Als diese Studie durchgeführt wurde, funktionierte die Wirtschaft in Jaffna wieder einigermaßen. Die ausgewählten Probanden waren aus Jaffna und Umgebung. Sie wohnten inzwischen seit ca. 2 Jahren in den für die Studie ausgewählten Gebieten. Die anhand der Ernährungsfragebögen erhobenen Daten, die mit Hilfe des Nutri¬survey Pro¬gramms ausgewertet wurden, zeigen einen Überblick über die Nahrungs¬aufnahme der Bewohner in Jaffna und ihrer Umgebung im Jahre 2004. Der Nähr¬stoffgehalt / 100 g Nahrungsmittel wurde bestimmt. Die zeigt einen Der Nähr¬stoffgehalt der angegebenen Nahrungsmittel war bei den Probanden aus-gewogen. Nach den laborchemischen Ergebnisse zeigen 50 % der Kinder einen erniedrigten Hb-Wert bei normwertigem Eisen-, Ferritin- und Transferrin-Werten im Serum. Die Hakenwurminfektion wurde bei allen Probanden durch die Stuhluntersuchung aus-geschlossen, sodass der Hakenwurm als Ursache für das erniedrigte Hämoglobin nicht in Betracht kommt. Bei der Anamneseerhebung wurden von einigen Kindern folgende Symptome angegeben: z.B. Müdigkeit, Leistungsminderung, Kopfschmerzen, Dyspnoe bei Belas¬tung und Tachykardie. Diese Symptomatik passt zu einer Anämie. Bei den Kindern, die symptomatisch auffällig waren und bei denen der Hb-Wert erniedrigt war, wurde zunächst eine Entwurmung durchgeführt. Bestand jedoch weiterhin ein erniedrigter Hb-Wert, wurde Eisen substituiert. Als Ursache für die Anämie konnte B12- und / oder Folsäuremangel in Betracht gezogen werden. Diese beiden Para-meter wurden bei der Studie nicht berücksichtigt.Jod wurde in der vorliegenden Studie nicht bestimmt. Bei 14 % der untersuchten Kinder waren jedoch die TSH-Werte erhöht. Die TSH-Erhöhung ist nicht einfach zu erklären, weil Fisch traditionell ein wichtiges Nahrungsmittel ist. Wegen des beste-henden Fischfang-Verbotes ist die Versorgung mit jodhaltiger Nahrung aber nicht gesichert. Der relativ hohe Anteil an Schulkindern mit erhöhten TSH-Werten ist allerdings über eine Fisch-Mangel-Ernährung nicht einfach zu erklären. Den Kindern mit kli¬nisch diagnostizierter Struma wurde jodiertes Salz sowie ein vermehrter Konsum von jodreichen Nahrungsmitteln von den Vertretern der Gesundheitsämter empfoh¬len. Falls die Symptome auch weiterhin bestanden, wurde den Kindern Jod sub¬stituiert. Über die Menge ließ sich leider keine genaue Angabe finden, so dass die Sub¬stitution unzureichend gewesen sein könnte. Differenzialdiagnostisch könnte eine Jod¬resorptionstörung vorliegen.Das Ergebnis des Vitamin-A-Mangels ergibt ein schwer zu interpretierendes Bild. Aus der Nährstoffaufnahme (Abb. 23) ergibt sich, dass der empfohlene Wert deutlich überschritten wurde. Vitamin-A wurde bei allen 133 Kinder untersucht. Bei 20 Kin¬dern fanden sich Symptome - trockene Haut, konjunktivale Sklerose und Horn¬hauttrübung - die üblicher¬¬weise auf einen Vitamin-A-Mangel hinweisen. Dies ist aus zwei Gründen überraschend. Alle Kinder erhielten halbjährlich eine Vitamin-A- und Vitamin-D-Kap¬sel-Substitution. Die dennoch beobachteten Symptome lassen sich möglicherweise über verschiedene Ursachen erklären. Erstens könnten die 20 Kinder aus Flücht¬lingslagern stammen, in denen die Versorgungslage deutlich schlechter war. Dann wären die Symptome doch auf eine, in der jüngeren Vergangenheit liegende Vitamin-A-Unterversorgung zurückzuführen. Alternativ könnte bei den betroffenen Kindern eine Resorptionsstörung für Vitamin-A vorliegen. Daher wurde bei diesen Kindern Retinol im Serum bestimmt. Die gemessenen Werte befanden sich im Normbereich, sodass sich die Symptome nur noch über eine Stoff¬wechsel¬störung erklären lassen.Aufgrund der oralen Eisen-, Vitamin-A- und Jod-Substitution war eine sichere Aus-sage nicht möglich. Wer es sich finanziell leisten konnte, konnte sich auch adäquat ernähren. Wenn kein Nährstoffmangel besteht, ist eine Substitution von Vitaminen und Mineralien sowie die Entwurmung ohne sicheren Hakenwurm-Nachweis nicht empfehlenswert. Die Gesundheitsämter arbeiten zwar in dieser Hinsicht schon flächen¬deckend, aber dies reicht bei weitem noch nicht aus. Es ist daher ver-ständlich, dass auch in der Zukunft noch viele Mittel für die Gesundheits¬versorgung benötigt werden, damit die Menschen ausreichend und effektiv medi¬zinisch behan-delt werden können. Zur Abklärung der genauen Ursachen müsste eine weiter-führende Labordiagnostik durchgeführt werden. Gegen die Realisierung sprachen - zumindest in der momentanen Situation - organisatorische und finanzielle Gründe.
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