Untersuchungen zur Assoziation von CP/CPPS-Symptomen bei Männern mit erektiler Dysfunktion, LUTS, Angst und Depression : eine testpsychologische Analyse
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Zusammenfassung
Epidemiologische Daten zeigen die hohe Bedeutung prostatitischer Symptome im urologischen Alltag auf. Studien an sehr unterschiedlichen Patientenkollektiven belegen eine hohe Prävalenz der CP/CPPS und weisen auf mögliche Zusammenhänge mit weiteren Symptomen wie erektile Dysfunktion, LUTS, Angst und Depression hin. Dieser Stand der Literatur war der Anstoß, prostatitische Symptome einmal umfassend mit mehreren Methoden an einem klar definierten Patientenkollektiv zu untersuchen. Die Daten zur vorliegenden Studie wurden innerhalb von zwei Jahren in der Prostatitis-Sprechstunde an der Klinik und Poliklinik für Urologie und Kinderurologie des Universitätsklinikums Gießen und Marburg, Standort Gießen, gesammelt. Alle Patienten durchliefen das standardisierte diagnostische Procedere gemäß den Kriterien der National Institutes of Health. Anhand der Untersuchungsergebnisse wurden die Patienten nach der Prostatitisklassifikation der National Institutes of Health klassifiziert. Bezüglich der Fragestellung wurden nur die Patienten mit CP/CPPS (NIH IIIA und B) näher betrachtet. Um eine möglichst umfassende Sicht auf die Auswirkungen des chronischen Beckenschmerzsyndroms zu erhalten, wurden die Symptome erektile Dysfunktion, LUTS, Angst und Depression sowie die Faktoren Alter, Body-Mass-Index und sportliche Aktivität durch einen ausgewählten Satz von in der Diagnostik etablierten Fragebögen erfasst. Die Studie beruht auf Daten von 300 Patienten. Für die weitere Auswertung waren nur die Fragebögen von 206 Patienten geeignet. Die Häufigkeit der einzelnen Prostatitisklassen (NIH I bis IV) entsprechen in ihrer Häufigkeitsverteilung großer internationaler Studien. Das Gleiche gilt für die Alterszusammensetzung. Bei 139 Patienten lag nach den Kriterien der NIH ein chronisches Beckenschmerzsyndrom (CP/CPPS) vor. Der Mittelwert des NIH-CPSI Gesamtscores von 23,9 liegt im Bereich vorangegangener Studien. Die Ergebnisse für die NIH-CPSI Skala Schmerz liegen etwas über und die für die Skala Miktionssymptome etwas unter den Daten der zum Vergleich herangezogenen Studien. Somit wirkt sich das vermehrte Schmerzempfinden negativer auf die Lebensqualität der Patienten aus als die Miktionssymptomatik. Dieses deckt sich mit bestehenden Ergebnissen. Von den Patienten mit CP/CPPS haben 47,0 % gemessen mit dem IIEF eine erektile Dysfunktion. Bei über 71 % der Patienten war die erektile Dysfunktion als mittel bis schwer einzustufen. Trotz dieser Häufigkeit der erektilen Dysfunktion konnte keine Korrelation zu der Symptomatik der CP/CPPS nachgewiesen werden. Eine Untersuchung zur Korrelation des NIH-CPSI mit dem GPSS ergab ein positives Ergebnis. Damit erweist sich der GPSS als ein weiteres adäquates Instrument zur Erfassung prostatitischer Beschwerden im deutschen Sprachraum und kann ergänzend oder äquivalent als Diagnostikum eingesetzt werden. Die in der Studie festgestellte Korrelation des NIH-CPSI mit dem IPSS zeigt, dass die LUTS eng mit der CP/CPPS verknüpft ist. Der überwiegende Teil der Patienten gibt eine mittelschwere bis schwere Symptomatik an. Die Thesen älterer Untersuchungen, nach denen Patienten mit CP/CPPS vermehrt an Angst und Depression leiden, konnten anhand der Ergebnisse der vorliegenden Studie belegt werden. Bei über einem Drittel der Patienten konnten Symptome einer Angststörung und bei nahezu einem Drittel Symptome einer Depression nachgewiesen werden. Signifikante Korrelationen zwischen dem NIH-CPSI und dem HADS-D unterstreichen die Verknüpfung zwischen psychischen Faktoren und einer CP/CPPS-Symptomatik. Bei der Untersuchung von möglichen Komorbiditäten zur CP/CPPS wurden keine Zusammenhänge mit dem Alter der Patienten sowie der durch den Body-Mass-Index beschriebenen physischen Konstitution gefunden. Das gleiche Ergebnis gilt für den Zusammenhang zu einer allgemeinen sportlichen Aktivität. Weitergehende Aussagen über speziell die Prostata belastende Sportarten und Aktivitäten können anhand der eigenen Daten nicht getroffen werden. Der Vergleich von internationalen Studien mit den Daten der eigenen Arbeit belegt, dass die Herkunft sowie die Altersstruktur der Patienten keinen Einfluss auf die Ergebnisse haben. Damit sind bei Nutzung valider Messinstrumente, auch bei der Untersuchung von Teilaspekten, Rückschlüsse auf die Gesamtpopulation der Patienten mit CP/CPPS möglich. Schlussfolgerung für den klinischen Alltag Wegen der hohen Prävalenz an mittlerer und schwerer erektiler Dysfunktion bei Patienten mit CP/CPPS sollte die zusätzliche Erfassung von Symptomen einer erektilen Dysfunktion inte-graler Bestandteil einer Prostatitisdiagnostik werden. Die Eignung des GPSS zur Erfassung prostatischer Beschwerden im deutschen Sprachraum wurde bestätigt. Die in der Arbeit nachgewiesene enge Vergesellschaftung der CP/CPPS mit mittelschwerer und schwerer LUTS macht deutlich, dass die Erfassung beider Symptomenkomplexe in der Diagnostik sinnvoll ist. Die Analysen der vorliegenden Daten zeigen eine hohe Neigung zu Angststörungen und Depression bei Patienten mit CP/CPPS. Daher sollte bei der Primärdiagnostik ein kurzes psychologisches Assessment in Form eines Fragebogens erfolgen. Gibt es Hinweise auf ein schwereres psychisches Leiden des Patienten, sollte eine weiterführende Diagnostik diskutiert werden. Nach den vorliegenden Daten müssen das Alter, ein Body-Mass-Index nahe dem Normbereich sowie die allgemeine sportliche Aktivität der Patienten in der Diagnostik nicht berücksichtigt werden.Verknüpfung zu Publikationen oder weiteren Datensätzen
Beschreibung
Anmerkungen
Erstpublikation in
Giessen : Laufersweiler
