Prospektive, randomisierte Studie zur Immunsuppression mit Mizoribine, Cic-losporin A und Corticosteroiden im Vergleich zu Azathioprin, Ciclosporin A und Corticosteroiden nach Leichennierentransplantation
Mizoribine ist ein Nucleosid aus der Imidazolklasse, das 1971 als Produkt des Pilzes Eupenicillium brefeldianum in Japan isoliert wurde und zunächst ausschließlich als antimykotisch wirkende Substanz eingestuft wurde. Seit 1984 ist es auch unter dem Handelsnamen Bredinin in Japan als Medikament zur Immunsuppression nach Nierentransplantation zugelassen.
Mizoribines Metabolit Mizoribine-5´-Monophosphat hemmt die Synthese von DNA und RNA. Im Gegensatz zu Azathioprin ist das Spektrum der unerwünschten Wirkungen kleiner. In bisherigen Studien konnten weder eine wesentliche Hepatotoxizität noch eine wesentliche Myelotoxizität nachgewiesen werden.
1994 bis 1996 wurde in Gießen eine vergleichende Studie zur Immunsuppression nach Nierentransplantation an 30 Patienten durchgeführt, die entweder eine Therapie mit Azathioprin, Ciclosporin A und Prednisolon oder mit Mizoribine, Ciclosporin A und Prednisolon erhielten. Die Patienten wurden für die Dauer eines Jahres beginnend zum Zeitpunkt der Nierentransplantation beobachtet.
Es sollte untersucht werden, ob Mizoribine im Vergleich zu Azathioprin effektiver ist hinsichtlich der Inzidenz akuter Abstoßungsreaktionen und hinsichtlich der Transplantatfunktion. Andererseits sollte die Inzidenz unerwünschter Wirkungen wie Auftreten von Infektionskrankheiten, Leukopenien und Lebertoxizität untersucht werden.
Die Gruppen wurden randomisiert und zeigten keine statistisch signifikanten Unterschiede hinsichtlich der Geschlechterverteilung der Spender und Empfänger, des Alters der Transplantatempfänger, der HLA-Mismatches, der Ischämiezeiten, des CMV-Status und der anderen relevanten Ausgangsvoraussetzungen. Alle Transplantate stammten von Leichenspendern.
Unterschiede fanden sich einzig in bezug auf das Alter der Nierenspender, wobei die Spender des Kontrollkollektivs durchschnittlich älter waren.
Ausgewertet wurden die Daten von 29 Patienten, von denen 25 bis zum Ende des Beobachtungsjahres untersucht wurden.
Die Patienten- und Transplantatüberlebenszeiten betrugen bis zum Ende des Beobachtungsjahres bzw. für die vor Ablauf des Jahres ausgeschlossenen Patienten bis zum Ende des Beobachtungszeitraums in beiden Gruppen 100%.
Unter Berücksichtigung der im Verlauf der Studie ausgeschlossenen Patienten kam es, allerdings erst nach Ausschluss aus der Studie, in der Kontrollgruppe zu 3 Organverlusten (21%), wobei einer durch den Tod des Patienten aufgrund einer atypischen Pneumonie (7%), einer durch eine interstitielle Abstoßungsreaktion und eine anschließende CMV-Infektion (7%) und der dritte durch eine vaskuläre Abstoßungsreaktion (7%) bedingt war. In der Mizoribine-Gruppe kam es zu keinen Organverlusten.
Im Vergleich zu den Transplantierten, die Azathioprin erhielten, war das Auftreten von Erkrankungen durch CMV deutlich geringer (p<0,05) und es fanden sich weniger Hinweise auf eine Myelotoxizität.
Die Ergebnisse zeigen, auch unter Berücksichtigung anderer Studien, dass Mizoribine in Kombination mit CsA und Prednisolon als sicheres Immunsuppressivum bei Nierentransplantierten eingesetzt werden kann und sich im Vergleich zu Azathioprin in Kombination mit CsA und Prednisolon bei gleichem, in einigen Studien auch besserem, Patienten- und 1-Jahres-Transplantatüberleben mit einem signifikant niedrigeren Risiko für schwerwiegende Erkrankungen durch CMV aus und ein geringeres Risiko für das Auftreten einer Myelotoxizität auszeichnet.
Im Vergleich zu Azathioprin in Kombination mit CsA und Prednisolon zeichnet sich Mizoribine bei gleichem, in einigen Studien auch besserem, Patienten- und 1-Jahres-Transplantatüberleben mit einem signifikant niedrigeren Risiko für schwerwiegende Erkrankungen durch CMV aus.
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