Evaluation und Optimierung der in der Zentralen Notaufnahme eines Universitätsklinikums eingeleiteten antimikrobiellen Therapie

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Hintergrund: Eine inadäquate Antibiotika(AB)-Therapie gefährdet den Patienten durch unzureichende Wirkung und trägt zur mikrobiellen Resistenzentwicklung bei. Studien zeigten, dass 30-50% der AB-Therapien im Krankenhaus inadäquat sind. Es wurde deshalb die AB-Prozessqualität (d.h. die Qualität des diagnostischen und therapeutischen Prozesses der AB-Therapie) in einem deutschen Universitätsklinikum evaluiert und der Effekt qualitätsverbessernder Interventionen nach den Vorgaben von Antibiotic Stewardship (ABS) untersucht.Methoden: Es wurden drei fallorientierte Prävalenzanalysen zur AB-Verordnungsqualität durchgeführt. In Erhebung 1 wurden acht bekannte Qualitätsindikatoren der AB-Prozessqualität systematisch erfasst und daraufhin bewertet, ob sie durch eine definierte Intervention positiv beeinflussbar sind. Die erste Intervention bestand in der Implementierung von standardisierten Handlungsrichtlinien (SOP) zur Initiierung einer AB-Therapie. In Erhebung 2 wurde der Effekt der SOP-Einführung auf die AB-Prozessqualität erfasst. Die zweite Intervention war die Einführung von hausinternen AB-Therapieleitlinien im Kitteltaschenformat. In Erhebung 3 wurde der Effekt dieser zweiten Intervention im Hinblick auf die Leitlinienkonformität der AB-Verordnungen evaluiert.Ergebnisse: Drei Indikatoren "Probenasservierung für die mikrobiologische Diagnostik", "Dokumentation der Verdachtsdiagnose" (VD) und "Dokumentation der AB-Gabe" zeigten Qualitätsmängel. Aus diesen Indikatoren wurde ein Score zur Erfassung der AB-Prozessqualität erstellt. Signifikant verbessert wurde die so gemessene AB-Prozessqualität im Vergleich zwischen Erhebung 1 und 2 (p=0,003). Die Verbesserungen zeigten sich bei den Indikatoren "Probenasservierung" und "dokumentierte VD" (jeweils p= 0,006). Die Dokumentationsquote der AB-Gabe wurde minimal, aber nicht signifikant verbessert (p= größer 0,05). In Erhebung 3 wurde die Nachhaltigkeit der in Erhebung 2 erreichten Verbesserung der AB-Prozessqualität und im Kontext mit Intervention 2 die Leitlinienkonformität des AB-Einsatzes überprüft. Hierbei zeigte sich im Trend ein leichter Rückgang der AB-Prozessqualität im Vergleich zu Erhebung 2. Die zwischen Erhebung 2 und 3 implementierte Leitlinie erhöhte den Anteil leitlinienkonformer Verordnungen nicht. Schlussfolgerung: Die Intervention "SOP-Einführung" erhöhte die AB-Prozessqualität direkt nach der Implementierung signifikant. Allerdings gab es Hinweise, dass die AB-Prozessqualität nicht nachhaltig erhöht wurde. Durch Verteilung einer AB-Leitlinie im Kitteltaschenformat ließ sich der Anteil leitlinienkonformer Verordnungen nicht steigern. Hier erscheinen intensivere und kontinuierliche Schulungen erforderlich. Insgesamt zeigen die Ergebnisse, dass Maßnahmen des ABS effektiv sind, aber erweitert und kontinuierlich durchgeführt werden müssen, um eine rationale AB-Therapie zu erreichen.

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