Anthropologische Untersuchung der Körper- und Brandbestattungen des römischen Gräberfeldes Mainz-Kurfürstenstraße : mit einem Beitrag zu den Bauchlagenbestattungen in der römischen Antike
Die 137 Skelett- und Leichenbrandfunde des römischen Gräberfeldes Mainz-Kurfürstenstraße stellen eine wichtige Informationsquelle über die Bewohner des antiken Mainz vor rund 2000 Jahren dar. Ihre Untersuchung mit morphologischen, metrischen und histologischen Methoden gibt Auskunft zu individuellen Charakteristika, aber auch allgemein zu den Umwelt- und Lebensbedingungen der städtischen Bevölkerung des 1. bis 4. Jahrhunderts nach Christus. Die Einordnung der bevölkerungsbiologischen Ergebnisse wie Kindersterblichkeit oder Lebenserwartung in den zeitlichen Kontext erfolgt über einen Vergleich mit ausgewählten Gräberfeldern und schriftlichen Quellen. Für eine Optimierung der Sterbealterdiagnose an den unverbrannten Skelettfunden kamen neben makroskopischen Verfahren auch zwei histologische Methoden zum Einsatz: Die Zahnzementchronologie sowie die histomorphometrische Untersuchung von Dünnschliffen der Oberschenkelknochen wurden einander gegenübergestellt. Eine Besonderheit des Mainzer Gräberfeldes bilden die sechs Bauchlagenbestattungen von Kindern und Jugendlichen zwischen 11 und 14 Jahren und Erwachsenen bis zu einem Alter von 50 Jahren. Diese Form der Sonderbehandlung der Toten stellt Archäologen noch immer vor ein Rätsel. Es gibt keine schriftlichen Überlieferungen darüber, welche Motive die Menschen in der Antike dazu veranlassten, einige Verstorbene auf dem Bauch liegend beizusetzen. Ob das Alter, eine bestimmte Geschlechtszugehörigkeit oder der Gesundheitszustand der Bestatteten einen Hinweis auf den abweichenden Bestattungsritus geben, wurde anhand einer länderübergreifenden Zusammenschau untersucht.
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