Wirkung der seriellen Ganzkörperkältetherapie auf den aktuellen Gesundheitszustand sowie pro- und antiinflammatorische Zytokine bei Patienten mit Fibromyalgie
Hintergrund: Seit 1980 besteht die Möglichkeit zur Ganzkörperkältetherapie (GKKT), die heute sowohl in geschlossenen wie auch offenen Kammersystemen durchgeführt werden kann. Als Indikationen gelten v. a. rheumatische Erkrankungen. Die Fibromyalgie stellt eine chronische Schmerzerkrankung mit beachtlicher Heterogenität bzgl. ihrer Symptome, biomedizinischen Parameter sowie Therapieantworten dar. Gut 2% der Bevölkerung sind dadurch in ihrer Lebensqualität stark eingeschränkt. Die zur Verfügung stehenden Therapieoptionen müssen stets individuell in einem interdisziplinären Konzept ausgewählt werden. Hierbei konnte auch die GKKT vereinzelt erfolgreich eingesetzt werden. Die Auswirkungen dieser zu evaluieren sowie zu überprüfen, ob die in einer Pilotstudie bei rheumatischen Erkrankungen beobachteten Veränderungen von Zytokinen auf die Fibromyalgie übertragbar sind, war Ziel der vorliegenden Studie.Methoden: 23 Fibromyalgie-Patienten sowie 30 gesunde Kontrollen wurden innerhalb von zwei bis drei Wochen sechs Mal in einer offenen Kältekammer bei durchschnittlich -130°C behandelt. Zu drei Zeitpunkten während des Behandlungszyklus sowie drei Monate danach erfolgte eine Befragung der Schmerzen mittels visueller Analogskala (VAS) sowie eine Blutentnahme zur Untersuchung der Zytokine IL-1, -6, -10 und TNF-a. Diese erfolgte anschließend durch ein ELISA-Verfahren. Zusätzlich wurde anhand von Fragebögen (u.a. FIQ, LANSS) der Gesundheitszustand, neuropathische Schmerzen sowie die Akzeptanz des Verfahrens eruiert.Ergebnisse: Im Mittel verbesserte sich der Gesundheitszustand durch die Anwendungen, gemessen anhand VAS und FIQ, signifikant zum Ausgangswert (p<0,001). In den laborchemischen Analysen zeigten sich keine Veränderungen durch die Behandlung. Dabei war die Akzeptanz durchaus positiv, obwohl das Ausmaß der Effekte deutliche Unterschiede aufwies. Eine mittelfristige Schmerzlinderung wurde nicht beobachtet.Schlussfolgerungen: Bei einer Mehrzahl der Fibromyalgie-Patienten kann eine serielle GKKT zur Verbesserung ihres Gesundheitszustandes führen, während andere keinerlei Veränderungen erfahren. Dabei scheint ein offenes Kältekammersystem eine bessere Verträglichkeit zu bieten, als es von geschlossenen berichtet wird. Ihre weitere Verbreitung, um die Möglichkeit dieser Therapie auch im Alltag auszuweiten, wäre daher wünschenswert. Ein Ansatzpunkt zur Erklärung der Wirkweise der GKKT bei Fibromyalgie findet sich wohl nicht im Bereich der Zytokine.
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