Einträge von Pflanzenschutzmittel (PSM) aus landwirtschaftlichen Hofabläufen, sog. "Punkteinträge", spielen vermutlich eine erhebliche Rolle bei der Kontamination von Oberflächengewässern. Die Untersuchungen, die bisher zu diesem Thema durchgeführt wurden, traten allesamt mit unterschiedlichen Zielsetzungen und Untersuchungsdesigns an, sowie in einer jeweils unterschiedlichen geographischen Ausdehnung. Mit der vorliegenden Arbeit sollte erstmals versucht werden, das Thema Punkteinträge von Pflanzenschutzmitteln in Oberflächengewässer auf Bundesebene zu beleuchten. Im Vordergrund stand die Frage, in welcher Größenordnung solche Einträge zu erwarten sind und welche Faktoren auf die tatsächliche Höhe von Punkteinträgen maßgeblichen Einfluss haben.
Eine gängige Methode, die in den vergangenen Jahren in rund einem Dutzend Studien zum Einsatz kam, um PSM-Einträge aus Hofabläufen abzuschätzen, ist die Beprobung von Kläranlagen in Gebieten, in denen die Hofentwässerung an diese Kläranlagen angeschlossen ist. In den Jahren 2006 und 2007 sind daher bundesweit acht Kläranlagen in sieben landwirtschaftlich genutzten Einzugsgebieten und einem weinbaulich genutzten Einzugsgebiet mit Hilfe eines einheitlichen Ansatzes beprobt und die Ergebnisse der nach vergleichbaren Kriterien ausgewertet worden.
Mit der vorliegenden Arbeit wird die These bestätigt, dass Punkteinträge in Deutschland eine wichtige - wenn auch regional vermutlich unterschiedlich große - Rolle bei der Gesamtbelastung der Oberflächengewässer mit PSM spielen. Die PSM-Befrachtung von Oberflächengewässern wird in erster Linie durch die handelnden Personen und ihre Fahrlässigkeit bzw. ihr Fehlverhalten bei der Vorbereitung und Durchführung von PSM-Maßnahmen bestimmt und nur zu einem geringen Teil durch physische, naturwissenschaftlich erfassbare Prozessdeterminanten. Die zu erwartenden Einträge bewegen sich in einem "normalen" Jahr bei rund 20 g pro Feldspritze und Betrieb. Der berechnete PSM-Austrag, bezogen auf die behandelte Fläche, beträgt zwischen 0,02 g und 1,57 g je Hektar behandelter Ackerfläche. Für die Weinbau-Kläranlage wurde eine mittlere PSM-Fracht von 2,52 g je Hektar behandelter Rebfläche und Jahr ermittelt. Die vorliegende Arbeit macht deutlich, dass eine pauschale Charakterisierung von Problemgebieten relativ schwierig ist. Eindeutig kann festgehalten werden, dass effiziente Minderungsmaßnahmen bei der Handhabung von Feldspritzen und PSM-Präparaten im Hofbereich ansetzen müssen.
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