Auswirkungen klinischer und subklinischer Krankheit auf ethologische und klinisch-chemische Merkmale beim Schwein

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Ein wichtiger Aspekt für ungestörtes Wohlbefinden und gute Lebensqualität bei Nutztierenist die Abwesenheit von Krankheit. Während einer Infektion kommt es zu koordiniertenÄnderungen sowohl des Verhaltens als auch physiologischer Indikatoren, die auf diePräsenz von Krankheit und Leiden hinweisen. Derartige Veränderungen werden imAngelsächsischen mit dem Begriff sickness behaviour beschrieben. Die Folgen sind u.a.eine erhöhte Körpertemperatur und die Entstehung krankheitsspezifischen Verhaltens.Obwohl Änderungen des Verhaltens und physiologischer Vorgänge im Organismus im Falleeiner Erkrankung einem zentral motivierten und nützlichen Geschehen entsprechen, dessenZiel es ist, eine Rekonvaleszenz herbeizuführen, kommt es zu Einschränkungenkörperlicher Funktionen und der Integrität des Verhaltens. Dies führt zu einemeingeschränkten Wohlbefinden, aus dem ein Leidenszustand abgeleitet werden kann.Infektionskrankheiten sind im Bereich der Tierproduktion weit verbreitet. Sie stellen eingroßes Problem dar. Bisher wurden allerdings nur wenige Studien veröffentlicht, dieAuswirkungen spezifischer Krankheiten auf Verhaltensindikatoren beim Schwein detailliertbeschreiben: Untersuchungen zu Verhaltensänderungen bei Morbus Aujeszky, Colidiarrhoenach dem Absetzen und PRRS (Porzines Reproduktives und Respiratorisches Syndrom).In der vorliegenden Studie sollte geprüft werden, inwieweit anhand veränderterVerhaltensindikatoren und deren Bezug zu klinischen, hämatologischen und klinischchemischenParametern in definierten Krankheitsmodellen die Einschätzung des tierischenLeidens im Zuge von Infektionskrankheiten verbessert werden kann.Basierend auf einem definierten Parasitose-Modell (Sarcocystis miescheriana) wurden dietierartspezifischen Verhaltensparameter Liegen, Aktivität im Liegen, Laufen, Futter- undWasseraufnahme, Wühlen/Erkunden und Sozialkontakte bei Schweinen der F2-Generationeiner Kreuzung aus Meishan und Pietrain während der klassischen Phasen der Infektionbeurteilt. Vorteil des ausgewählten Krankheits-Modells ist, dass sich bereits bei einer mildenInfektion die unterschiedlichen Krankheitsstadien (akut, subklinisch, chronisch) differenziertdarstellen lassen. Anhand von Videoaufzeichnungen wurden die genanntenVerhaltensweisen quantifiziert und ausgewertet und mit parallel erhobenen klinischen undlabordiagnostischen Parametern in Zusammenhang gebracht.Verglichen mit dem physiologischen Stadium, in dem eine Gesamtaktivität der untersuchtenSchweine von 44 % des Beobachtungszeitraumes nachgewiesen wurde, konnte imAkutstadium (Tag 14 p. i.), welches durch den Ablauf der zweiten Schizogonie derSarcocystose verursacht wird, eine signifikante Änderung des gesamtenVerhaltensrepertoires beobachtet werden. Die aktiven Verhaltensindikatoren waren in ihrerzeitlichen Ausprägung auf 10 % der Beobachtungszeit reduziert. Die Phasen des inaktivenLiegens waren dementsprechend verlängert. Im chronischen Stadium der Infektion (Tag 42p.i.) kommt es zur Bildung von Zysten in Skelett- und Herzmuskulatur. In diesem Zeitraumkam es im Vergleich zu den gesunden Schweinen ebenfalls zu einer herabgesetztenGesamtaktivität von 20 %. Das dazwischen liegende subklinische Krankheitsstadium (Tag28 p.i.) wies trotz Erholung der Tiere von der akuten Krankheit immernoch signifikanteÄnderungen des Verhaltensmusters auf (Gesamtaktivität von 33 %).Die Ergebnisse der Verhaltensbeobachtungen deckten sich mit Änderungen der klinischen,hämatologischen und klinisch-chemischen Parameter im akuten, subklinischen undchronischen Stadium der Sarcocystose. Unabhängig vom Infektionsstadium hattenSchweine mit pathologischen klinischen und labordiagnostischen Werten ein 2 bis 5-facherhöhtes Risiko, ein Verhalten zu entwickeln, das außerhalb des zuvor definierten Standardbereiches der gesunden Population lag. Bemerkenswert waren Verknüpfungendes Verhaltens mit der Körperinnentemperatur sowie u.a. mit Laborparametern wie derKreatinkinase, der Aspartataminotransferase und den Leukozyten. Vermutet werden könnteauch ein Zusammenhang mit der Aktivität der Alkalischen Phosphatase. Dies wäre aber inweiteren Untersuchungen zu beweisen.Aufgrund der Abweichungen des Verhaltens von den zuvor definiertenStandardbedingungen war davon auszugehen, dass die erkrankten Schweine nicht mehrihrer artspezifischen Bedürfnisbefriedigung nachgehen konnten. Dadurch wurde dasWohlbefinden der Tiere gestört und im Sinne verschiedener Autoren (u.a. Brummer 1978;Sambraus 1981, 1991; Martin 1996; Würbel 2009) ein Leidenszustand induziert. Über dieenge Korrelation zu klinischen und labordiagnostischen Parametern könnte in Zukunft eineverbesserte Basis geschaffen werden, um Wohlbefinden und Leiden bei Tieren frühzeitigund objektiver zu erfassen und zu quantifizieren.

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Giessen : VVB Laufersweiler

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