Jodversorgung Giessener Schüler

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Weltweit sind immer noch etwa 800 Millionen Menschen vom Jodmangel betroffen.International durchgeführte Studien belegen auch bei Schulkindern der Grundschulen einen Jodmangel. Bisher wurden keine flächen deckenden Studien mit Schulkindern im Bundesland Hessen durchgeführt. Die hier vorliegende Studie hat das Ziel, den aktuellen Jodversorgungsstatus von Schulkindern in der Stadt Giessen und Umgebung in Abhängigkeit von möglichen Einflussfaktoren zu erfassen. In der Studie wurden 256 Urinproben und Fragebögen von Schülern und Schülerinnen der Klassenstufen drei und vier, die im Jahr 2006 Grundschulen im Raum Giessen besuchten, untersucht. Insgesamt beteiligten sich 141 Jungen und 115 Mädchen im Alter von 8 bis 11 Jahren. Die Jodkonzentration in den Urinproben wurde mithilfe der Hochdruckflüssigkeitschromatographie (HPLC) bestimmt. Der Fragebogen erfasste Nahrungsgewohnheiten und den Sozialstatus der Eltern der Probanden. Die Statistische Auswertung erfolgte mit dem Programm SAS Version 9.13 für Windows.Der Median der Jodkonzentration im Urin wurde mit 122.9 µg Jod / g Kreatinin bestimmt. Es fand sich mit 17.9 µg Jod / g Kreatinin die niedrigste Jodkonzentration im Urin und mit einem Wert von 365.2 µg Jod / g Kreatinin die höchste Konzentration an Jod im Urin. Von den 256 untersuchten Schülern sind 65,6 % ausreichend bis sehr gut mit Jod versorgt. Unter die Jodmangelkriterien der WHO fallen 34,4 % der Schüler. Der Verzehr von Seefisch sowie die Häufigkeit der Aufnahme von Milch und Milchprodukten hat in den untersuchten Fällen keinen Einfluss auf die Jodversorgung. In der überwiegenden Zahl der Haushalte der Probanden wird Jodsalz verwendet (95,8 %). Schulabschluss und Arbeitsstelle der Eltern haben keinen signifikanten Einfluss auf die Jodversorgung des hier einbezogenen Kollektivs von Schülern. Bei der Wohnsituation lässt sich ein Unterschied in der Jodversorgung zwischen Familien mit Mietwohnungen und Familien mit Eigentum darstellen. Von den Probanden mit Jodmangel leben 64,4 % der Familien in einem Mietverhältnis und 35,6 % in Wohneigentum. Bei den Probanden mit einer ausreichenden Jodversorgung sind es 46,5 % mit einem Mietverhältnis und 35,6 % mit Wohneigentum. Für die Befragung und medizinische Untersuchung nach sozialstrukturellen und ernährungspolitischen Gesichtspunkten wurden 4 Grundschulen ausgewählt, die sich nach ihrem Ausländeranteil sowie ihrer Lage im Stadtgebiet Giessen voneinander unterscheiden. Nach der geographischen Lage befinden sich die untersuchten Schulen im Westen und Osten sowie im Zentrum der Stadt Giessen und werden zu etwa gleichen Teilen von den Probanden besucht. Die Schüler der 2. Schule (Ostteil der Stadt) sind mit einen Jodmangelanteil von 12.5 % (n=9) am besten versorgt. Bei der 3. Schule sind die Hälfte der Schüler (53,2 %, n=42) unzureichend mit Jod versorgt. Die Durchführung einer logistischen Regressionsanalyse mit den unterschiedlichen Schulen und dem Wohnverhältnis der Eltern bestätigte, dass es deutliche regionale Unterschiede in der Jodversorgung im Raum Giessen gibt. Die Familien der Probanden der Schule 3, welche im sozial eher benachteiligten Stadtteil Innenstadt/Nord gelegen ist, zeigen den höchsten Anteil von Mietverhältnisseen und die jeweiligen Probanden sind am schlechtesten mit Jod versorgt. Dieses Ergebnis deckt sich mit dem Giessener Armutsbericht von 2000. Auch in den für die Stadt Giessen erstellten Sozialstrukturdaten zur Beschreibung der Lebenslage von Kindern, Jugendlichen und Familien wurde auf die Giessener Innen- und Nordstadt, als Stadtteile mit besonderem Entwicklungsbedarf hingewiesen. Im Giessener Armutsberich von 2000 fand sich im Gebiet der Innen- und Nordstadt mit 18,5 bis 21,2 % der höchste Anteil an Hauptschulabschlüssen unter den Schulabgängern. Die Kariesverteilungs- und Häufigkeitsstudie aus dem Jahre 1999/2000 in der Stadt Giessen und Umgebung zeigte mit mehr als 30 % der Grundschulkinder in der Innen- und Nordstadt die höchste Inzidenz und Prävalenz von Karies. Die Ergebnisse machen deutlich, dass noch weiterhin Maßnahmen ergriffen werden müssen, um eine gleichmässig gute Gesamtversorgung der Bevölkerung zu erzielen. So ist Jodmangel bisher kein Bestandteil von Einschulungsuntersuchungen. Wäre diese der Fall könnten vorhandene Mangelerscheinungen rechtzeitig erkannt, und entsprechende Empfehlungen an Eltern und Schule gegeben werden. Eine Verwendung von Jodsalz bei der Produktverarbeitung und Produktherstellung von Fast Food könnte dazu beitragen die Jodlücke zu verringern. Richtet man die Pausenverpflegung in den Schulen an den Vorschlägen der DGE aus und weckt im Unterricht Motivation und Mitarbeit, unter Einbezug der familiären Herkunft von Kindern, ihrer Ziele und Einstellungen, dann sollte es durchaus möglich sein, den Ernährungszustand, das Ernährungswissen und das gesundheitsrelevante Verhalten auch in unterprivilegierten Bevölkerungsteilen stärker als bisher zu fördern. Zur Überprüfung der Jodversorgung sollte in regelmäßigen Abständen ein flächendeckendes, repräsentatives Jod-Monitoring durchgeführt werden.

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