Real Time-PCR-Untersuchungen zur Persistenz von infektiösen Toxoplasma gondii-Dauerstadien in Rohwurst-Erzeugnissen
Lade...
Datum
Autor:innen
Betreuer/Gutachter
Weitere Beteiligte
Beteiligte Institutionen
Herausgeber
Zeitschriftentitel
ISSN der Zeitschrift
Bandtitel
Verlag
Lizenz
Zitierlink
Zusammenfassung
Die T. gondii-Infektion wird durch kontaminierte Lebensmittel übertragen. Sie kann diaplazentar erfolgen oder durch zufälligen Kontakt entstehen (z.B. Katzentoilette, Sandkasten, Gartenarbeit). Neben mit Oozysten kontaminierter Nahrung (Obst, Gemüse, Trinkwasser) spielt vor allem rohes bzw. unzureichend erhitztes Fleisch eine entscheidende Rolle für die alimentäre Übertragung der Erkrankung (KAPPERUD et al., 1996; CHOI et al., 1997; COOK et al., 2000; SUKTHANA et al., 2000). Aufgrund fehlender Erhitzungsschritte im Herstellungsprozess von Rohwurst-Erzeugnissen ist das Infektionspotential dieser Produkte nicht geklärt (TENTER und FEHLHABER, 2002). Beruhend auf den Ergebnissen von SOMMER et al. (1965) werden langgereifte Erzeugnisse (z. B. Salami) gemeinhin als sicher angesehen (TENTER und FEHLHABER, 2002; BfR, 2005; BfR, 2006). Das BFR warnt jedoch vor einer möglichen Infektionsgefahr bei dem Verzehr kurzgereifter Produkte, wie Mett- und Teewürsten (BfR, 2005). Darüberhinaus bedürfen ökologische Erzeugnisse ebenfalls genauerer Betrachtung, da einerseits mit einem erhöhten Vorkommen von T. gondii in den Schlachttierkörpern zu rechnen ist (SCHULZIG und FEHLHABER, 2006) und andererseits der bei ökologisch gefertigten Produkten oftmalige Verzicht auf Nitritpökelsalz ebenso wie vielfach festgestellte Qualitätsschwankungen bei der Herstellung von Rohwurst-Erzeugnissen das Überleben von Erreger-Zysten begünstigen können (SOMMER et al., 1965; MÜLLER et al., 1994; TENTER und FEHLHABER, 2002).Auf der Basis dieser Literaturangaben war das Ziel dieses Projektes einen Beitrag zur Einschätzung des möglichen Gefährdungspotentials von Rohwurst-Erzeugnissen für den Verbraucher zu leisten. Hierfür wurden zwei Schweine intravenös mit dem Erreger infiziert und der Infektionserfolg serologisch mithilfe des IHA- und des Western-Blot-Verfahrens (freundlicherweise durchgeführt von Dr. Schares, Friedrich-Loeffler-Institut, Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit) überprüft. Im Alter von 6 Monaten wurden die Tiere geschlachtet und die Schlachttierkörper mithilfe einer für dieses Projekt am Institut für Tierärztliche Nahrungsmittelkunde der Justus-Liebig-Universität Gießen entwickelten Real Time-PCR untersucht. Das Fleisch der Tiere wurde zu verschiedenen Rohwurst-Erzeugnissen verarbeitet und diese ebenfalls auf T. gondii-DNA untersucht. Um die potentielle Infektionsgefahr lang- und kurzgereifter Erzeugnisse miteinander vergleichen zu können, wurde Salami als Beispiel einer langgereiften Rohwurst ausgewählt, Mett- und Teewürste dienten als Beispiel kurzgereifter Erzeugnisse. Darüberhinaus wurden alle Rohwurst-Sorten sowohl konventionell als auch unter Berücksichtigung ökologischer Rezepturen hergestellt. Zur Überprüfung der Infektiösität der erzeugten Produkte wurden diese an BALB/c Mäuse verfüttert. Nach ungefähr 45 Tagen wurden die Tiere getötet und die Organe (Hirn, Herz, Milz) mithilfe der Real Time-PCR auf eine stattgefundene Infektion untersucht. Es gelang, den Erreger sowohl in beiden Schlachttierkörpern als auch in jeder produzierten Rohwurst-Charge nachzuweisen. Folglich konnte eine Erregerhaltigkeit der verwendeten Rohwurst-Inokula bewiesen werden. Bei der Real Time-PCR-Untersuchung der Mäuse konnte bei jedem Tier der Positivkontrollgruppe eine Infektion detektiert werden, die Negativkontrollgruppe ergab hingegen ausnahmslos negative Ergebnisse. Bei zwei weiteren mit unbehandelter Schweinemuskulatur der Schlachttierkörper gefütterten Mäusegruppen gelang der Nachweis bei vier von sieben bzw. zwei von acht Versuchsmäusen. Dies bestätigt die allgemein vertretene Auffassung, dass rohes Fleisch eine wichtige Quelle für eine Toxoplasma-Infektion ist. Von den 288 mit Rohwurst-Erzeugnissen gefütterten Mäusen wurden vier positiv auf T. gondii-DNA getestet. Aufgrund der geringen positiven Tierzahl kann keine Aussage über unterschiedliche Gefährdungspotentiale in Abhängigkeit vom Rohwurst-Erzeugnis bzw. vom Herstellungsverfahren getroffen werden; die unterschiedlichen Ergebnisse erwiesen sich als statistisch nicht signifikant. Zu beachten ist, dass alle drei einbezogenen Wurstsorten zu einer Infektion geführt haben. In Bezug auf die Mett- und Teewurst wurde somit die vielfach vertretene Ansicht einer von diesen Produkten ausgehenden Verbrauchergefahr bestätigt. Unterwartet war hingegen der positive Infektionsnachweis einer mit Salami gefütterten Maus. Dieses Ergebnis steht im Gegensatz zur bisherigen Auffassung, nach welcher langgereifte Rohwürste gemeinhin als sicher angesehen werden. Als Ergebnis dieser Studie ist demnach bei im Handel befindlichen Rohwurst-Erzeugnissen eine Verbrauchergefahr gegeben, die Übertragungswahrscheinlichkeit erscheint jedoch relativ gering. Ein möglicherweise unterschiedliches Gefährdungspotential verschiedener Rohwurst-Sorten und Herstellungsverfahren konnte nicht abschließend geklärt werden. Entsprechend besteht zur Sicherung der hier vorgestellten Ergebnisse weiterer Forschungsbedarf.Verknüpfung zu Publikationen oder weiteren Datensätzen
Beschreibung
Anmerkungen
Erstpublikation in
Giessen : VVB Laufersweiler 2009
