Das Ziel dieser retrospektiven Studie war es, die Effektivität eines kürzlich vorgestellten Modells zur parodontalen Risikoanalyse (Lang & Tonetti 2003) bei Patienten mit chronischer Parodontitis während der aktiven parodontalen Therapie und in der Erhaltungstherapie (SPT) zu evaluieren.
47 Patienten, 21 männliche und 26 weibliche (mittleres Alter 49,3 Jahre) mit chronischer Parodontitis (CP) wurden, nachdem sie die antiinfektiöse Therapie und 24 Monate SPT absolviert hatten, in die Studie aufgenommen. Die klinischen Parameter wurden zu 4 verschiedenen Zeitpunkten erfasst: bei der Eingangsuntersuchung (EU), Abschlussuntersuchung (AU) sowie Recall nach 12 bzw. 24 Monaten (RU12, RU24). Die Parameter waren: Sondierungstiefe (PD), Stellen mit PD>=5mm, klinisches Attachmentlevel (CAL), Sondierungsblutung (BOP) (6 Stellen/Zahn), Zahnverlust (TL), Knochenverlust bezogen auf das Alter (BLA), IL-1 Genotypen, sowie Rauchgewohnheiten. Mundhygieneindizes wie ein modifizierter Plaqueindex (PLI) (4 Stellen/Zahn) und ein Papillenblutungsindex (PBI) wurden ebenso erhoben. Die IL-1 alpha G(+4845)-T und die IL-1 beta C(+3954)-T Polymorphismen wurden aus EDTA-Blutproben durch eine Polymerasekettenreaktion (PCR) analysiert. Die Veränderungen der Parameter über die Zeit wurde durch die Differenzen zwischen EU und AU, AU und RU12 und AU und RU24 bestimmt. Diese Differenzen wurden in Abhängigkeit mit dem IL-1 Faktor durch einen nichtparametrischen Median Test analysiert.
32 (68%) der Patienten waren IL-1 negativ und 15 (32%) waren IL-1 positiv. Die Differenz bei den Stellen mit PD>=5mm zwischen IL-1 negativen und IL-1 positiven Patienten zeigte bei der EU einen signifikanten Unterschied (p=0,004). Die Differenz desselben Parameters war im Zeitintervall zwischen EU und AU ebenso signifikant in Zusammenhang mit dem genetischen Faktor (p=0,02). Für den Faktor BLA wurde ein Unterschied zwischen AU und RU24 für IL-1 positive Patienten im Vergleich zu IL-1 negativen Patienten gefunden (p=0,03). Der Faktor PBI wies im Intervall EU-AU einen eindeutigen Beitrag zur Prognose des CAL auf (p=0,04). Die vorliegende Untersuchung zeigte, dass ein verstärkter Knochenabbau in Relation zum Alter bei IL-1 positiven Patienten im Vergleich zu IL-1 negativen Patienten in der Erhaltungstherapie stattfindet.
Diese Ergebnisse verdeutlichen, dass die Erhaltungstherapie auf Grund des IL-1 Status individualisiert werden sollte und Mundhygieneparameter wie der Papillenblutungindex in der Risikoanalyse berücksichtigt werden sollten.
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