Bestimmung von Immunglobulin G und M im Serum neugeborener Kälber während der ersten zehn Lebenstage unter besonderer Berücksichtigung des Fütterungsregimes
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Zusammenfassung
Die Überprüfung des Einflusses unterschiedlicher Fütterungsregime auf die Entwicklung der Immunglobulinspiegel beim bovinen Neonaten war bereits Gegenstand zahlreicher wissenschaftlicher Untersuchungen. Bislang fehlte allerdings eine vergleichende Untersuchung, welche auf Basis identischer Haltungsbedingungen alle in praxi durchführbaren Fütterungsregime in Hinblick auf die optimale Immunglobulinversorgung des neugeborenen Kalbes zum Gegenstand hatte. Ziel dieser Arbeit war daher die gegenüberstellende Untersuchung verschiedener Fütterungsregime in Hinblick auf eine effiziente Immunglobulinversorgung des neugeborenen Kalbes auf der Basis identischer Haltungsbedingungen. Zu diesem Zwecke erfolgte die Bildung von insgesamt vier Versuchsgruppen (Gruppe 1 bis 4) mit jeweils sieben Kälbern. Die Probanden der ersten beiden Gruppen erhielten 2, 6 und 12 h post natum jeweils einen Liter Kolostrum. In den folgenden zehn Lebenstagen wurde den Kälbern der Gruppe 1 handelsüblicher Milchaustauscher gefüttert, während die Tiere der Gruppe 2 jeweils die Milch ihrer Mutter erhielten. Dem Probandenkollektiv einer weiteren Versuchsgruppe (Gruppe 3) wurde ebenfalls zu den Zeitpunkten 2, 6 und 12 h post natum jeweils ein Liter Kolostrum gefüttert. Danach wurden bis zum einschließlich zehnten Lebenstag zu jeder Fütterung zusätzlich 500 ml homologe Biestmilch des ersten und zweiten Gemelks post partum verabreicht. Den Kälbern der vierten Gruppe wurde 2 h post natum die Menge von drei Litern Kolostrum per Schlundsonde eingegeben. Im Anschluss bekamen diese Probanden ausschließlich Milchaustauscher. Die Bestimmung der Immunglobuline G und M erfolgte in engen Abständen im Serum der Kälber und im Kolostrum beziehungsweise in der Milch ihrer Muttertiere über einen Zeitraum von insgesamt zehn Tagen. Hierbei fand ein in der Klinik für Geburtshilfe, Gynäkologie und Andrologie der Groß- und Kleintiere mit Tierärztlicher Ambulanz der Justus-Liebig-Universität in Giessen bereits 1998 entwickelter und 2004 modifizierter kompetitiver ELISA Anwendung. Dieser konnte in der vorliegenden Untersuchung in seiner Präzision und Effizienz bestätigt werden. Erwartungsgemäß kam es bereits nach der ersten Biestmilchgabe zu einem Anstieg der IgG- und IgM-Serumgehalte aller Probanden, der sich nach den folgenden Kolostrumfütterungen fortsetzte. Etwa die Hälfte der Kälber wies maximale IgG- respektive IgM-Serumkonzentrationen zwischen der 12. und 48. Lebensstunde auf. Eine nicht unerhebliche Anzahl der Probanden erreichte diese Spitzenwerte jedoch erst zu späteren Zeitpunkten. Im Fall von IgM konnte zur 24. Lebensstunde ein signifikanter Unterschied zwischen den Serumkonzentrationen der einzelnen Versuchsgruppen nachgewiesen werden. Hierbei zeigten die Probanden der Gruppe 3 den höchsten, diejenigen der Gruppe 4 hingegen den niedrigsten Wert. In Bezug auf IgG konnten zwar keine statistisch signifikanten Unterschiede in Hinblick auf die Serumkonzentrationen zum Zeitpunkt 24 h post natum nachgewiesen werden, allerdings zeigten auch hier die Kälber der Versuchsgruppen 2 und 3 über den gesamten Untersuchungszeitraum hinweg die höchsten durchschnittlichen Werte im Serum. Es wurde eine hoch signifikante Korrelation zwischen den IgG- und IgM-Gehalten der verabreichten Kolostralmilch und den IgG- beziehungsweise IgM-Konzentrationen im Serum des Gesamtkollektivs zum Zeitpunkt 24 h post natum nachgewiesen. Für den Einzelfall war jedoch keine Voraussage des zu erreichenden Immunglobulinspiegels im Serum vor dem Hintergrund der Immunglobulingehalte des Kolostrums möglich. Bei der im Rahmen dieser Untersuchung durchgeführten Überprüfung eines sogenannten Biestmilchtesters ergab sich keine statistische Signifikanz zwischen den mittels ELISA und Kolostrometer in der Biestmilch ermittelten Immunglobulingehalten. Zusätzlich erfolgte die Überprüfung der Aussagekraft des Gesamtproteingehaltes im Plasma der Probanden in Bezug auf die Immunglobulinversorgung. Hierzu wurde die Summe aus IgG und IgM mit der Gesamtproteinkonzentration zum Zeitpunkt 24 h post natum in Beziehung gesetzt. Lediglich für die Kälber der Gruppe 1 konnte eine statistische Signifikanz zwischen diesen beiden Größen aufgezeigt werden. Für die anderen Gruppen und für das Gesamtkollektiv gelang dieser Nachweis jedoch nicht. Die Aktivität des Enzyms Gammglutamyltransferase wurde als weiterer Parameter für eine erfolgreiche Kolostrumresorption parallel zu den IgG- respektive IgM-Serumgehalten der Probanden gemessen und die Resultate zum Zeitpunkt 24 h post natum miteinander in Beziehung gesetzt. Hierbei ergab sich weder für die einzelnen Gruppen noch für das Gesamtkollektiv ein statistisch nachweisbarer Zusammenhang der beiden Parameter. Zusammenfassend ist festzustellen, dass durch die Fütterung von Vollmilch beziehungsweise die zusätzliche Verabreichung von Kolostrum innerhalb der ersten zehn Lebenstage beim bovinen Neonaten tendenziell höhere Immunglobulinspiegel im Serum zu erreichen sind. Ob dies durch eine Resorption kolostraler Antikörper aus dem Darm über die 24. Lebensstunde hinaus bedingt ist, konnte aufgrund der vorliegenden Untersuchungsergebnisse nicht eindeutig geklärt werden. Daher muss in zukünftigen Forschungen bezüglich der Immunglobulinresorption beim bovinen Neonaten der Schwerpunkt auf histologische und molekularbiologische Untersuchungen gelegt werden.Verknüpfung zu Publikationen oder weiteren Datensätzen
Beschreibung
Anmerkungen
Erstpublikation in
Giessen : VVB Laufersweiler 2006
