Retrospektiv wurden Daten von 91 Kindern mit angeborenen Herzerkrankungen, die im Zeitraum von 2000-2013 eine ECMO-Therapie im Kinderherzzentrum der Universitätsklinik Gießen hatten, erhoben. Ziele dieser Studie waren die Ermittlung der Mortalität und der Morbidität sowie die Identifizierung möglicher Risikofaktoren, die das Überleben der Kinder beeinflussen.Das Patientenkollektiv bestand aus 47 (51,6%) männlichen und 44 (48,4%) weiblichen Patienten. Die Patienten waren 0-203 Monate (Median: 3) alt und 2,3- 40 kg (Median: 4,6) schwer. 86 (94,5 %) Kinder kamen postoperativ und 5 (5,5 %) präoperativ an die ECMO. ECMO-Indikationen waren: LCOS (low cardiac output syndrome) 33 (36,3 %), fehlgeschlagener Abgang von der Herzlungenmaschine 24 (26,4 %), ECPR (extrakorporale kardiopulmonale Reanimation) 17 (18,7 %), drohendes LCOS 17 (18,7 %). 56 (61,5%) Patienten überlebten bis zur Entlassung. 35 Kinder (38,5%) verstarben an therapierefraktärem Herzkreislaufversagen (18), Multiorganversagen (12), Hirnblutungen (2), Sepsis (2) oder Hirninfarkt (1).Mögliche prognostisch bedeutsame Variablen wurden in einer Datenbank dokumentiert, kodiert und statistisch ausgewertet. Die Gruppen Überlebende und Nicht-Überlebende wurden auf signifikante Unterschiede untersucht. Für die univariate Analyse wurden der Chi²-Test und der t-Test angewendet. Die multivariate Analyse erfolgte mittels logistischer Regression, gefolgt von einer Diskriminanzanalyse. Für 14 Variablen konnte bei Vergleich beider Gruppen in der univariaten Analyse ein statistisch signifikanter Unterschied nachgewiesen werden: univentrikuläres Herz (p<0,00001), Alter (p=0,013), Gewicht (p<0,0001), ECMO-Dauer (p=0,009), Dialyse (p=0,009), Thromben im System (p=0,0004), Sepsis (p=0,00005), Systemwechsel (p=0,014), neurologische Komplikationen (p=0,006), insbesondere Hirnblutungen (p=0,011), pathologische zerebrale Bildgebung (p= 0,001), ECPR (p=0,01), palliatives Operationsziel (p=0,005) und Laktat vor ECMO (p=0,004).Die multivariate Analyse ergab, dass das Zusammentreffen der beiden Faktoren univentrikuläres Herz und Sepsis mit einem besonders schlechten Outcome einhergeht. In der Patientengruppe mit univentrikulärem Herzen sind von 34 Patienten 23 (67,6%) verstorben. Von 12 Patienten mit der Diagnose Sepsis sind 11 (91,7%) Patienten verstorben. Von 8 Patienten mit univentrikulärem Herz und Sepsis hat keiner überlebt 8(100%). Zusammenfassend konnte mittels retrospektiver Datenerhebung basierend auf der Analyse von 91 Kindern mit angeborenen Herzerkrankungen und ECMO-Therapie gezeigt werden, dass zahlreiche Faktoren das Mortalitätsrisiko beeinflusst haben. Bei etwa 20 % der Patienten traten während der ECMO neurologische Komplikationen auf, die signifikant die Mortalität erhöhten. Etwa 14 % der überlebenden Patienten wiesen bei Entlassung einen pathologischen neurologischen Status auf. Pathologische zerebrale Diagnostik war prognostisch relevant und ging mit einem signifikant erhöhten Mortalitätsrisiko einher. Die Schädelsonografie hat im Neugeborenen- und Säuglingsalter einen hohen diagnostischen Stellenwert während der ECMO-Therapie. Die Beurteilung des Langzeitüberlebens und der neurokognitiven Entwicklung der überlebenden Kinder mittels einer prospektiven Studie mit standardisierten neurologischen Tests wäre sinnvoll.
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