Inzidenz und Charakterisierung von GPIIb/IIIa-Antagonisten-abhängigen antithrombozytären Antikörpern

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Die medikamentinduzierte Thrombozytopenie durch Abciximab, Tirofiban und/oder Eptifibatid wird in der klinischen Beobachtung, bei zunehmendem Einsatz dieser Medikamente in der interventionellen Kardiologie, in unterschiedlichem Maße gesehen. Am häufigsten tritt sie unter Abciximab auf. Die Ursache ist bis heute nicht eindeutig zu belegen. Zwei Ätiologien werden vermutet: ein immunologischer Pathomechanismus durch Antikörper vermittelt und eine nicht-immunologische Ursache durch das Medikament selbst. Diese klinisch-experimentelle Arbeit befasst sich mit der Antikörpervermittelten Thrombozytopenie. Dazu untersuchten wir die verschiedenen Kollektive auf Antikörper hin. Hierbei ließen sich bei Patienten unter einer Abciximab-/Tirofiban-/Eptifibatidtherapie, bei Patienten mit einer Herzkatheteruntersuchung und bei dem gesunden Spenderkollektiv medikament-abhängige Antikörper mit verschiedensten Untersuchungsmethoden (ELISA, Durchflusszytometer, Immunpräzipitation, MAIPA) nachweisen. Präformierte Antikörper konnten gefunden werden und werden als mögliche Ursache für die Thrombozytopenie angenommen. Erstaunlicherweise spiegelt sich die Häufigkeitsverteilung der Antikörperstärke im gesunden Kollektiv ebenfalls im Patientenkollektiv wieder (40% vs. 45%). Die Höhe des Antikörpertiters scheint dabei mit dem Ausmaß einer Thrombozytopenie zu korrelieren. Die Prävalenz der präformierten Antikörper im Spenderkollektiv gegen Tirofiban und Eptifibatid war beträchtlich niedriger (1% und 3%). Die nachgewiesenen Antikörper sind überwiegend Immunglobuline der Subklasse IgG. Die Bindungsepitope der Antikörper sind sehr heterogen und das Bindungsverhalten der Antikörper ist jeweils bei Patienten/Spendern unabhängig vom GPIIb/IIIa-Polymorphismus und dem Aktivierungszustand des GPIIb/IIIa-Komplex. In dieser Studie konnten keine Kreuzreaktionen zwischen den einzelnen Antikörpern gefunden werden. Dies ist von besonderer Wichtigkeit für eine eventuelle Therapieumstellung nach aufgetretener Nebenwirkung. Nach der ersten Medikamentapplikation scheint eine Boosterung mit Erhöhung des Antikörpertiters stattzufinden, so dass eine erneute Applikation mit dem gleichen Medikament zu einer ausgeprägteren und/oder beschleunigt auftretenden unerwünschten Nebenwirkung führen kann. Die beschriebenen Ergebnisse haben sowohl Konsequenz für die Therapie mit einem GPIIb/IIIa-Antagonisten als auch für die Nachbeobachtung. Um eine Thrombozytopenie als lebensbedrohliche Nebenwirkung zu vermeiden, sollte u.a. ggf. eine Antikörpertestung im Vorfeld durchgeführt werden. Auch muss an eine falsch positive Serologie-Testung bei AITP (Autoimmunthrombozytopenie) -Verdacht nach Abcixmab-Gabe gedacht werden.

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Giessen : VVB Laufersweiler 2008

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