Konzentrationen von Sexualsteroiden im Blutplasma männlicher und weiblicher Esel
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Zusammenfassung
Esel spielen in zahlreichen Entwicklungs- und Schwellenländern immer noch eine bedeutende Rolle als Nutztiere. In anderen Ländern wiederum werden sie vermehrt als Freizeittiere gehalten, in Deutschland derzeit immerhin ca. 7000 Tiere, mit steigender Tendenz. Da zur Reproduktionsendokrinologie des Esels im Unterschied zum Pferd bisher nur wenige, punktuelle Beobachtungen vorlagen, war es Ziel dieser Arbeit, Referenzwerte für Sexualsteroide bei in Deutschland gehaltenen trächtigen Eselstuten sowie bei Eselhengsten zu erarbeiten. Schwerpunkt der Untersuchungen an weiblichen Tieren war die Erstellung eines Profils trächtigkeitsspezifischer Östrogene als Basis für die hormonelle Trächtigkeitsdiagnostik.Bei über ganz Deutschland verteilt gehaltenen, in den Jahren 2006 bzw. 2007 gedeckten trächtigen Stuten verschiedener Eselrassen bzw. Kreuzungstieren wurden in vierwöchigen Abständen Blutproben gewonnen. Von ursprünglich 35 beprobten Tieren ergaben sich letztlich 18 zumindest weitgehend vollständige und fünf partielle Trächtigkeitsprofile aus intakten Einlingsgraviditäten, die für die Erstellung von Referenzwerten herangezogen werden konnten. Die Hormonkonzentrationen der restlichen sechs graviden Stuten wurden wegen Zwillingsgravidität, Graviditätsstörungen bzw. schwerwiegender Erkrankungen während der Gravidität oder anderer Auffälligkeiten gesondert betrachtet. Zur Erstellung jahreszeitlicher Profile bei Eselhengsten standen über einen Zeitraum von 12 Monaten (Juli 2007-Juni 2008) in Abhängigkeit vom Entnahmezeitpunkt Blutproben von 2-9 Tieren der Rassen Zwergesel bzw. Normalesel zur Verfügung.Bei den trächtigen Eselstuten wurden Progesteron und Gesamtestron mittels im eigenen Labor etablierter und evaluierter radioimmunologischer Messverfahren nach Probenextraktion mit Hexan bzw. Toluol gemessen. Bei fünf ausgewählten Stuten, bei denen ein kompletter Probensatz vorlag, wurden zusätzlich Estron bzw. Estronsulfat separat erfasst. Bei den Eselhengsten wurden die Konzentrationen an Testosteron, Estron bzw. Estronsulfat bestimmt. Die Messung von Testosteron erfolgte ebenfalls mittels eines im eigenen Labor etablierten radioimmunologischen Messverfahrens nach vorheriger Extraktion der Proben mit Toluol.Insgesamt weisen die bei trächtigen Eselstuten erstellten Trächtigkeitsprofile große Ähnlichkeiten mit den in einer vorangegangen Arbeit erstellten Hormonverläufen trächtiger Pferdestuten auf. Es ergaben sich jedoch auch einige eselspezifische Besonderheiten.Die Progesteronbestimmungen ergaben in den ersten fünf Trächtigkeitswochen bei Eselstuten mit durchschnittlich 20-30 ng/ml deutlich höhere Messwerte als bei der Pferdestute (ca. 5-15 ng/ml). Die Messwerte in der folgenden, bis etwa zur Graviditätsmitte reichenden Trächtigkeitsphase zeichnen sich wie bei Pferdestuten durch eine außerordentlich hohe Variabilität aus, wobei die Spitzenkonzentrationen mit bis zu 110 ng/ml deutlich höher waren als bei der Pferdestute. In der zweiten Trächtigkeitshälfte verlaufen die Progesteronkonzentrationen bei Eselstuten wie bei trächtigen Pferdestuten bis ca. sechs Wochen vor der Geburt auf relativ konstantem, niedrigem Niveau, wobei die Werte der Eselstuten mit ca. 5-20 ng/ml im Mittel geringfügig höher waren als bei Pferdestuten beschrieben. Ein präpartaler Anstieg der Messwerte, wie er bei Pferdestuten beschrieben wurde, ist auch bei Eselstuten zu beobachten, bei denen er allerdings vergleichsweise schwächer ausgeprägt ist. Auch der bei Pferdestuten in Fällen von Graviditätstörungen in fortgeschrittenen Trächtigkeitsstadien beschriebene vorzeitige Gestagenanstieg konnte bei gestörten Graviditäten von Eselstuten ebenfalls beobachtet werden, bei denen er wiederum vergleichsweise schwächer ausgeprägt war. Bei der Interpretation der Progesteronwerte muss berücksichtigt werden, dass bei Pferdestuten im peripheren maternalen Blut ca. ab der Graviditätsmitte Progesteron praktisch nicht mehr nachweisbar ist und die Progesteronkonzentrationen aus radioimmunologischen Messungen die Kreuzreaktivität des eingesetzten Antiserums gegen verschiedene strukturverwandte plazentare Steroide widerspiegeln. Inwieweit diese Situation auch für die Gravidität des Esels zutrifft ist derzeit noch unbekannt.Auch die Bestimmungen der Gesamtestronkonzentrationen bei trächtigen Eselstuten ergaben ein ähnliches Profil wie das gravider Pferdestuten. Allerdings ist das etwa in der Graviditätsmitte auftretende Maximum mit Werten von ca. 500-2500 ng/ml bei der Eselstute im Mittel deutlich höher als bei Pferdstuten (ca. 450-1000 ng/ml). Gegen Ende der Trächtigkeit liegen die Gesamtestronkonzentrationen dagegen bei der Eselstute im Mittel deutlich niedriger als bei der Pferdestute. Vereinzelt wurden im letzten Graviditätsmonat bereits vor dem Eintreten des finalen Estronabfalls Konzentrationen unter 10 ng/ml gemessen. Die Ergebnisse der statistischen Auswertungen deuten darauf hin, dass der Verlauf der trächtigkeitsassoziierten Östrogene durch das Geschlecht des Fetus beeinflusst wird (p=0,548). Entsprechend waren in der Phase nach dem Überschreiten des Konzentrationsmaximums bei Trächtigkeiten mit weiblichen Feten im Mittel höhere Gesamtestronkonzentrationen zu beobachten als bei Trächtigkeiten mit männlichen Feten.Bei den separaten Messungen von freiem bzw. konjugiertem Estron zeigte sich, dass die Konzentration der sulfonierten Form ebenso wie bei der Pferdestute bei weitem überwiegt. Das Profil der Konzentrationen an freiem Estron trächtiger Eselstuten ist dem der Pferdestuten praktisch identisch, wobei die bei Eselstuten gemessenen Konzentrationen trotz der höheren Estronsulfatkonzentrationen tendenziell niedriger sind als bei Pferdestuten. Anhand der ermittelten Referenzwerte trächtigkeitsspezifischer Östrogene kann die Messung von Estronsulfat oder Gesamtestron bei Kenntnis des letzten Deckdatums ab der 10. Trächtigkeitswoche als zuverlässige Methode der hormonellen Trächtigkeitsdiagnose eingesetzt werden. Bei den eigenen Untersuchungen ergaben sich keine Hinweise dafür, dass bei graviden Eselstuten - wie für Pferdestuten beschrieben - unmittelbar vor dem massiven Einsetzen der plazentaren Steroidproduktion (ca. 8.-10. Trächtigkeitswoche) ein nennenswerter initialer Estronsulfatanstieg ovariellen Ursprungs auftritt.Die Messung von Sexualsteroidkonzentrationen bei Eselhengsten ließ für alle erfassten Parameter eine statistisch hochsignifikante (p < 0,0001) jahreszeitliche Abhängigkeit erkennen, wobei die Messwerte von Februar bis September höher waren als in den restlichen Monaten. Die Auswertung von Einzelprofilen deutet darauf hin, dass die Sexualsteroidkonzentrationen neben der Jahreszeit durch andere Faktoren, wie beispielsweise Decktätigkeit und Anwesenheit rossiger weiblicher Tiere überlagert werden können. Die Testosteronbestimmungen ergaben eine mittlere Konzentration von 1,58 x 1,20±1 ng/ml (geometrischer Mittelwert x Streufaktor±1). Der niedrigste bzw. höchste gemessene Wert betrug 0,39 ng/ml bzw. 5,95 ng/ml. Die Testosteronkonzentrationen männlicher Esel sind damit im Vergleich zum Pferdehengst etwa doppelt so hoch. Die Messungen von freiem Estron ergaben für Eselhengste ähnliche niedrige Konzentrationen wie für Pferdehengste beschrieben und lagen mit Konzentrationen zwischen 0,10-0,17 ng/ml nur geringfügig über der Nachweisgrenze des angewendeten Messverfahrens (0,1 ng/ml). Bezüglich der Estronsulfatkonzentrationen konnten frühere vereinzelte Angaben aus der Literatur bestätigt werden, nach denen die Messwerte bei Eselhengsten im Vergleich zu Pferdehengsten minimal sind und die Estronsulfatbestimmung zur hormonellen Kryptorchismusdiagnostik beim Esel ungeeignet ist. Die bei männlichen Eseln in den eigenen Untersuchungen gemessenen Estronsulfatkonzentrationen lagen im Mittel bei 0,91±0,23 ng/ml mit Extremwerten von 0,34 bzw. 1,36 ng/ml. Der erhebliche Unterschied zwischen männlichen Eseln und Pferden bezüglich der testikulären Östrogenproduktion verdeutlicht, dass selbst zwischen phylogenetisch nahe verwandten Arten erhebliche Unterschiede in der Reproduktionsendokrinologie auftreten können und dass Referenzwerte für Sexualsteroide auch zwischen nahe verwandte Arten nicht ohne weiteres übertragen werden können.Verknüpfung zu Publikationen oder weiteren Datensätzen
Beschreibung
Anmerkungen
Erstpublikation in
Giessen : VVB Laufersweiler
