Vermessung des Corpus callosum bei Patienten mit Tinnitus und bei gesunden Menschen mit Hilfe der Magnetresonanztomographie

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Der Pathomechanismus von Tinnitus ist weitgehend unbekannt. Die Krankheit ist durch eineHypererregbarkeit gekennzeichnet, die aus einer Reduktion der inhibitorischen Prozesse und einer Amplitudenerhöhung auf verschiedenen Ebenen der Hörbahn resultiert. Man vermutet, dass bei Tinnitus-Patienten einige Gehirnregionen verändert sind, u.a. der mediale Anteil des Heschlschen Gyrus (mHG). Der mHG, in dem sich der primäre auditorische Cortex befindet, ist bei Patienten, die unter Tinnitus leiden, kleiner als bei gesunden Kontrollprobranden. Des Weiteren gibt es einen Zusammenhang zwischen der (den) von Tinnitus betroffenen Ohrseite(n) und der Seite der mHGVolumenreduzierung, der sich durch einen kleineren mHG ipsilateral zum betroffenen Ohr zeigt (Schneider et al., 2009). Das Corpus callosum (CC) ist eine der wichtigsten interhemisphärischen Verbindungen des Gehirns, die homotope und heterotope Bereiche des Hörcortex der linken und rechten Hemisphäre miteinander verbindet. Diese interhemisphärischen Projektionen sind sowohl exzitatorisch als auch inhibitorisch. In der vorliegenden Arbeit wird untersucht, ob sich das wahrgenommene Tinnitus-Geräusch im CC widerspiegelt. Unsere Hypothese war, dass ein volumenverminderter mHG zusammen mit einem CC, das in genau den Segmenten verkleinert ist, in denen die auditorische Information übertragen wird, eine geringere tonische Inhibition erzeugt und dadurch die Entstehung einer Tinnitus-bedingten Aktivität ermöglicht. Da in der Literatur auch Unterschiede im CC-Volumen zwischen Berufsmusikern und Nicht-Musikern beschrieben werden und die Personen dieser Studie diese beiden Gruppen repräsentieren, ist auch dieser Vergleich Teil der vorliegenden Arbeit. Die vorliegende MRT-Studie untersuchte mit Hilfe des medizinischen Bildbearbeitungsprogrammes MRIcro und der Matlab image toolbox die mittsagittale Querschnittsfläche des CC von Tinnitus-Patienten im Vergleich zu gesunden Kontrollprobanden, bei denen in einer vorherigen Studie der mHG untersucht wurde. Nachdem das CC mittels MRIcro aufgrund von Intensitätsunterschieden zwischen den verschiedenen Gehirnstrukturen aus den MRT-Schnittbildern herausgeschnitten wurde, wurde es mit Hilfe der Matlab image toolbox in Unterbereiche eingeteilt. Diese Bereiche wurden einerseits anhand des am häufigsten verwendeten CC-Morphometrieschemas definiert, das von Witelson eingeführt wurde und andererseits anhand des Klassifizierungsschemas nach Hofer & Frahm.Die Ergebnisse beider CC-Morphometrieschemata zeigen einen signifikanten Unterschied in der Subregion III (posteriorer Truncus des CC) zwischen den Gruppen (p = 0,007), wobei die Tinnitus-Patienten eine kleinere CC-Querschnittsfläche in der mittsagittalen Ebene aufweisen. Der betroffene CC-Bereich enthält nach dem Schema von Witelson einen Großteil der auditorischen Fasern, was die vorangegangene Hypothese bestätigt. Die weitläufige Annahme eines Zusammenhanges zwischen der hemisphärischen Asymmetrie und der Größe des CC kann in der vorliegenden Arbeit nicht bestätigt werden, da die Berechnung der Korrelation zwischen dem Asymmetrieindex der auditorischen Cortices und der Querschnittsfläche des CC kein signifikantes Resultat liefert (p = 0,159). Die Gegenüberstellung von den (Teil-)Volumina des auditorischen Cortex und der mittsagitalen Querschnittsfläche des CC und seiner Subregionen ergibt signifikante Effekte in zahlreichen Bereichen, am häufigsten in den Subregionen Hofer II, Hofer IV, Witelson I und Witelson II, was zu der Annahme führt, dass die Größe des CC durch die Cortexgröße vorbestimmt sein könnte. Die Analyse der Musiker- und Nicht-Musiker-Gruppen zeigt in Übereinstimmung mit früheren Studien bei Musikern u.a. eine größere mittsagittale Fläche im Bereich des Segmentes Hofer II (mittleres Drittel des anterioren Truncus) (p = 0,0199). Durch dieses Segment verlaufen sowohl Fasern des prämotorischen Cortex, die eine Rolle bei der sensorischen Bewegungsführung spielen, als auch Fasern des supplementär motorischen Cortex, die an der Planung von motorischen Bewegungen und an der bimanuellen Kontrolle beteiligt sind.Das CC von Personen mit chronischem Tinnitus zeigt einen kleineren posterioren Truncus, was die vorherigen Befunde eines kleineren mHG-Volumens in Abhängigkeit der betroffenen Ohrseite widerspiegelt. Ein kleineres mHG-Volumen zusammen mit einem kleineren CC in genau den Bereichen, die die auditorische Information übertragen, könnte zu einem geringeren Grad an tonischer Inhibition führen und somit die Entstehung einer Tinnitus-bedingten Aktivität fördern. Die bei den Musikern beobachteten Effekte könnten das Resultat der bimanuellen Aktivitäten während des intensiven musikalischen Trainings sein, die die strukturelle Entwicklung des CC, bedingt durch eine Zunahme der Myelination, der Axongröße oder der Anzahl der Fasern, die über das CC verlaufen, beeinflusst.

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Giessen : VVB Laufersweiler

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