In der Agrar- und Ernährungswirtschaft existieren bereits seit langer Zeit verschiedene Formen der Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Stufen der Wertschöpfungskette. Die Branche weist eine stetig stärkere Entwicklung zu einem höheren Grad an vertikaler Integration auf. Heute dominiert dabei das Ziel, Wettbewerbsvorteile durch die Partizipation an einer Kooperation zu genieren. In diesem Zusammenhang wurde Wissen als Erfolgsfaktor identifiziert und als Ressource höchster strategischer Relevanz und als Teil der Kernkompetenzentwicklung ermittelt, die für die Einzigartigkeit von strategischen Positionen verantwortlich ist. Es reicht nicht mehr aus, Daten- und Informationsmanagement zu betreiben, sondern es ist notwendig Wissen zu generieren und zwischen Kooperationspartnern zu transferieren, um einen Wettbewerbserfolg zusammen mit den Kooperationspartnern zu erreichen.Aus diesem Grund werden in der vorliegenden Arbeit der Wissenstransfer und seine Voraussetzungen in Kooperationen der Agrar- und Ernährungswirtschaft untersucht. Dazu findet ein bestehendes verfügungsrechtstheoretisches Modell Berücksichtigung, das einen Leistungserstellungsprozess zwischen zwei stufenübergreifenden Akteuren abbildet. Es werden darin Wissensinvestitionen, Vor- und Nachteile des Wissenstransfers und die Eigentumsverhältnisse von Wissen in Kosten und Erträgen dargestellt. Die Aussagekraft und Erweiterung des Modells wird unter Einbindung einer empirischen Befragung von Genossenschaften, die eine spezielle Form der Kooperation darstellen, analysiert. Es hat sich bestätigt, dass hinsichtlich der Wissensdefinition in explizites und implizites Wissen unterteilt wird. Die Relevanz der Wissensform zeigt sich in der höheren Nutzungswertigkeit und im flexibleren Einsatz von Wissen gegenüber der Information. Bestehende Strukturen wie z. B. Vertrauensverhältnisse begünstigen einen Wissenstransfer. Hinsichtlich der organisationalen Entwicklung steht implizites Wissen, in das verstärkt investiert werden soll, im Vordergrund. Allerdings fehlen derzeit Rahmenbedingungen zur wissensorientierten Ausrichtung, da es keine hinreichenden Instrumente und Methoden für den Wissenstransfer in der Praxis gibt. Diese Ergebnisse sind genutzt worden, um verschiedene wissensorientierte Szenarien des Modells weiter zu entwickeln. Über die Unterteilung in implizites und explizites Wissen kann festgelegt werden, ob Wissen übertragbar ist, oder ob ein Partner von der Nutzung des Wissens ausgeschlossen werden kann. Das Modell liefert einen Rahmen für Kooperationspartner, um Möglichkeiten und Grenzen des Wissenstransfers abzubilden, das Risiko einer Wissenskooperation abzuschätzen und Beteiligungsanreize und deren Wirkungen zu ermitteln.
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