Anti-angiogene Tumortherapie konnte in vielen Studien bereits als eine äußerst wirksame Therapieform dargestellt werden und hat bereits Einzug in den klinischen Alltag gehalten. Widererwartend findet auch bei dieser Therapieform, die Tumorzellen nicht direkt angreift, eine Resistenzbildung statt. Eine klinische Herausforderung ist die evasive Resistenz, die sich durch verstärkte Metastasenbildung auszeichnet. Ziel dieser Arbeit war es, dem Mechanismus dieser evasiven Resistenzbildung nachzugehen, um etwaige Therapieansätze verbessern zu können und das Risiko der Resistenzbildung zu minimieren.Dazu wurden in vivo Mäuse, die einen humanen Brustkrebstumor trugen, anti-angiogen mit Sunitinib behandelt und nach Ende der Therapie die Tumorzellen isoliert. Während der Therapie wurde mittels IVIS die Ausprägung der Hypoxie in den Tumoren gemessen. Parallel dazu wurde in vitro die gleiche Brustkrebszelllinie wechselnden Zuständen der Hypoxie mit anschließender Reoxygenierung (intermittierende Hypoxie) ausgesetzt. Beide Zelllinien wurden anschließend molekularbiologisch mittels Western Blot, quantitativer PCR und Zellkulturassays charakterisiert.Im Einklang mit den vorherigen Studien entwickelten die anti-angiogen behandelten Mäuse signifikant mehr Metastasen. Kongruent dazu zeigten die Tumorzellen, die aus behandelten Tumoren reisoliert wurden, einen invasiveren Phänotyp. Er zeichnete sich vor allem durch die verstärkte Expression von HIF-2alpha, die vermehrte Invasion im modifiziertem Boyden-Chamber-Assay und einem erhöhtem Tumorstammzell-Phänotyp aus. In Analysen der IVIS-Aufnahmen zeigten sich verstärkt hypoxische Zustände in den behandelten Tumoren. Passend dazu konnte ein analoger Phänotyp in dem in vitro erzeugten Modell ausschließlich durch intermittierende Hypoxie nachgestellt werden. Durch ein knock-down von HIF-2alpha mittels shRNA konnte HIF-2alpha als treibende Kraft der verstärkten Invasivität herausgestellt werden. Nach Analysen der Schlüsselenzyme der DNA-Demethylierung wurde in einem Überexpressionsmodell TET1 als möglicher Auslöser des Phänotypwechsels identifiziert.Die Ergebnisse dieser Arbeit legen nahe, dass Hypoxie im Tumormikromilieu, ausgelöst durch anti-angiogene Therapie, mittels TET1 vermittelter DNA-Demethylierung und verstärkter HIF-2alpha Expression einen Phänotypwechsel in den Tumorzellen auslöst und somit die Grundlage zur Resistenzbildung schafft. Eine Inhibition dieses Phänotypwechsels könnte die Resistenzbildung auf anti-angiogene Therapie vermindern sowie die klinische Ansprechraten erhöhen.
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