Untersuchungen zu Kausalität und Pathogenität von zwei verschiedenen Isolaten des Psittaciform 1 bornavirus als Ursache der Psittazinen Drüsenmagendilatation (PDD) am Beispiel des Nymphensittichs (Nymphicus hollandicus)

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Das Psittaciform 1 bornavirus wurde als neues Mitglied der Familie Bornaviridae im Jahr 2008 bei Papageien entdeckt, die an der Psittazinen Drüsenmagendilatation (PDD) erkrankt waren. Die PDD ist durch eine nichteitrige Ganglioneuritis gekennzeichnet und endet in der Regel tödlich. Erste Infektionsversuche bekräftigten den engen Zusammenhang zwischen einer Infektion mit aviären Bornaviren und der Erkrankung an PDD. Diese wurden jedoch mit nur wenigen Versuchstieren durchgeführt, die zudem mit weiteren Viren infiziert waren. Die vorliegende Arbeit soll erstmalig den detaillierten Infektions- und Erkrankungsverlauf zweier unterschiedlicher Isolate der Psittaciform 1 bornavirus-Varianten Parrot bornavirus (PaBV)-2 und PaBV-4 nach experimenteller Infektion untersuchen. Dies erfolgte anhand von Serokonversion, Nachweis von PaBV-RNA, klinischer Symptome, histologische Gewebeveränderungen und Antigenverteilung sowie Reisolierung von infektiösem Virus bei einer statistisch relevanten Tierzahl über einen Beobachtungszeitraum von 33 Wochen. Dazu wurden je Isolat neun Nymphensittiche intrazerebral (ic) und neun Nymphensittiche intravenös (iv) infiziert. Zusätzlich wurde jeweils ein Sentineltier in die ic-Gruppe integriert. In beiden Versuchen konnte bei allen inokulierten Tieren eine persistierende PaBV-Infektion induziert werden. Erste anti-PaBV-Antikörper wurden sechs bzw. sieben Tage pi nachgewiesen (signifikant früher bei PaBV-2), erste PaBV-RNA in Kropf- und Kloakentupfern wurde ab Tag 19 bzw. 27 pi nachgewiesen (signifikant früher bei PaBV-4), wobei Antikörpertiter und RNA-Gehalt stetig im Versuchsverlauf anstiegen. Klinische Symptome traten ab Tag 22 bzw. 33 pi auf mit einer signifikant höheren Erkrankungsrate bei PaBV-2 (12 Vögel) im Vergleich zu PaBV-4 (fünf Vögel). Einen dilatierten Drüsenmagen wiesen in Versuch I (PaBV-4) sieben Tiere auf - zumeist gering- bis mittelgradig dilatiert. In Versuch II (PaBV-2) zeigten 10 Tiere eine zumeist mittel- bis hochgradige Drüsenmagendilatation. In allen infizierten Vögeln gelang der histopathologische Nachweis der für eine PDD charakteristischen lymphoplasmazellulären Infiltrate. PaBV-RNA und Antigen wurde ebenfalls in den Organen aller infizierter Nymphensittiche nachgewiesen. Hier zeigten die untersuchten PaBV-Isolate nicht den für BoDV charakteristischen strikten Neurotropismus, sondern eine breite Verteilung in unterschiedliche Organe mit Betonung auf den Verdauungstrakt (PaBV-2) und das Nervensystem (PaBV-4). Mit der erfolgreichen Reisolierung von infektiösem Virus aus allen infizierten Vögeln wurden die Henle-Koch schen Postulate erfüllt. Dabei zeigte sich in Versuch II (PaBV-2), dass der PaBV-RNA- und Antigengehalt in den Organen sowie die Replikationsgeschwindigkeit bei Reisolierung von der Überlebensdauer eines Vogels im Versuch abhängt. Somit zeigt diese Studie deutliche Unterschiede zwischen den zwei verwendeten PaBV-Isolaten im Nymphensittich auf. Sie zeigt aber auch, dass ein Isolat sich in verschiedenen Individuen derselben Spezies unterschiedlich verhalten kann. Zudem besaßen hohe Antikörpertiter keine schützenden Eigenschaften und früh erkrankte und gestorbene/euthanasierte Tiere wiesen, insbesondere in Versuch II (PaBV-2), zumeist einen geringen Virusgehalt auf. Zieht man Parallelen zu BoDV, so ist anzunehmen, dass geringe Virusmengen ausreichen um klinische Symptome hervorzurufen und dass eine frühe Hochregulation von CD-4+-T-Zellen durch eine hohe Replikationsrate des Virus eher vor dem Ausbruch der Erkrankung schützt. Neben dem Einfluss der PaBV-Variante scheinen viele weitere Faktoren, wie z.B. Immunstatus und Spezies des Wirtes oder der Infektionsweg, eine bedeutende Rolle für den Infektions- und Erkrankungsverlauf zu spielen. Dies wird auch durch die Sentineltiere deutlich, die über einen Zeitraum von 33 Wochen hinweg dauerhaften und engen Kontakt zu den infizierten Vögeln hatten, sich jedoch nicht mit PaBV infizierten.

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Gießen : http://www.dvg.net/ DVG Service Gmbh

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