Einsatz des kardialen Biomarkers NT-proBNP zur Diagnostik der Lungenkongestion bei Hunden mit persistierendem Ductus arteriosus

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Der PDA zählt zu den häufigsten kongenitalen Herzerkrankungen des Hundes. Während die Diagnosestellung durch das klassische Herzgeräusch einfach ist, kann die Schwere der Erkrankung klinisch nur schwer abgeschätzt werden. Insbesondere eine schwere Lungenstauung ist aber ein wichtiges Kriterium für die Dringlichkeit des Verschlusses. Eine Röntgenuntersuchung zur Detektion der Kongestion ist nicht überall verfügbar, und die Interpretation ist von Untersucher sowie Bildqualität abhängig. Kardiale Biomarker werden in den letzten Jahren auch in der Tiermedizin verstärkt eingesetzt, die bekanntesten sind Troponin I, ein Indikator des Herzmuskelzellschadens, sowie NT proBNP, ein Funktionsmarker, dessen vermehrte Synthese durch eine verstärkte kardiale Belastung induziert wird. Ziel der aktuellen Studie war es daher, zu prüfen, ob NT-proBNP in der Lage ist, eine alveoläre Lungenzeichnung beim Hund mit PDA zu detektieren. Des Weiteren wurde die Korrelation von NT proBNP zu verschiedenen Markern der kardialen Belastung untersucht.In diese Studie gingen insgesamt 28 Hunde mit einem kontinuierlichen Herzgeräusch durch einen echokardiographisch bestätigten PDA ein. Patienten mit zusätzlichen Herzmissbildungen, oder einer akuten Therapieänderung vor Blutprobenentnahme wurden ausgeschlossen. Anhand einer alveolären Verschattung im Röntgenbild wurden die Patienten in zwei Gruppen mit bzw. ohne Kongestion (CHF bzw. N-CHF) eingeteilt. Es erfolgte neben der klinischen Untersuchung ein Herzultraschall und die Bestimmung der Serumkonzentrationen von NT proBNP und Troponin I. Die Messung des Shuntquotienten erfolgte im Rahmen des interventionellen Verschlusses des PDA. Daten aus Anamnese (NYHA-Stadieneinteilung), klinischer Untersuchung (Herzfrequenz und Atemfrequenz), radiologische Herzgröße (VHS und VHS-Index), sowie die NT proBNP und Troponin I-Werte wurden im Hinblick auf ihre Eignung zur Diagnostik der radiologischen Kongestion untersucht. Anschließend wurde die Korrelation von NT proBNP zu verschiedenen Markern der kardialen Belastung (radiologische Herzgröße, echokardiographischer Vorhof- und Ventrikelgröße bzw. Wandstress-Marker, Shuntquotient) überprüft.Eine Untersuchung von 12 gesunden Hunden wurde zur Erstellung eines Kontrollwertes der NT proBNP-Messung durchgeführt, diese wiesen einen medianen NT proBNP-Wert von 240 pmol/l auf (Bereich 131 546 pmol/l).13 der 28 Hunde (46 %) mit PDA zeigten im Röntgen eine alveoläre Lungenzeichnung und wurden damit in die Gruppe CHF (kongestive Herzinsuffizienz) eingeordnet. Es bestand kein signifikanter Unterschied im medianen NYHA-Stadium zwischen den Tieren mit und ohne radiologische Stauung, in beiden Gruppen zeigte die Mehrzahl der Tiere keine Symptomatik (NYHA 1). Die Herzfrequenz war zwischen den beiden Gruppen nicht signifikant unterschiedlich. Die Atemfrequenz wies einen signifikanten Gruppenunterschied auf. Für die Diagnose der Kongestion ergab sich ein AUC-Wert von 0,79 bei einem Cut off-Wert von > 40/min betrug die Sensitivität 57 % und die Spezifität 83 %. Allerdings konnte die Atemfrequenz aufgrund von Hecheln bei etwa 30 % der Tiere nicht ermittelt werden. Die NT proBNP-Konzentrationen waren signifikant unterschiedlich zwischen den beiden Gruppen. Für den Parameter ergab sich ein AUC-Wert von 0,83 zur Diagnose der alveolären Kongestion; bei einem Cut off-Wert von > 1332 pmol/l lag die Sensitivität bei 54 % und Spezifität bei 93 %. Ein Absenken des Cut off-Wertes auf > 480 pmol/l führte zu einer 100%igen Sensitivität bei einer Reduktion der Spezifität auf 53 %. Die Serumkonzentrationen von Troponin I waren zwischen den beiden Gruppen nicht signifikant unterschiedlich. Eine Auswertung der radiologischen Herzgröße (VHS) erbrachte eine AUC von 0,87 im Hinblick auf die Diagnose einer Kongestion; der Cut off-Wert > 12,3 wies eine Sensitivität von 69 % und eine Spezifität von 93 % auf. Bei Berücksichtigung rassespezifischer Unterschiede und der Berechnung des VHS I ergab sich eine AUC von 0,95; ein Cut off-Wert von > 1,19 konnte mit einer Sensitivität von 85 % und einer Spezifität von 93 % eine alveoläre Lungenzeichnung diagnostizieren.Die NT proBNP-Konzentration korrelierte signifikant mit der radiologischen Herzgröße, dem VHS und dem rassespezifischen VHS I (r = 0,5963 bzw. 0,6065). Bei den echokardiographischen Parametern zeigte sich ebenfalls eine signifikante Korrelation des Index des linken Ventrikeldurchmessers in Diastole und Systole (r = 0,5529 bzw. 0,5674). Eine schwächere Korrelation konnte zwischen diastolischem und systolischem Wandstress-Index (r = -0,4720 bzw. -0,4876) nachgewiesen werden. Die engste Korrelation in der Echokardiographie fand sich zwischen NT proBNP und dem linken Vorhofdurchmesser im Verhältnis zur Aorta (LA/Ao) (r = 0,6505). Der Shuntquotient Qp/Qs zeigte eine mäßige Korrelation mit NT proBNP (r = 0,5223).Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Anamnese zur Schweregradeinteilung der Herzinsuffizienz beim PDA nicht geeignet ist. Die Einschätzung des Besitzers deckt sich selten mit der radiologischen Stauung. Eine erhöhte Atemfrequenz kann erste Hinweise auf eine bestehende Dekompensation geben, ist jedoch bei einigen Tieren aufgrund vermehrten Hechelns nicht zu evaluieren. Im Gegensatz zu Troponin I erscheint NT proBNP zur Detektion einer Lungenkongestion beim PDA geeignet, allerdings besitzt nur ein sehr niedriger Cut Off-Wert (> 480 pmol/l) eine ausreichende Sensitivität für einen Screening-Test. Die radiologische Herzgröße (VHS) hat ähnliche Genauigkeit wie die NT-proBNP Messung, allerdings wird diese durch die Berechnung eines rassespezifischen Referenzwertes (VHS I) deutlich verbessert. Allerdings setzt ihre Auswertung die Möglichkeit der Röntgenuntersuchung voraus und ist somit mit höherem technischen Aufwand verknüpft als eine Blutprobenentnahme für NT proBNP. Eine Korrelation zwischen NT proBNP und Markern der kardialen Belastung war insgesamt als mäßig zu beurteilen, vermutlich, da die BNP-Synthese von vielen unterschiedlichen Faktoren beeinflusst wird. Bei Hunden mit PDA ist NT-proBNP ein geeigneter Parameter, da er bei Werten im Referenzbereich eine alveoläre Kongestion sicher ausschließt.

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Giessen : VVB Laufersweiler

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