Ziel der vorliegenden Arbeit war die Untersuchung der Effektivität von Titantetrafluorid bei der Therapie von Erosionen. Es sollte herausgefunden werden, in wie weit dieses im Vergleich mit Natriumfluorid einen erosiv bedingten Mineralverlust vermindern und u.U. sogar zu einer Remineralisation in Schmelz- und Dentinproben führen kann.
Es wurden jeweils drei longitudinale Schmelz- und Dentinproben von 25 zuvor vollständig impaktierten menschlichen dritten Molaren gewonnen. Diese 400 µm dicken Schmelz- sowie 700 µm dicken Dentinproben wurden parallel zur Zahnoberfläche präpariert. Die resultierenden 75 Proben beider Zahnhartgewebe wurden den zwei Versuchsreihen, Schmelz und Dentin, zugewiesen. Innerhalb jeder Versuchsreihe wurden die 75 Proben auf drei Versuchsgruppen gleichmäßig verteilt. Im einzelnen handelte es sich dabei um folgende Gruppen: Gruppe 1: Kontrollgruppe (erosive Demineralisation, keine Fluoridierung); Gruppe 2: Anwendung von Titantetrafluorid (erosive Demineralisation, Fluoridierung); Gruppe 3: Anwendung von Natriumfluorid (erosive Demineralisation, Fluoridierung). Die Fluoridierungen der Proben fanden zu Beginn eines jeden Versuchstages für fünf Minuten mit wässrigen Fluoridlösungen gleicher Konzentration (1%) und gleichen pH-Werts (1,5) statt. Die Applikationen wurden hierbei in Glasbehältern auf einem Schütteltisch durchgeführt. Anschließend erfolgten täglich sechs erosive Demineralisationen mit einer Dauer von jeweils zehn Minuten und in Abständen von 90 Minuten. Dabei wurde 0,05 molare Zitronensäure mit einem pH-Wert von 2,3 eingesetzt. Auch in diesem Fall kamen Glasbehälter und der Schütteltisch zur Anwendung. In der übrigen Zeit wurden die Proben in künstlichem Speichel aufbewahrt. Die Dauer einer Versuchsreihe betrug insgesamt fünf Tage. Der Mineralgehalt der einzelnen Proben wurde sowohl vor der Versuchsdurchführung mit der Festlegung des sogenannten Baseline-Werts als auch nach jedem Versuchstag bestimmt. Der Baseline-Wert diente als Referenzwert für die Ermittlung des Gesamtmineralverlusts oder -gewinns nach den jeweiligen Tagen.
In der Versuchsreihe Schmelz zeigten die mit Titantetrafluorid behandelten Proben nach Ablauf der fünf Versuchstage mit durchschnittlich 41,8 ± 14,4 µm einen höchst signifikant geringeren Mineralverlust als die mit Natriumfluorid behandelten Proben, deren mittlerer Mineralverlust bei 111,8 ± 25,1 µm lag. Die Proben der Kontrollgruppe wiesen bereits nach dem dritten Tag einen Mineralverlust von 121 ± 27 µm auf. Die Differenzen zu den fluoridierten Proben waren dabei an allen drei Tagen höchst signifikant, sodass die Kontrollgruppe nach dem dritten Tag aus der Versuchsdurchführung herausgenommen wurde. In der Versuchsreihe Dentin lag der mittlere Mineralverlust der Natriumfluoridproben an den ersten vier Versuchstagen knapp unter dem der Titantetrafluoridproben. Am fünften Tag konnten letztere im Durchschnitt jedoch einen Mineralgewinn verzeichnen und verfügten somit am Ende mit 15,4 ± 13,4 µm über einen niedrigeren Mineralverlust als die Natriumfluoridproben mit 21,8 ± 11,8 µm. Für die Proben der Kontrollgruppe wurde an jedem Versuchstag ein Mineralverlust ermittelt, der höchst signifikant höher als der in den fluoridierten Gruppen war. Nach dem fünften Tag betrug dieser 61 ± 17 µm.
Die Versuchsergebnisse verdeutlichen, dass eine Fluoridierung sowohl mit Natrium- als auch mit Titantetrafluorid die Entwicklung von Erosionen unter extremen Bedingungen hemmen kann. Titantetrafluorid zeigte sich bei der Applikation auf Schmelzoberflächen als deutlich effektiver als Natriumfluorid. Bei der Anwendung auf Dentin traten keine signifikanten Unterschiede in der Wirksamkeit der beiden Fluoride auf. Hierbei bewirkte Titantetrafluorid jedoch am letzten Versuchstag einen Mineralgewinn und brachte die erosive Demineralisation somit zum Stillstand. Das durch Titantetrafluorid gebildete, widerstandsfähige Präzipitat konnte mittels rasterelektronenmikroskopischer Aufnahmen veranschaulicht werden.
Trotz der vielversprechenden Ergebnisse dieser und früherer Untersuchungen hinsichtlich der Effektivität von Titantetrafluorid sind weitere Studien mit dem Fokus auf pharmakologische und ästhetische Aspekte bei der in vivo-Anwendung notwendig. Erst dann kann ein Einsatz in Mundhygieneprodukten ins Auge gefasst werden.
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