Analyse relevanter Einflussfaktoren auf das Outcome nach endovaskulärer Versorgung thorakaler Aortenaneurysmen mit Gruppenvergleich
Date
Authors
Advisors/Reviewers
Further Contributors
Contributing Institutions
Publisher
Journal Title
Journal ISSN
Volume Title
Publisher
Quotable link
Abstract
Die Aorta leistet einen bedeutsamen Anteil bei der Blutversorgung lebenswichtiger Strukturen und wird dementsprechend seit Kurzem durch die Europäische Gesellschaft für Herz-Thorax-Chirurgie (EACTS) und die US-amerikanische Society of Thoracic Surgeons (STS) als eigenständiges Organ klassifiziert. Dementsprechend erfordern thorakale Aortenpathologien wie das thorakale Aortenaneurysma (TAA) und das penetrierende Aortenulkus (PAU) spezialisierte, multiprofessionelle Therapiekonzepte, wie sie am Hessischen Aortenzentrum am UKGM Gießen dargestellt werden können. Die thorakale endovaskuläre Aortenreparatur (TEVAR) stellt dabei eine minimalinvasive Behandlungsoption dar und ist heutzutage oftmals das Mittel der Wahl.
Die vorliegende monozentrische retrospektive Studie untersuchte relevante Einflussfaktoren auf das Langzeit-Outcome nach TEVAR bei am UKGM Gießen behandelten Patienten mit TAA und PAU. Die Zielparameter umfassten dabei Mortalität, Reinterventionen und zusätzlich das Auftreten von Endoleaks und Migrationen der Stentgrafts. Dafür wurden diverse patientenspezifische und operationsbetreffende Parameter, peri- und postoperative Verlaufsdaten sowie klinische Ergebnisse erfasst und ausgewertet. Insgesamt wurden 141 Patienten, die zwischen 2007 und 2022 mit Stentgrafts verschiedener Hersteller (Bolton Medical bzw. Terumo Aortic, Cook Medical, Gore und Medtronic) behandelt wurden, eingeschlossen. Das mittlere Alter der Patienten betrug 71,7 Jahre (SD ± 9,6 Jahre). Das mittlere Follow-Up betrug 36 Monate.
Die 30-Tage-Mortalität lag in dieser Studie bei 19 % (95 % KI: 14,2–25,0 %), wobei der Großteil der innerhalb der ersten 30 Tage verstorbenen Patienten, notfallmäßig oder dringlich operiert wurde. Die 1-Jahres-Mortalität betrug 31,4 % (95 % KI: 24,5–39,0 %), während die 5-Jahres-Mortalität 55,3 % (95 % KI: 46,7–63,5 %) betrug. Patienten mit notfallmäßigen Eingriffen hatten ein 2,16-fach erhöhtes Sterberisiko (p = 0,008). Ebenso zeigte sich ein deutlicher Einfluss des präoperativen Gesundheitszustands: Patienten in den ASA-Klassen IV/V wiesen ein 5,8-fach höheres Sterberisiko im Vergleich zur Referenzgruppe ASA II auf (HR = 5,80, 95 % KI: 1,35–24,9, p = 0,018). Auch das Alter beeinflusste die Mortalität statistisch signifikant (HR = 1,04 pro Jahr; p = 0,006). Die mediane Reinterventionsfreiheit betrug 78,8 Monate. Die Reinterventionsfreiheit nach 1 Jahr lag bei 71,3 % (95 % KI: 61,3–82,9 %), nach 3 Jahren bei 56,8 % (95 % KI: 45,2–71,3 %) und nach 5 Jahren bei 54,3 % (95 % KI: 42,5–69,3 %). Insgesamt benötigten 22,7 % der Patienten eine Reintervention an der Aorta. Das Vorliegen eines Endoleaks erhöhte erwartungsgemäß das Risiko für eine aortale Reintervention signifikant (HR = 2,24; p = 0,028).
Insgesamt wurden 44 Patienten (31,2 %) mit einem Endoleak diagnostiziert, wobei Endoleaks vom Typ 1 in 8,5 % der Fälle auftraten. Die Analyse der Einflussfaktoren auf das Auftreten von Endoleaks Typ 1 ergab, dass männliches Geschlecht mit einem 6,87-fach höheren Risiko assoziiert war (OR = 6,87, 95 % KI: 1,35–53,4; p = 0,019). Zudem zeigte sich ein höheres Oversizing als potenziell protektiver Faktor (OR = 0,90, 95 % KI: 0,81–0,98; p = 0,007). Darüber hinaus war eine höhere Anzahl eingesetzter zentraler Stentgrafts signifikant mit dem Auftreten von Endoleaks insgesamt assoziiert (OR = 1,84; 95 % KI: 1,17–3,08; p = 0,008). Allerdings sind diese Ergebnisse aufgrund der geringen Fallzahl (n = 12) möglicherweise mit hoher statistischer Unsicherheit behaftet und haben daher nur eine begrenzte Aussagekraft. Ein signifikanter Einfluss des jeweils verwendeten Stentgraft-Herstellers (Bolton vs. Andere) auf die Outcome-Parameter (Mortalität, Endoleak, Migration, Reintervention) konnte nicht festgestellt werden.
Zusammenfassend spiegeln die Studienergebnisse TEVAR als eine etablierte und effektive Therapieoption für TAA wider. Die Erfolgsraten von TEVAR in der vorliegenden Arbeit entsprechen den in der verfügbaren Literatur veröffentlichten Ergebnissen. Eine konsequente Nachsorge inklusive Schnittbildgebung ist essenziell, um Langzeitkomplikationen frühzeitig zu identifizieren. Zukünftige multizentrische Studien mit größeren Kohorten könnten helfen, spezifische Risikofaktoren genauer zu untersuchen mit dem Ziel, das Management und letztlich das Patienten-Outcome zu optimieren.
