Wundinfektion bei Hund und Katze
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Zusammenfassung
Das primäre Ziel der vorliegenden Studie ist die Überprüfung der These, dass bis zu 20% aller stationären Patienten in der Klinik für Kleintiere Chirurgie der Justus-Liebig-Universität Giessen, die eine geschlossene Wundbehandlung mit Einlegen einer Penrosedrainage oder eine offene Wundbehandlung im Rahmen eines standardisierten Behandlungsregimes erfahren, eine klinisch detektierbare Wundinfektion entwickeln. Diese These wurde anhand einer retrospektiven Datenerfassung des Zeitraums zwischen 2007 und 2011 erhoben. Des Weiteren sollen die aus der Wunde isolierbaren Keime während des stationären Aufenthaltes überprüft werden. Innerhalb des etwa einjährigen Zeitraumes, in welchem die prospektive Patientengruppe untersucht wird, werden 73 Patienten in der Klinik für Kleintiere Chirurgie der Justus-Liebig-Universität Giessen vorstellig, deren Wundversorgung einen mindestens 3 Tage andauernden stationären Aufenthalt nötig macht. Dokumentierte Parameter sind neben klinischen Anzeichen einer Wundinfektion, Tierart und Geschlecht der vorgestellten Patienten sowie ihr Alter und die Art der vorliegenden Wunde. Des Weiteren werden die Art der Vorbehandlung sowie der im Zuge der weiterführenden Behandlung verabreichte antibiotische Wirkstoff festgehalten. Zusätzlich erfolgen die Dokumentation der Anzahl der angelegten Austrittsöffnungen der verwendeten Penrosedrainagen und der postoperative Zeitpunkt deren Ziehung. Auch die Dauer des stationären Aufenthaltes sowie die Anzahl der Entnahme bakteriologischer Tupferproben und die im Rahmen dieser nachgewiesenen Bakterienspezies bzw. gruppen werden festgehalten. 15,3% (n = 11) der untersuchten Patienten entwickeln während ihres stationären Aufenthalts klinische Anzeichen für eine Wundinfektion. Insgesamt handelt es sich in 63% (n = 46) der vorgestellten Patienten um Hunde und in 37% (n = 27) um Katzen. Das Geschlechterverhältnis bei allen vorgestellten Tieren ist nahzu ausgeglichen (47,2% männlich (n = 34), 52,8% weiblich (n = 38)). Bei jenen Tieren, welche während ihres stationären Aufenthaltes eine Wundinfektion entwickeln, handelt es sich in 81,8% (n = 9) um Hunde und in 18,2% (n = 2) um Katzen. Insgesamt entwickeln 19,6% (n = 9) der Hunde und 7,4% (n = 2) der Katzen eine Wundinfektion. Jene Tieren, welche während ihres stationären Aufenthaltes eine Wundinfektion entwickeln, sind zu 54,5% (n = 6) männlichen und zu 45,5% (n = 5) weiblichen Geschlechts. In der Gruppe der Hunde entwickeln männliche Tiere, unabhängig ob kastriert oder nicht, mit je 33,3% (n = 3) am häufigsten eine Wundinfektion. In der Gruppe der Katzen sind 100% (n = 2) der auffälligen Tiere weiblich kastriert. Von jenen Tieren, deren Alter bei Vorstellung bekannt ist (93, 2 %; n = 68), ist das jüngste Tier 0,25 Jahre alt, das älteste 13,5 Jahre. Der Median des Alters innerhalb der untersuchten Gruppe beträgt damit 4 Jahre. Das jüngste Tier, welches eine Wundinfektion aufweist, ist bei Vorstellung 1 Jahr alt, das älteste Tier 11,5 Jahre. Patienten mit klinischen Anzeichen für eine Wundinfektion (n = 11) sind mit je 18,2% (n = 2) zum Großteil 1 bzw. 3 Jahre alt. Im Median liegt das Alter der bezüglich einer Infektion auffälligen Patienten bei 3,5 Jahren. Insgesamt weisen die prospektiv ausgewerteten Patienten mit 94,5% (n = 69) ein deutlich höheres Vorkommen der sogenannten "kontaminierten/schmutzigen Wunden" auf. "Saubere" Wundtypen, welche durch elektive Eingriffe gesetzt werden, kommen hingegen nur in 5,5% (n = 4) der untersuchten Fälle vor. Bei allen Tieren, welche im Laufe ihres stationären Aufenthaltes eine klinisch detektierbare Wundinfektion entwickeln, liegt der "kontaminierte/schmutzige" Wundtyp vor. Das bedeutet, dass bei auftretenden klinisch erkennbaren Wundinfektionen die Verletzungen zu 100% präoperativ gemäß der Klassifikation bereits zu den "kontaminierten/schmutzigen" Wunden zählten. Insgesamt infizieren sich 15,9% der Patienten, welche mit "kontaminierten/schmutzigen" Wunden vorstellig werden. Eine Antibiosegabe bei Vorbehandlung erfolgte bei 63,6% (n = 7) der Patienten mit einer Wundinfektion nicht. Bei dem verabreichten antibiotischen Wirkstoff während des stationären Aufenthalts handelt es sich bei Patienten mit Wundinfektionsanzeichen nahzu bei der Hälfte mit 54,5% (n = 6) um Amoxicillin/Clavulansäure. Von 11 Patienten, welche einen klinisch auffälligen Heilungsverlauf aufweisen, werden 45,5% (n = 5) mit 2 Austrittsöffnungen für die Penrosedrainage versorgt. Bei 36,4% (n = 4) wird 1 Austrittsöffnung angelegt und nur je 9,1% (n = 1) der Tiere werden mit 3 oder 4 Austrittsöffnungen für die Penrosedrainage versorgt. Von denjenigen Patienten, welche während ihres stationären Aufenthaltes keine klinisch detektierbare Wundinfektion entwickeln, benötigen 14,8% (n = 9) keine Versorgung mittels Drainage. In etwa 1/3 der Fälle (34,4%; n = 21) wird die Drainage 2 Tage post operationem gezogen. Der späteste Zeitpunkt der Drainageziehung liegt bei 12 Tagen nach operativer Versorgung. Im Median wird bei Patienten ohne klinische Wundinfektionsanzeichen die Drainage 2 Tage nach deren Einbringen wieder entfernt. Bei etwa 1/3 (36,4%; n = 4) der 11 Tiere, welche klinische Anzeichen für eine Wundinfektion aufweisen, werden die verwendeten Penrosedrainagen nach 7 Tagen entfernt. Im Median werden die verwendeten Penrosedrainage bei klinischen Anzeichen für eine Wundinfektion 5 Tage nach der operativen Versorgung entfernt. Bei jenen 11 Tieren, welche klinische Anzeichen für eine Wundinfektion aufweisen, werden im Mittel 4,2 bakteriologische Proben entommen. Die Entnahme der bakteriologischen Proben erfolgt bei jedem Patienten jeweils am Tag der Vorstellung und dann erneut nach 3 Tagen. In der Folge werden die Tiere im Abstand von 48 Stunden über die Dauer ihres stationären Aufenthaltes beprobt. Bei nahzu der Häfte der Fälle (45,5%; n = 5) erfolgt die Entnahme von 5 bakteriologischen Tupferproben und bei je etwa 1/3 (27,3%; n = 3) der untersuchten Tiere werden 3 bzw. 4 Proben entnommen. In der vorliegenden Untersuchung wird in der Gruppe der klinisch unauffälligen Patienten die Hälfte (50,8%; n = 31) bereits nach 3 Tagen entlassen. Der längste stationäre Aufenthalt eines Patienten beträgt 12 Tage. Im Median verbleiben die Patienten ohne eine klinisch detektierbare Wundinfektion 3 Tage in der Klinik. Im Vergleich werden Patienten mit klinischen Anzeichen für eine Wundinfektion zu je 1/3 (jeweils 27,3%; n = 3) über 8 bzw. 9 Tage stationär therapiert. Im Median verbleiben diese Patienten über 8 Tage zur stationären Behandlung in der Klinik. Mit einem p ≤ 0,05 (p = 0,015) zeigt sich die Dauer des postoperativen stationären Aufenthaltes als einzig relevante Variable in Hinsicht auf die Entwicklung einer klinisch auffälligen Wundheilung. Das Verhältnis der Patienten, welche innerhalb 1 Woche stationären Aufenthaltes eine Wundinfektion entwickeln (n = 5; 45,5%) ist dem der Patienten gegenüber, welche innerhalb der 2. Woche klinische Auffälligkeiten zeigen (n = 6; 54,5%) nahezu ausgeglichen. Im prospektiven Anteil der vorliegenden Studie können insgesamt 51 Keimgruppen bzw. spezies identifiziert werden, ebenso kann ein fehlendes Keimwachstum dokumentiert werden. Aus Relevanzgründen werden nur Keime verglichen, welche ≥ 5 mal nachgewiesen werden können. In der Gesamtheit aller entnommenen Proben der beiden verglichenen Patientengruppen "klinische Anzeichen für eine Wundinfektion ja" und "klinische Anzeichen für eine Wundinfektion nein" kann am häufigsten "kein Wachstum" von Bakterien festgehalten werden, dies wird in je etwa ¼ der untersuchten Proben beobachtet (Tiere ohne Infektionsanzeichen 25,7%; n = 65), Tiere mit Wundinfektion 23,5%; n = 16)). Während A. baumannii bei klinisch auffälligen Patienten mit 11,7% (n = 7) als häufigster Keim isoliert werden kann, wird er bei den Patienten ohne Wundheilungsstörung nur in 4,3% (n = 11) der Fälle beobachtet. Bei der klinisch unauffälligen Gruppe gelingt der Nachweis von α-hämolysierenden Streptokokken in 7,1% (n = 8), P. multocida in 5,9% (n = 15) und Staph. epidermidis in 5,5% (n = 14) der Fälle, während diese Bakterien bei der klinisch auffälligen Patientengruppe weniger als 5 mal nachgewiesen werden. Während α-hämolysierende Streptokokken und P. multocida immerhin noch jeweils in 5% isoliert werden, gelingt der Nachweis von Staph. epidermidis in dieser Patientengruppe in nur 3,3% der Fälle.Der Vergleich der klinisch unauffälligen Patienten des prospektiven Studienanteils (n = 61) mit denen der retrospektiv-deskriptiven Gruppe (n = 189) zeigt, dass bei diesen mit 12,8% (n = 52) deutlich weniger der Tiere "kein Wachstum" von Bakterien aufweisen. Der Nachweis von P. multocida gelingt mit 8,6% (n = 35) am häufigsten. α-hämolysierende Streptokokken werden in 6,2% (n = 25), Staph. epidermidis in 3,5% (n = 14) isoliert. Diese Bakterienspezies können somit sowohl im prosepktiven als auch im retrospektiv-deskriptiven Anteil der Studie mit einer ähnlichen Häufigkeit kultiviert werden. Allerdings handelt es sich bei den retrospektiv beschriebenen Patienten um eine 3 mal größere Gruppe, zusätzlich werden noch weitere 22 weitere Keimspezies bzw. gruppen mit einer Nachweishäufigkeit ≥ 5 mal isoliert, so dass kein abschließender Vergleich möglich ist. Die übrigen zwischen prospektiv und retrospektiv beschriebenen Patienten verglichenen dokumentierten Parameter weisen sehr ähnliche Zahlen und Ergebnisse auf.Entgegen Beschreibungen der Literatur kann keine Prädisposition männlich unkastrierter Tiere oder das Vorliegen eines extrem hohen bzw. niedrigen Alters für die Entstehung einer Wundinfektion festgehalten werden. Ebenso wenig kann in der vorliegenden Untersuchung die Art bzw. das Ausbleiben einer antibiotischen Vorbehandlung oder der verabreichte antibiotische Wirkstoff bei Weiterbehandlung als ein der Entwicklung von Wundinfektionen zuträglicher Faktor identifiziert werden. Die Vermutung, dass die Wahrscheinlichkeit der Entwicklung einer Wundinfektion zunimmt, je höher die Anzahl der Drainage-austrittsöffnungen ist, kann durch die hier vorliegenden Untersuchungsergebnisse nicht bestätigt werden. Statistisch gesehen kann nur die Dauer des postoperativen stationären Aufenthaltes mit einem p = 0,015 als Faktor identifiziert werden, der die Entstehung einer Wundinfektion begünstigt. Ob die in ihrem Wundheilungsverlauf klinisch auffälligen Patienten aufgrund einer verlängerten Drainage- sowie stationären Therapie eine klinisch detektierbare Wundinfektion entwickeln, oder ob die ausgedehnte Therapie Folge der vorliegenden Infektion ist, kann anhand der vorliegenden Untersuchungsergebnisse nicht abschließend geklärt werden.Ob die im Laufe der Probenentnahme nachgewiesenen Keimgruppen bzw. spezies nosokomialen Ursprungs sind, kann anhand der vorliegenden Untersuchungsergebnisse nicht evaluiert werden, da hierzu eine Untersuchung der Bakterien mittels PCR notwendig wäre. Jedoch wird durch die vorliegenden Untersuchungsergebnisse bewiesen, dass unter standardisierten sterilen Therapiebedingungen in jedem Fall mit einer etwa 16%igen Infektion von bereits präoperativ kontaminierten/schmutzigen Wunden zu rechnen ist. Wird die Behandlung, wie bei den retrospektiv betrachteten Tieren, nicht nach einem festgelegten Standard durchgeführt, so muss generell mit einem höheren Risiko (18,5%) der klinisch detektierbaren Wundinfektionen gerechnet werden. Statistisch gesehen ist kein genereller oder zu einem gewissen Zeitpunkt erfolgter Nachweis einer bestimmten einzelnen Bakteriengruppe oder -spezies für die Entstehung einer Wundinfektion verantwortlich, da kein nachgewiesener Keim ein p ≤ 0,05 aufweist. Jedoch ist bei den prospektiv untersuchten Tieren mit einem klinisch auffälligem Wundheilungsverlauf A. baumannii mit 11,7% der am häufigsten isolierte Keim. Im Vergleich mit der Gruppe der klinisch unauffälligen Patienten (Nachweis von A. baumannii in 4,3%) kann dieser Keim fast 3 mal häufiger bei den Tieren, welche eine klinisch detektierbare Wundheilungsstörung entwickeln, isoliert werden. Auch wenn statistisch keine Relevanz anhand der vorliegenden Ergebnisse nachgewiesen werden kann, so liegt die Vermutung nahe, dass das Vorkommen von A. baumannii eine Wundheilungsstörung begünstigt.Verknüpfung zu Publikationen oder weiteren Datensätzen
Beschreibung
Anmerkungen
Die gedruckte Ausgabe enthält den Anhang auf CD-ROM.
Erstpublikation in
Giessen : VVB Laufersweiler
