:Bislang fehlen wissenschaftliche Untersuchungen, in denen leistungsdiagnostisch verwendete Laktatschwellenkonzepte mit den Originaltestprotokollen an einem Probandenkollektiv validiert wurden. Vor diesem Hintergrund und der Tatsache, dass die verschiedenen Laktatschwellen das maximale Laktat-steady-state (maxLass) repräsentieren, war es das Ziel dieser Studie zu untersuchen, inwiefern eine Übereinstimmung zwischen verschiedenen Laktatschwellen mit aktueller Bedeutung und dem maximalen Laktat-steady-state (maxLass; Konstruktvalidität) besteht.Methodik:An der Studie (Feldtest) nahmen 16 Läufer und Triathleten (29±6 Jahre, BMI 21.1±0.9 kg/m2, Trainingsalter 9±6 Jahre, Trainingskilometer 69±25 km/Woche, Bestzeit 10 km 36:11±1:58 min) teil. Jeder Proband absolvierte in randomisierter Reihenfolge drei verschiedene Mehrstufentests zur Bestimmung der verschiedenen Laktatschwellen: Test A (8 km/h, +2 km/h, 3 min) für die Schwellen nach Dickhuth et al. [D], Stegmann/Kindermann [IAS], Simon et al. [45°], Cheng et al. [Dmax] und Bishop et al. [Dmaxmod]; Test B (10.8 km/h, +1.8 km/h, 2.000 m) für die Schwelle nach Mader et al. [4-mmol/l]; Test C (Sprintbelastung + Mehrstufentest: 12.0 km/h, +1.2 km/h, 800 m) für die Laktatsenke nach Tegtbur et al. [LS]. Anschließend wurden konstante Dauerläufe (60 min) mit den jeweiligen Schwellengeschwindigkeiten durchgeführt. Zusätzliche Dauerläufe mit abgestufter Intensität (±0.3 km/h) dienten zur Bestimmung des maxLass (DeltaLA kleiner gleich 1.0 mmol/l zwischen der 15. und 60. min bzw. DeltaLA kleiner gleich 0.5 mmol/l in den letzten 15 min). Eine hinreichend präzise maxLass-Prognose wurde dann angenommen, wenn eine als praxisrelevant erachtete Abweichung von < 0.5 km/h zwischen der Schwellengeschwindigkeit und dem maxLass vorlag. Der praxisrelevante Grenzwert ergab sich aus einer Analyse laufspezifischer Wettkämpfe (10, 21.1 und 42.2 km).Ergebnisse:Die mittleren Schwellengeschwindigkeiten von D, IAS und 45° unterschieden sich nicht signifikant vom maxLass. Dmaxmod und 4-mmol/l lagen signifikant (p<0.05) über bzw. Dmax und LS hochsignifikant (p<0.01) unter dem maxLass. Nachfolgend wurden nur noch solche Modelle ohne systematischen Fehler untersucht. Dauerläufe mit Geschwindigkeit von D absolvierten n=15 (n=10 komplett und im Laktat-steady-state, Lass), von IAS n=14 (n=9 komplett und im Lass) und von 45° n=12 (n=8 komplett und im Lass). D, IAS und 45° ermöglichen von allen untersuchten Modellen die höchste Quote hinreichend präzise bestimmter maxLass-Prognosen (IAS: 75%, D und 45°: 69%). Ein kombiniertes Schwellenmodell (D+IAS+Dmaxmod) erwies sich als bester Prädiktor für maxLass (81%).Diskussion:Mit der Studie wurden zum ersten Mal verschiedene Laktatschwellen mit den jeweiligen Originaltestprotokollen bestimmt und deren Übereinstimmung mit dem maxLass überprüft. Die Laktatschwellenmodelle D, IAS und 45° ermöglichten diesbezüglich die beste maxLass-Prognose, auch wenn diese in Einzelfällen praxisrelevante Abweichungen ergab. Demgegenüber ist die Anwendbarkeit von LS, Dmax, Dmaxmod und 4-mmol/l für diesen Zweck kritisch zu bewerten. Die kombinierte Anwendung verschiedener Modelle könnte zu einer verbesserten Prognose führen.Zusammenfassung:Die Validität gängiger Laktatschwellenmodelle zur maxLass-Prognose differiert zum Teil erheblich. D, IAS und 45° erwiesen sich als die besten Prädiktoren für maxLass. Die Eignung der übrigen Modelle zur maxLass-Prognose erscheint fraglich. Darüber hinaus sind grundlegende Aspekte zur Reproduzierbarkeit und der Variabilität des maxLass durch Folgeuntersuchungen zu klären.
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