Im Mittelpunkt der vorliegenden Arbeit stand der Einfluss bronchialer und alveolarer Epithelzellen auf das Reaktionsverhalten neutrophiler Granulozyten. Im Rahmen vieler inflammatorischer Prozesse und Krankheitsbilder spielen PMN eine entscheidende Rolle. Den Einfluss der Epithelzellen auf das Reaktionsverhalten der PMN untersuchten wir im Hinblick auf die Aktivierung destruktiver granulozytärer Zellreaktionen. Wir bestimmten die Freisetzung von Sauerstoffradikalen (respiratory burst) und Elastase (Degranulierung) in den jeweiligen Zellüberstand und konnten feststellen, dass Bronchialepithelzellen eine generelle Hemmung dieser Zellreaktionen hervorrufen. Dabei konnten wir zeigen, dass ein ICAM-unabhängiger, direkter Zell-Zell-Kontakt einen weitaus größeren Einfluss der Epithelzellen zuließ, als Stimulationen in Epithel-geprimter Nährlösung. Die pharmakologische Inhibierung der Genese antiinflammatorischer Mediatoren durch die Bronchialepithelzellen ergab sowohl bei Blockade der Cyclooxygenase als auch der 5-Lipoxygenase keine Änderung im granulozytären Verhalten. Durch Antagonisierung der Stickstoffmonoxidgeneration konnten wir allerdings den regulatorischen Einfluss der Bronchialepithelzellen bei fMLP-induzierter PMN-Aktivierung aufheben. NO mit seinen in der Literatur beschriebenen paradoxen Eigenschaften, scheint wohl je nach Konzentrationsgefüge aktivierenden bzw. hemmenden Einfluss zu nehmen. Des Weiteren konnten wir belegen, dass auch exogenes Adenosin bei den Regulationsvorgängen eine wichtige Rolle spielt! Zum einen hemmt bei Induktion mit fMLP exogenes Adenosin den respiratory burst und die Degranulierung, zum anderen konnten wir in Kokulturen den inhibitorischen Effekt der Bronchialepithelien durch Adenosin-Desaminase aufheben.
Zum Vergleich des Einflusses von Bronchial- und Alveolarepithel auf PMN wurden von uns auch Alveolarepithelzellen untersucht. Interessanterweise zeigte sich, dass bei fMLP-induzierter Degranulierung eine gesteigerte Aktivität beobachtet werden konnte. Inhibierung der Cyclooxygenase sowie der Thromboxangenese nahmen keinen Einfluss auf dieses den B2B gegensätzliche Verhalten, jedoch wurde nach Blockade der5-Lipoxygenase auch hier der beobachtete Einfluss der Alveolarepithelien auf die Granulozyten antagonisiert.
Weshalb sich die beiden Pulmonalepithelien unterschiedlich verhalten ist unklar. Möglicherweise sollen Granulozyten in den Bronchien noch keine Aktivierung erfahren, sondern erst am Ort des Geschehens, nämlich in den Alveolen, um dort inflammatorischen Foki mit unvermindertem Potential zu begegnen.
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