Effektivität eines neuartigen, modularen interaktiven Ernährungsschulungsprogramms für Patientinnen mit Brustkrebs in der stationären Rehabilitation

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HintergrundDa die 5-Jahres-Überlebensrate von Breast Cancer Survivors (BCS) inzwischen bei mehr als 80 % liegt und diese Patientinnen ein erhöhtes Risiko auch für andere ernährungsassoziierte Krankheiten haben, sollten sie die auch für Gesunde geltenden Ernährungsempfehlungen internationaler Fachgesellschaften befolgen.Seitens der Deutschen Rentenversicherung Bund (DRV-Bund) als Hauptkostenträger der stationären Rehabilitation besteht Interesse, BCS nach Abschluss der Primärtherapie zu einem gesünderen Lebensstil zu motivieren. Bisher existiert jedoch in Deutschland kein modulares Programm für die Ernährungsschulung dieser Patientinnen, dessen Wirksamkeit überprüft wurde.ZielsetzungZiel dieser Studie war die Entwicklung und Prüfung der Effektivität eines manualisierten Ernährungsschulungsprogramms (ESP) für BCS in der stationären Rehabilitation anhand ausgewählter Verzehrsparameter. Der primäre Zielparameter war die Erhöhung der Obst- und Gemüsezufuhr auf mindestens fünf Portionen pro Tag (mind. 650 g/d), entsprechend den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Sekundäre Zielparameter waren eine signifikante Erhöhung des Anteils an Patientinnen, die mindestens fünf Portionen Obst und Gemüse pro Tag verzehren, sowie eine Reduktion der Fettzufuhr auf maximal 30 Prozent der Energiezufuhr (DGE-Empfehlung).Patientinnen und MethodenIm Rahmen einer kontrollierten Interventionsstudie wurden 219 Patientinnen mit kurativ behandeltem Brustkrebs, die eine stationäre Rehabilitation in der Klinik für Tumorbiologie Freiburg planten, gebeten, vor Beginn (T1), sowie einen Monat (T2), drei Monate (T3) und sechs Monate (T4) nach Beginn der Rehabilitation ein 4-Tage-Ernährungsprotokoll (4d-EP) zu führen. Die Interventionsgruppe (INT) nahm am ESP, bestehend aus sechs Theorie- und zwei Lehrküchenmodulen während sowie zwei Auffrischungsseminaren 3 bzw. 6 Monate nach Beginn der Rehabilitation teil. Die Kontrollgruppe (KON) konnte auf freiwilliger Basis das ernährungsmedizinische Standardangebot der Klinik nutzen. Die Auswertung der protokollierten Verzehrsmengen an Obst, Gemüse und Fett erfolgte mit der Ernährungs- und Diätberatungssoftware PRODI, Version 4.5 LE 2001. Die Beurteilung des ESP aus Sicht der Teilnehmerinnen erfolgte mit standardisierten Fragebogen. Die deskriptive und statistische Auswertung der Ergebnisse der 4-Tage-Ernährungsprotokolle und der Fragebogen erfolgte mit der Statistiksoftware SPSS, Version 11. Analysiert wurden absolute und relative Häufigkeiten sowie univariate und multivariate Unterschiede zwischen den Gruppen mittels t-Test, chi-Quadrat-Test nach Pearson sowie zweifaktorieller ANOVA.Ergebnisse4-Tage-Ernährungsprotokolle für alle 4 Messzeitpunkte lagen von insgesamt 118 Patientinnen vor, davon 61 Patientinnen aus der INT und 57 Patientinnen aus der KON. Die Obst- und Gemüsezufuhr betrug im Mittel ± SD in der INT (KON) zu T1 483 ± 235 g/d (460 ± 177 g/d) (p= 0,552, t-Test), zu T2 743 ± 287 g/d (526±177 g/d) (p< 0,001), zu T3 673 ± 246 g/d (485 ± 169 g/d) (p< 0,001) und zu T4 631 ± 222g/d (505 ± 172g/d) (p=0,001). Die Unterschiede zwischen den Faktoren Gruppe und Messzeitpunkt sowie die Interaktion zwischen den Gruppen und den Messzeitpunkten waren signifikant (p< 0,001; zweifaktorielle ANOVA) und blieben auch nach Energieadjustierung bestehen. Der Anteil an Patientinnen in der INT (KON), die mindestens 650 g/d Obst und Gemüse verzehrten, lag zu T1 bei 24,6 % (17,5 %) (p=0,349, chi2-Test nach Pearson), zu T2 bei 54,1 % (29,8 %), zu T3 bei 52,5 % (14,0 %) und zu T4 bei 49,2 % (17,5 %). Der Gruppenunterschied war zu T2, T3 und T4 signifikant (p<0,01).Die Fettaufnahme in Energie% betrug in der INT (KON) zu T1 35,8 ± 5,7 (35,7 ± 5,6) (p= 0,909) und zu T2 30,8 ± 5,4 (34,1 ± 5,6) (p= 0,002). Zu T3 und T4 stieg sie in der INT wieder an unterschied sich nicht mehr signifikant von der der KON. Die Gesamtzufriedenheit mit dem ESP lag auf einer 10er-Skala (0= gar nicht gefallen bis 10= sehr gefallen ) im Mittel bei 9,2±1,1 und mit den beiden Auffrischungsseminaren jeweils bei 9,2±1,0.KonklusionenDurch das Absolvieren eines neuartigen modularen Ernährungsschulungsprogramms während der Rehabilitation können Breast Cancer Survivors ihre Obst- und Gemüsezufuhr signifikant steigern und über 6 Monate auf einem hohen Niveau beibehalten sowie der Anteil an Patientinnen, die mindestens 650 g/d Obst und Gemüse verzehren, verdoppelt werden. Das Ziel, weniger als 30 Energie% Fett zu verzehren, wurde dagegen zu allen Messzeitpunkten verfehlt. Die Beurteilung vonseiten der Teilnehmerinnen zeigte eine hohe Zufriedenheit mit dem Ernährungsschulungsprogramm. Eine Implementierung des Ernährungsschulungsprogramms als Regelversorgung könnte, besonders in Kombination mit Bewegungs- und psychosozialen Schulungsmodulen, einen wichtigen Beitrag zur Umsetzung eines gesundheitsfördernden Lebensstils bei BCS leisten.

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