Einfluss verschiedener Fütterungsintensitäten auf Leistungsparameter und Tränkeaufnahmeverhalten sowie auf ausgewählte Stoffwechselparameter von Kälbern der Rasse Deutsche Holstein
Untersuchungen zeigen, dass eine intensive Fütterung von Kälbern zu höheren Wachstumsraten im Kälberalter und zu einem verbesserten Leistungspotential im späteren Leben führt. In der hier vorgestellten Studie wurden 57 Kälber der Rasse Deutsche Holstein (28 männliche, 29 weibliche) innerhalb der ersten 4 Lebenswochen auf 3 verschiedene Arten gefüttert. Es sollte der Einfluss einer ad libitum Vollmilchtränke (VMadl, n = 20), einer adlibitum Milchaustauscher-Tränke (MATadl, n = 17) und einer restriktiven MAT-Tränke (MATr, n = 20) sowohl auf Leistungsdaten wie Futteraufnahme und Wachstumsrate, als auch auf das Tränkeaufnahmeverhalten der Tiere im kurz- und mittelfristigen Zeitraum bis zum Alter von 110 Tagen untersucht werden. Des Weiteren wurden metabolische und endokrinologische Blutparameter erfasst und Glucose- und Insulintoleranztests sowie mRNA-Analysen ausLebergewebe durchgeführt, um Informationen zum Stoffwechselstatus der Kälber zu erhalten. Nachdem alle Tiere bis zum 3. Lebenstag mit Kolostrum von der Mutter versorgt worden waren, erhielten sie bis Tag 27 (Versuchsphase 1, VP1) entsprechend ihrer Gruppenzugehörigkeit unterschiedliche Tränkeangebote, wobei die restriktiv gefütterten Tiere bereits ab der 2. Mahlzeit auf 6 kg Kolostrum/Tag beschränkt wurden. Von Tag 28 bis 55 erhielten alle Kälber MAT, entsprechend dem Tränkeprotokoll der restriktiv gefütterten Gruppe, und wurden dann bis Tag 69 schrittweise abgesetzt (VP2). Heu, Kraftfutter und Wasser stand den Tieren ab Beginn der 2. Lebenswoche zur freien Verfügung. Ab Tag 70 bis 110 (VP3) erhielten die Kälber eine Totale-Misch-Ration.Blutproben wurden unmittelbar nach der Geburt entnommen (Tag 0), sowie an den Tagen 1, 3, 11, 22, 34, 43, 52, 70, 90, 108 post natum (p.n.). Intravenöse Glucosetoleranztests (ivGTT)wurden an den Tagen 22, 52 und 108 p.n. durchgeführt und an den Tagen 19 und 100 p.n. wurden Gewebeproben aus der Leber entnommen. Die männlichen Tiere (n = 28) wurden zusätzlich an den Tagen 24, 54 und 110 p.n. einem intravenösen Insulintoleranztest unterzogen. In VP1 übertraf die Tränkeaufnahme der beiden ad libitum-Gruppen die der restriktiven Gruppe um nahezu 50 % und die aufgenommene Menge an metabolisierbarer Energie lag beiVMadl und MATadl deutlich über den Werten von MATr, mit den höchsten Werten in Gruppe VMadl. Die Kraftfutteraufnahme unterschied sich in dieser Phase nicht zwischen den Gruppen, während in VP2 die Gruppe VMadl tendenziell mehr Kraftfutter aufnahm alsMATadl. MATr unterschied sich in VP2 von keiner der beiden anderen Gruppen. Die täglichen Zunahmen und Körpergewichte waren in den ersten 4 Wochen in Gruppe MATr niedriger als bei MATadl und VMadl. In VP3 konnte jedoch kein Unterschied der täglichen Zunahmen und Körpergewichte zwischen den Gruppen mehr festgestellt werden. In der Phase der unterschiedlichen Fütterung besuchten die restriktiv gefütterten Kälber den Tränkeautomaten viel häufiger als die beiden ad libitum-Gruppen, wobei 70 % der von ihnen ausgeführten Besuche ohne Anspruch auf Tränke stattfanden. Ab dem Zeitpunkt der Fütterungsumstellung mit Tag 28 verdoppelte sich die Anzahl der Besuche auch in den ehemals ad libitum gefütterten Gruppen, mit einem Anteil von erfolglosen Besuchen von über 70 %.Die Leptinspiegel im Blut stiegen, vergleichbar mit denen des Gesamtproteingehalts, nach der Kolostrumaufnahme in allen Gruppen an. Gruppenunterschiede bei den serologischen Parametern (Nichtveresterte Fettsäuren (NEFA), Glucose, Insulin), dem Revised quantitative insulin sensitivity check index (RQUICKI) und den Kennwerten aus den ivGTTs beschränkten sich hauptsächlich auf VP1. Die Gruppe MATr hatte in VP1 niedrigere Insulin- und Glucosewerte, sowie höhere RQUICKI- und NEFA-Werte als mindestens eine der beiden ad libitum-Gruppen. Auch bei den insulinbezogenen Kenngrößen aus dem ivGTT lag die Gruppe MATr in VP1 unter den Werten von VMadl. Die mRNA-Menge der hepatischen Phosphoenolpyruvat-Carboxykinase und Pyruvat-Carboxylase stieg von Tag 19 bis Tag 100 in allen Gruppen an.Diese Ergebnisse weisen auf eine zumindest vorübergehend höhere Insulinsensitivität bei den restriktiv getränkten Kälbern im Vergleich zu den intensiv gefütterten hin. Es gab jedoch keinen Hinweis darauf, dass eine längerfristige Beeinflussung im Sinne einer Programmierung von Stoffwechselregulatoren durch die unterschiedliche Fütterung stattgefunden hat. Offen bleibt auch ob ein Einfluss auf zellulärer Ebene (z.B. auf die Organentwicklung der Milchdrüse) erfolgt ist, der sich erst im späteren Leben zeigt. Dass ein ad libitum-Tränkeangebot in den ersten Lebenswochen die Tränkeaufnahme undWachstumsrate fördert, auch ohne die Kraftfutteraufnahme negativ zu beeinflussen, wurde in diesem Versuch bestätigt. Auch im Hinblick auf das Wohlbefinden der Kälber zeigte sich das intensivere Tränkeverfahren als das den Bedürfnissen der Tiere besser angepasste.
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