Hintergrund und Zielsetzung: Die pulmonal arterielle Hypertonie (PAH) ist mit einer erhöhten Proliferationsrate, Apoptoseresistenz, Angiogenese, der Fähigkeit zur Migration bzw. Invasion und weiteren metabolischen Veränderungen eine karzinomähnliche Erkrankung. Die Rezeptor-Tyrosinkinase (RTK) Axl und sein Ligand Gas6 regulieren unterschiedlichste Zellprozesse wie die Proliferation, Zellüberleben, Migration und Apoptoseschutz und stehen in maligner Umgebung in Kontext mit Tumorprogression, Invasion, Metastasenbildung und Therapieresistenz. Über den Zusammenhang zwischen der Pulmonalen Hypertonie (PH) und Gas6/Axl ist bisher nichts bekannt. In der vorliegenden Arbeit wurden daher erste Daten erhoben.Methodik: Die Expression von Gas6 und Axl wurde zunächst im etablierten PH-Modell der Monocrotalin-Ratte erhoben und folgend für die idiopathische PAH (IPAH) des Menschen. Es erfolgte zunächst die immunhistochemische Untersuchung mit anschließender Polymerase-Kettenreaktion und Immunblot. Auf Zellebene wurde dann mit Proliferations- und Zellviabilitätsassay (BrdU- und WST-Assay), sowie mittels Immunfluoreszenzfärbung mit dem Proliferationsmarker Ki-67 die Auswirkung der Inhibierung bzw. Stimulierung von Axl durch R428 bzw. Gas6 auf humane pulmonalarterielle glatte Muskelzellen untersucht.Ergebnisse: Sowohl in den pulmonalarteriellen Gefäßen des MCT-Rattenmodells als auch in pulmonalarteriellen Gefäßen der humanen IPAH-Proben zeigten sich Gas6 und Axl teils signifikant erhöht gegenüber den gesunden Kontrollgruppen. In den verschiedenen Proliferationsmodellen (BrdU- und WST-Assay, sowie Immunfluoreszenz mit Ki-67) konnte eine dosisabhängige Senkung der Proliferation- und auch Zellviabilitätsrate in gesunden und IPAH-humanen pulmonalarteriellen glatten Muskelzellen durch den Axl-Hemmstoff R428 induziert werden. Gas6 zeigte in gesunden hPASMC keine Stimulation der Proliferation.Schlussfolgerung: Die vorliegende Arbeit stellt erstmalig einen Zusammenhang zwischen Gas6/Axl und der PH dar. Die gezielte Axl-Inhibierung könnte eine Therapie der PH supportiv ergänzen. Weiterführende Untersuchungen sollten die genauen Effekte der Axl-Stimulierung und -Inhibierung, sowie die dahinterstehenden Signalwege klären.
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