Das Ziel der vorliegenden Untersuchung war, das Ausmaß und die Richtung der effektiven Kiefergelenksveränderungen (= Summe der Wachstumsveränderungen des Kondylus, der Fossa sowie die Lageveränderung des Kondylus in der Fossa) und Kinnlageveränderungen, sowie die Rotation des Unterkiefers bei 24 Klasse II:1 Patienten (9 männliche und 15 weibliche), die im Durchschnitt 2,6 Jahre mit einer Tip-Edge-Apparatur und Klasse II-Gummizügen behandelt wurden, zu ermitteln.Fernröntgenseitenbilder von vor, nach und durchschnittlich 2,4 Jahre nach Abschluss der Tip-Edge-Behandlung wurden ausgewertet.40 Klasse II:1-Patienten, welche erfolgreich mit einem Aktivator und 98 Klasse II:1 Patienten, welche erfolgreich mit einer Herbst-Apparatur behandelt wurden, standen zum Vergleich über einen Zeitraum von durchschnittlich 2,6 bzw. 3,7 Jahren zur Verfügung.Es konnte festgestellt werden, dass während der Tip-Edge-Behandlung die Kinnlageveränderungen ein Spiegelbild der effektiven Kiefergelenksveränderun-gen waren, da keine Rotation des Unterkiefers vorlag (männliche und weibliche Patienten zusammen). Nach der Behandlung erfolgte eine Rotation des Unterkiefers nach anterior und somit kam es relativ gesehen zu einer stärker nach anterior gerichteten Verlagerung des Kinns.Während des 2,6-jährigen Behandlungszeitraumes wiesen die männlichen Patienten im Vergleich zu den weiblichen Patienten der Tip-Edge-Gruppe eine mehr nach superior gerichtete Positionsveränderung des Co-Punktes und damit eine mehr nach inferior gerichtete Positionsveränderung des Pg-Punktes auf. Der Unterkiefer rotierte in dieser Zeit bei den männlichen Tip-Edge-Patienten im Ausmaß unbedeutend nach anterior und bei den weiblichen unbedeutend, aber in der Richtung entgegengesetzt, nach posterior.Während der 2,4-jährigen Nachuntersuchungsperiode wiesen die männlichen im Vergleich zu den weiblichen Patienten der Tip-Edge-Gruppe eine mehr nach superior gerichtete Positionsveränderung des Co-Punktes auf. Der Pg-Punkt der männlichen Patienten verlagerte sich jedoch in dieser Phase mehr nach anterior als der der weiblichen, was mit einer signifikanten anterioren Rotation der Mandibula der männlichen Patienten erklärt werden kann. Dies könnte daran liegen, dass die männlichen Patienten grundsätzlich ein anderes Wachstumsmuster hatten als die weiblichen.Bei den Aktivator- und Herbst-Patienten waren die effektiven Kiefergelenks-veränderungen mehr nach posterior und die Kinnlageveränderungen mehr nach anterior gerichtet als bei den Tip-Edge-Patienten. Der fehlende Jumping the Bite -Effekt bei der Tip-Edge-Behandlung im Vergleich zur Aktivator- und Herbst-Behandlung könnte der Grund für diesen Unterschied sein.
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