Die idiopathische Lungenfibrose (IPF) ist eine progredient verlaufende, chronische fibroproliferative interstitielle Lungenerkrankung mit ungünstiger Prognose. In der bronchoalveolären Lavageflüssigkeit (BALF) von IPF-Patienten findet sich häufig ein Ungleichgewicht zwischen pro- und antikoagulatorischen Faktoren, das eine veränderte alveoläre Homöostase mit vermehrter intraalveolärer Ablagerung von Fibrin begünstigt. Neben der Rolle in der Bildung von Fibrin scheinen die prokoagulatorischen Faktoren auch zelluläre Aktivitäten zu regulieren, die zur Proliferation von Fibroblasten, zur Produktion von Zytokinen und zur vermehrten Expression von extrazellulären Matrixkomponenten führen. Bislang wurde hauptsächlich die Rolle von Faktoren der extrinsischen Gerinnungskaskade in der Pathogenese der IPF untersucht. Jüngere Untersuchungen zeigten aber auch eine Beteiligung von Proteinen des Kontaktsystems und des Kallikrein-Kinin-Systems an der Ausbildung der vorgenannten Erkrankung. So zeigte sich insbesondere Faktor XII, über seine Fähigkeit das Verhalten von Fibroblasten- und Alveolarepithelzellen zu regulieren, als neuer Faktor zur Pathobiologie der IPF beizutragen. Zusätzlich zeigte sich, dass eine pharmakologische Inhibierung von Faktor XII zu einer Abschwächung der bleomycin-induzierten Lungenfibrose führt. Dennoch gibt es bislang noch keine Studien, die den Einfluss von C1-Inhibitor (C1-INH), dem endogenen Inhibitor von Faktor XII und Kallikrein, auf den Verlauf der IPF bemessen. Daher war es Ziel dieser Arbeit die Bedeutung des C1-INH im Rahmen der IPF zu evaluieren. Es zeigt sich in dieser Arbeit eine deutliche Erniedrigung der C1-INH-Konzentration in der BALF von IPF-Patienten im Vergleich zu Gesunden und NSIP-Patienten. Durch den Nachweis von C1-INH-mRNA in AT II konnte die Lunge zwar als mögliche extrahepatische Quelle von C1-INH gesehen werden, eine verminderte lokale Synthese als Ursache für die Konzentrationserniedrigung des C1-INH in der BALF von IPF-Patienten war jedoch nicht nachweisbar. Ebenfalls ließ sich die Bildung von C1-INH-Protease-Komplexen als weitere Ursache für einen erhöhten Verbrauch von C1-INH nicht bestätigen. Jedoch ließen sich Komplexe zwischen C1-INH und Histon-Proteinen in IPF-BALF-Proben nachweisen, die möglicherweise eine verminderte lokale C1-INH-Konzentration begünstigen. Zusätzlich zeigte sich eine positive Korrelation zwischen der C1-INH-Konzentration in der BALF von IPF-Proben und der forcierten Vitalkapazität, sowie eine negative Korrelation zwischen der C1-INH-Konzentration und der Anzahl der C1-INH-Histon-Komplexen in der IPF-BALF sowie des C1-INH BALF-Levels.Zusammenfassend zeigen diese Ergebnisse, dass der Verbrauch von C1-INH nicht nur eine erhöhte Aktivität von Proteinen des Kontaktsystems begünstigen könnte, sondern auch proinflammatorische und zytotoxische Effekte von extrazellulären Histon-Proteinen verstärken könnte. Somit könnte C1-INH, auf der einen Seite über die Inhibierung von Faktor XII und auf der anderen Seite über die Neutralisation von extrazellulären Histon-Proteinen, einen doppelt positiven Effekt auf den Progress der IPF haben.
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