Im Rahmen der vorliegenden Arbeit wurden die mittelfristigen klinischen und radiologischen Ergebnisse der dreifachen Beckenosteotomie nach Tönnis untersucht. Das Ziel war die vollständige Erfassung eines homogenen Patientenkollektivs nach einer exakt definierten Nachuntersuchungszeit.Es wurden ausschließlich dysplastische Hüftgelenke mit einem Dezentrierungsgrad 1 oder 2 nach Tönnis ohne wesentliche degenerative Veränderungen, einem Arthrosegrad 0 oder 1 nach Tönnis entsprechend, die im Jahr 1988 operiert wurden, in die Studie aufgenommen. Voroperierte Gelenke und Fälle mit simultan durchgeführter intertrochantärer Umstellungsosteotomie wurden von der Studie ausgeschlossen.
Von 55 in die Studie aufgenommenen Patientinnen und Patienten wurden 54 erfasst (98 %). In der Zeit von Oktober 1999 bis Juni 2000 wurden von 53 Patienten mit erhaltenem Hüftgelenk 50 Patienten (94,3 %) persönlich klinisch nachuntersucht. Der Nachuntersuchungszeitraum betrug durchschnittlich 11,5 Jahre (11,0 bis 12,3 Jahre). Prä- und postoperative Röntgenbilder lagen von allen Patienten vor, in nur zwei Fällen konnten wegen einer Schwangerschaft bzw. fehlendem Einverständnis keine aktuellen Aufnahmen angefertigt werden.Die nachuntersuchten 46 Frauen und 8 Männer mit 56 operierten Hüftgelenken waren zum Operationszeitpunkt durchschnittlich 24,6 Jahre alt (13 bis 47 Jahre). Die Operationsindikation war in allen Fällen das schmerzhafte dysplastische Hüftgelenk. Präoperativ waren 51 Gelenke (91,1 %) frei von degenerativen Veränderungen, 5 Gelenke (8,9 %) wiesen eine erstgradige Arthrose auf. In 30 Fällen (53,6 %) bestand eine erstgradige, in 26 Fällen (46,4 %) eine zweitgradige Dezentrierung. Der CE-Winkel nach Wiberg betrug präoperativ im Durchschnitt 11,1 Grad (-9° bis +27°), der VCA-Winkel nach Lequesne und de Sèze 9,8 Grad (-10° bis +35°).Durch die Dreifachosteotomie wurde die seitliche und vordere Überdachung des Femurkopfes in den meisten Fällen weitgehend normalisiert. Der CE-Winkel wurde auf durchschnittlich 33,5 Grad (21° bis 50°), der VCA-Winkel auf 34,8 Grad (17° bis 54°) verbessert. Die Entstehung von Arthrose konnte durch die Operation wirkungsvoll verhindert werden. Nach mehr als 11 Jahren wiesen nur 4 Gelenke (7,1 %) bei zwei Patientinnen eine Zunahme degenerativer Veränderungen auf.Einer dieser Patientinnen wurden 10 bzw. 11 Jahre nach beidseitiger Dreifachosteotomie beidseitig Hüftendoprothesen implantiert.Das klinisch-funktionelle Ergebnis wurde mit Hilfe des Harris-Hip-Score bewertet. Präoperativ war das Gesamtergebnis in 89,3 Prozent der Fälle schlecht oder ausreichend, der durchschnittliche Score betrug 60,6 Punkte. In allen Fällen verbesserte sich der Score nach der Operation. Aktuell war das Ergebnis in 80,4 Prozent der Fälle sehr gut bzw. gut, der durchschnittliche Score betrug 89,3 Punkte. Subjektiv wurde das Operationsergebnis in 83,9 Prozent der Fälle als sehr gut bzw. gut, in 8 Fällen (14,2 %) als zufrieden stellend und nur in einem Fall (1,8 %) als schlecht beurteilt. Bei der Nachuntersuchung wurden die Beschwerden seitens des operierten Hüftgelenks in 88,7 Prozent der Fälle als deutlich gebessert gegenüber präoperativ bezeichnet.Die Komplikationsrate im untersuchten Patientengut war gering. Es wurde lediglich eine unkomplizierte Unterschenkelvenenthrombose beschrieben, Lungenembolien traten nicht auf. Bleibende motorische Defizite wurden nicht beobachtet, eine Hyposensibilität im Versorgungsgebiet des Nervus cutaneus femoris lateralis wurde von etwa 15 Prozent der Patienten angegeben. Bei zwei Patientinnen entwickelte sich eine kombinierte Scham- und Sitzbeinpseudarthrose. Schwerwiegende Komplikationen wie Nekrosen des Acetabulums wurden nicht beobachtet.
Die Ergebnisse dieser Studie belegen den großen therapeutischen Nutzen der dreifachen Beckenosteotomie nach Tönnis bei der Behandlung des symptomatischen dysplastischen Hüftgelenks des jungen Erwachsenen.
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