Das Hepatitis C-Virus ist eines der am weitesten verbreiteten persistierenden humanen Viren, mit dem weltweit über 170 Millionen Menschen chronisch infiziert sind. Bei über 80 Prozent der infizierten Personen kommt es zu einer chronischen Infektion, 20 bis 30 Prozent der Patienten erkranken an Leberzirrhose und bei 2,5 Prozent treten hepatozelluläre Karzinome auf. Gegenwärtig existiert keine Impfung gegen HCV, die derzeitige antivirale Therapie ist mit starken Nebenwirkungen verbunden, und überhaupt nur bei 50-60 Prozent der behandelten Patienten erfolgreich. Zudem stellen die Folgen einer Infektion mit HCV heute in den USA und Europa die vorherrschende Ursache für die Notwendigkeit einer Lebertransplantation dar. Es ist anzunehmen, dass im Verlauf einer Infektion mit dem Hepatitis C-Virus der zellulären Immunantwort eine Schlüsselrolle zukommt. Ziel dieser Arbeit war es, ein Testsystem zu etablieren, mit dessen Hilfe HCV-spezifische T-Lymphozyten mittels Durchflusszytometrie gemessen werden können, um so einen Beitrag zum besseren Verständnis für die Immunantwort gegen das Hepatitis C-Virus zu leisten. Das System des Lymphozytenstimulationstestes soll außerdem als Modell für die Messung der Immunantwort gegen weitere Viren dienen, wie das verwandte Klassische Schweinepest-Virus oder das Bovine Virusdiarrhoe/Mucosal Disease (BVD/MD)-Virus. Das bessere Verständnis der zellulären Immunantwort kann zur Entwicklung von Impfstoffen sowie zur Prävention und Therapie einer Erkrankung entscheidend beitragen.Die vorliegende Arbeit etabliert ein Testsystem zur Messung HCV-spezifischer T-Lymphozyten. Da das Hepatitis C-Virus nur sehr ineffizient in Zellkultur repliziert, gibt es verschiedene Surrogatmodelle, um das Virus und seine Pathogenese genauer zu untersuchen. Vielfach werden verschiedene rekombinante HCV-Proteine eingesetzt, um die Lymphozytenfunktion zu überprüfen. Es bleibt allerdings unklar, inwieweit solche Antigene in vivo tatsächlich den T-Zellen präsentiert werden. Als neues Stimulationsmodell setzt diese Arbeit HCV-Pseudotypen ein. Dabei bestehen die HCVpp aus lentiviralen Core-Partiken, die an ihrer Oberfläche unmodifizierte HCV E1- und E2-Hüllglykoproteine tragen, um so als Pseudotypen das native Hepatitis C-Virus zu imitieren.Die Verwendung von HCVpp im Lymphozytenstimulationstest führte zu vergleichbaren Ergebnissen wie die Protein-Stimulation, wobei die HCVpp zu einer stärkeren Stimulation der CD4-Lymphozyten führten. Falls sich diese Überlegenheit der HCVpp in weiteren Studien bestätigen würde, wäre dies ein großer Vorteil gegenüber der herkömmlichen Stimulation mit HCV-Proteinen, da die CD4-Lymphozyten eine entscheidende Rolle im Verlauf der HCV-Infektion spielen.Die Auswertung der Patientendaten ergab eine Th2-Verschiebung der Lymphozytenantwort bei denjenigen Patienten, die das Virus nicht beseitigen konnten. Zudem lassen die Ergebnisse vermuten, dass eine antivirale Therapie zu einer Rekonstitution oder Entwicklung einer Th1-Antwort und damit zur erfolgreichen Überwindung der HCV-Infektion führen könnte. Warum bei einigen Patienten die Therapie jedoch versagt, bleibt in weiteren Studien zu klären.
Verknüpfung zu Publikationen oder weiteren Datensätzen