Retrospektive Analyse der Sektions- und Labor-Protokolle zu 1.637 untersuchten Vögeln der Ordnung Psittaciformes der Jahre 1997-2003 aus der Klinik für Vögel, Reptilien, Amphibien und Fische der Justus-Liebig-Universität Gießen
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Zusammenfassung
In der Literaturübersicht wird ein Überblick über die wesentlichen Krankheiten der Vögel der Ordnung Psittaciformes gegeben. Die Ergebnisse der Sektionsprotokolle und der anschließenden Laboruntersuchungen der Jahre 1997-2003, die in der Klinik für Vögel, Reptilien, Amphibien und Fische der Justus-Liebig-Universität Gießen durchgeführt wurden, sind ausgewertet worden. Die Resultate der eigenen Auswertungen wurden verglichen mit den Ergebnissen von MOMMER (2002), die die Befunde der Untersuchungsjahre 1990-1996 der genannten Klinik auswertete. Zusätzlich erfolgte ein Vergleich der Gießener Befunde mit denen von SCHULZ (2002) und KELLIN (2009) anhand der im Loro Parque, Teneriffa, erstellten Befunde. In der eigenen Untersuchung wurden 1.637 Untersuchungsprotokolle ausgewertet. Die Einteilung der Psittaziden in 14 Gruppen erfolgte wie bei MOMMER (2002), um eine vergleichende Auswertung zu ermöglichen. Nur die kleine Gruppe der Keas wurde hinzu-gefügt. In dieser Auswertung wurden die Häufigkeiten von Erregernachweisen und Erkrankungen wie bei MOMMER (2002) ausgewertet. Auf eine Bestimmung hinsichtlich einer einzigen Todesursache wurde verzichtet. In den meisten Fällen kamen mehrere Erkrankungsursachen je Vogel vor, so dass eine einzelne Erkrankung als letztendliche Todesursache nicht zu nennen ist.Wie auch bei MOMMER (2002) konnte ein sehr hoher Anteil an Infektionserregern, die für Erkrankungen und Todesursachen in Betracht kommen, ermittelt werden. Dabei entfielen auf Bakterien (häufig nicht primär pathogene Erreger) 59,3 % in der eigenen Auswertung und 39,6 % bei MOMMER (2002). Staphylococcus spp., Streptococcus spp. und E. coli waren die am häufigsten isolierten Bakterien. Salmonellen und Mykobakterien wurden nicht isoliert. Pilze wurden in der eigenen Auswertung in 25,8 % und bei MOMMER (2002) in 37,3 % der untersuchten Psittaziden nachgewiesen. Der Anteil der Nachweise von Megabakterien (Macrorhabdus ornithogaster) hat sich deutlich erhöht, von 0,7 % (12 von allen 1.776 Psittaziden) bei MOMMER (2002) bis auf 6,0 % aller (98 von allen 1.637 Psittaziden) in der eigenen Auswertung. Parasiten wurden nach wie vor selten diagnostiziert (MOMMER (2002) 7,7 %; eigene Auswertung 7,1 %). Dabei entfiel der Hauptteil der Parasiten auf Askariden (MOMMER (2002) 4,3 %; eigene Auswertung 3,8 %). Insgesamt wurden Organproben von 710 der insgesamt 1.637 Psittaziden (43,4 %) auf Virusgehalt untersucht. Aus den Organproben von 118 der 710 (16,6 %) virologisch untersuchten (Zell- oder Eikultur) Psittaziden konnte Virus isoliert bzw. deren Genom mittels PCR nachgewiesen werden. Hierzu zählen Circovirus (2 Vögel), Polyomavirus (12), Adenovirus (2), Pockenvirus (1), Herpesvirus (39), Reovirus (19), Paramyxovirus Typ 1 (2), Paramyxovirus Typ 3 (12) und Paramyxovirus ohne Typisirung (27). Der Anteil von Paramyxoviren ist von 1,5 % von 664 untersuchten Vögeln bei MOMMER (2002) auf 41 von allen 710 untersuchen Vögeln (2,5 %) in der eigenen Auswertung gestiegen. MOMMER (2002) erwähnt Herpesvirusnachweise bei 38 von 664 (5,7 %) der virologisch untersuchten Psittaziden. Die eigene Auswertung erbrachte Herpesvirusisolierungen bei 39 von 710 (5,5 %) aller virologisch untersuchten Psittaziden.Auf der Basis anamnestischer Angaben sowie makroskopischer und pathohistologischer Befunde konnte bei 101 von 1.637 Psittaziden (6,2 %) die Diagnose neuropathische Drüsenmagenerweiterung (PDD) gestellt werden, während MOMMER (2002) die PDD nur bei 78 der 1.776 (4,3 %) untersuchten Psittaziden angibt. Besonders häufig von PDD betroffene Psittaziden waren in der eigenen Auswertung Graupapageien (36 Vögel), Keilschwanzsittiche (30), Kakadus (15), Amazonenartige (11) und Edelpapageien (5).Nicht infektiöse mutmaßliche Erkrankungs- und Todesursachen (13,5 %) waren, wie bei MOMMER (2002) (23,9 %), insgesamt deutlich geringer als infektiöse Erkrankungen und Todesursachen.Die Prädispositionen einzelner Psittazidengruppen für bestimmte Erkrankungen wiesen in den meisten Fällen keine relevanten Unterschiede zu MOMMER (2002) auf. Zu Mykosen, hauptsächlich durch Aspergillus spp. bedingt, neigten nach wie vor Keilschwanzsittiche (37 %; MOMMER (2002) 46,3 %), Graupapageien (43,8 %; MOMMER (2002) 57,0 %) und Amazonenartige (45,5 %; MOMMER (2002) 63,0 %). Der Anteil der Mykosen in diesen Familien ist insgesamt zurückgegangen. Wellensittiche wiesen eine hohe Frequenz von Megabakterien auf (80 aller 429 Wellensittiche, 18,6 %; 58,0 % der 138 untersuchten Wellensittiche). Sie sind auch deutlich häufiger von Tumoren (87 % aller gefundenen Tumore und 41 aller 429 Wellensittiche, 9,6 %) betroffen als Vögel anderer Gruppen. Vor allem in Leber, Niere und Gonaden wurden Tumoren festgestellt.Der Vergleich dieser Auswertungen mit denen von MOMMER (2002) hat ein verändertes Aufkommen bestimmter Erkrankungen, sowie teilweise Veränderungen in der Prädisposition einzelner Psittazidengruppen hinsichtlich bestimmter Erkrankungen aufgezeigt. Eine Gegen-überstellung der Zahlen von MOMMER (2002) und den eigenen Ermittlungen zu denen von SCHULZ (2002) und KELLIN (2009), die im Loro Parque, Teneriffa erhoben wurden, zeigte zum Teil beachtliche Unterschiede. Zur Erleichterung dieses Vergleichs wurden die jeweiligen Fallzahlen aus Gießen (G) von MOMMER (2002) und die eigenen Zahlen, sowie die aus dem Loro Parque (LP; SCHULZ (2002) und KELLIN (2009)) addiert. Die Gesamtzahl der in Gießen ausgewerteten Befunde betrug 3.413 Vögel. Im Loro Parque wurden 2.265 Befunde ausgewertet. Es ergaben sich deutliche Differenzen hinsichtlich traumatischer Todesfälle und Verhaltensstörungen (G 37 Vögel, LP 237 Vögel), der Chlamydiennachweise (G 140 Vögel, LP 6 Vögel), der virusbedingten Krankheiten (G 364, LP 197 Vögel) sowie der Aspergillose im Atmungstrakt (G 536 Vögel, LP 52 Vögel) und Parasitosen (G 253 Vögel, LP 33 Vögel). Diese Differenzen zwischen den Werten aus Gießen und dem Loro Parque bei den festgestellten Erregern infektiöser Krankheiten werden mit den differierenden Bedingungen in der Haltung, der Ernährung und der speziellen fachtierärztlichen Betreuung von Psittaziden erklärt.Verknüpfung zu Publikationen oder weiteren Datensätzen
Beschreibung
Anmerkungen
Erstpublikation in
Giessen : VVB Laufersweiler
