Die Klasse II/2 Behandlung bei Postadoleszenten und jungen Erwachsenen mit der Herbst-/Multibracket-Apparatur : eine röntgenkephalometrische Langzeituntersuchung
Ziel der vorliegenden Studie war die Ermittlung der dento-skeletto-facialen Effekte der Herbst-/Multibracket-Apparatur bei Postadoleszenten/jungen Erwachsenen mit einer Klasse II/2 Dysgnathie.
Das Probandengut bestand aus 16 Klasse II/2 Dysgnathien (9 männliche und 7 weibliche Probanden) im Alter von 14 bis 23 Jahren, die alle mit einer Herbst/Multibracket-Apparatur behandelt wurden.
Die aktive Behandlungsdauer (Herbst+MB) betrug durchschnittlich 19,6 Monate (8,1 Monate mit der Herbst-Apparatur und 11,5 Monate mit der nachfolgenden Multibracket-Apparatur). Die Probanden wurden durchschnittlich 2,4 Jahre nach der Behandlung nachuntersucht.
Fernröntgenseitenbilder (FRS) des Kopfes von vor der Behandlung (T1), nach der Herbst-Phase (T2), nach der MB-Phase (T3) und durchschnittlich 2,4 Jahre nach der Behandlung (T4) wurden analysiert.
Die Auswertung der FRS erfolgte anhand einer Standard-Analyse und der SO-Analyse (PANCHERZ 1982).
Ergebnisse der Standard Analyse:
Die sagitale Kieferrelation verbesserte sich. Während des Behandlungszeitraumes T3-T1 wurde der ANB-Winkel um durchschnittlich 1,68° (p<0,001) und der Wits-Wert um durchschnittlich 3,53 mm (p<0,001) verkleinert. Während des totalen Untersuchungszeitraumes T4-T1 wurde der ANB-Winkel um 1,51° (p<0,001) und der Wits-Wert um 2,76 mm (p<0,001) verkleinert.
Die vertikale Kieferrelation wurde nicht negativ beeinflusst. Während des Behandlungszeitraumes T3-T1 verkleinerte sich der ML/NSL-Winkel nicht signifikant (ns). Während des totalen Untersuchungszeitraumes T4-T1 verkleinerte sich der Winkel durchschnittlich um 1,22° (p<0,01).
Die Gesichtsprofilkonvexität wurde positiv beeinflusst. Während des Behandlungszeitraumes T3-T1 vergrößerte sich der N-A-Pg-Winkel um 3,15° (p<0,001), der Ns-Sn-Pgs Winkel um 2,51° (p<0,01) und der Ns-No-Pgs Winkel um 1,50° (p<0,01). Während des totalen Untersuchungszeitraumes T4-T1 vergrößerte sich der Winkel N-A-Pg um 3,07° (p<0,01), der Winkel Ns-Sn-Pgs um 4,20° (p<0,001) und der Winkel Ns-No-Pgs nicht signifikant (ns).
Der Overbite normalisierte sich. Während des Untersuchungszeitraumes T3-T1 verkleinerte sich der Overbite um durchschnittlich 4,17 mm (p<0,001). Während des totalen Untersuchungszeitraumes T4-T1 verkleinerte sich der Overbite durchschnittlich um 3,04 mm (p<0,001).
Die Lippen nahmen eine mehr retrusive Position im Gesicht ein. Während des Behandlungszeitraumes T3-T1 nahm die Oberlippe durchschnittlich eine um 1,14 mm (p<0,05) weiter posterior gelegene Position zur E-Linie ein. Die Unterlippe wies keine signifikante Veränderung auf. Während des totalen Untersuchungszeitraumes T4-T1 nahm die Oberlippe durchschnittlich eine um 2,06 mm (p<0,001) und die Unterlippe eine um 1,32 mm (p<0,01) weiter posterior gelegene Position zur E-Linie ein.
Ergebnisse der SO-Analyse
Bei allen Pobanden kam es zu einer Korrektur des Distalbisses (Normalisierung des Overjets und der sagitalen Molarenrelation).
Die Overjet-Korrektur während des Behandlungszeitraumes T3-T1 betrug durchschnittlich 1,98 mm. An diesem Ergebnis waren mit einem Anteil von 2,58 mm skelettale und mit einem Anteil von 0,60 mm dentale Komponenten beteiligt. Während des totalen Untersuchungszeitraumes T4-T1 verkleinerte sich der Overjet um 1,17 mm, wobei sich 2,44 mm auf skelettale und 1,27 mm auf dentale Veränderungen zurückführen ließen.
Die Korrektur der Molarenrelation während des Behandlungszeitraumes T3-T1 betrug durchschnittlich 3,34 mm (p<0,001), wobei 77% auf skelettale und 23% auf dentale Veränderungen zurückzuführen waren. Während des totalen Untersuchungszeitraumes T4-T1 wurde die Molarenrelation um 2,56 mm (95% skelettale und 5% dentale Veränderungen) in Richtung einer Klasse I verändert.
Schlussfolgernd lässt sich festhalten, dass die Behandlung der Klasse II/2 Dysgnathien bei Postadoleszenten/jungen Erwachsenen mit einer kombinierten Herbst-/Multibracket-Apparatur sehr erfolgreich ist und die Langzeitergebnisse relativ stabil sind.
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