Reduktionen in der Populationsgröße können aufgrund von genetischer Drift und Inzucht zu einer Verminderung der genetischen Diversität innerhalb einer Population führen. Gleichzeitig wird die Fähigkeit einer Population, Umweltveränderungen zu überstehen, durch eine höhere genetische Diversität deutlich verbessert.
In der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts fand eine Intensivierung der Agrarproduktion statt, die u.a. zu einem deutlichen Rückgang der natürlichen Flora und Fauna in Agrarlandschaften beigetragen hat. In der vorliegenden Studie wurden Populationen der beiden Ackerwildkrautarten Arabidopsis thaliana und Viola arvensis als Indikator-Spezies verwendet, um die Wirkung von intensivem Ackerbau auf die genetische Diversität von Ackerwildkräutern zu untersuchen.Populationen der beiden Arten wurden aus Bodenproben gewonnen, die sowohl auf heutigen Agrarstandorten mit verschiedenen intensiven bzw. extensiven Anbausystemen, als auch auf Standorten, auf denen ehemals extensiver Anbau praktiziert wurde (Wiesen- und Brachelandschaften), gewonnen wurden. Alle untersuchten Standorte lagen innerhalb eines Umkreises von 30km in Hessen, Deutschland. Nach einer geeigneten Stratifikation wurden Keimlinge beider Indikatorarten isoliert und zur Analyse der genetischen Struktur der Populationen molekulargenetisch untersucht. Als genetische Marker wurden Amplified Fragment Length Polymorphisms (AFLPs) bzw. für A. thaliana zusätzlich Simple Sequence Repeats (SSRs bzw. Mikrosatelliten) verwendet.
Basierend auf einer Analyse der AFLP-Marker wurde sowohl in den Populationen der überwiegend selbstbestäubenden Art A. thaliana als auch in den Populationen der vorwiegend fremdbestäubenden Spezies V. arvensis ähnliche genetische Strukturen gefunden. Etwa 80% der genetischen Variation innerhalb der Gesamtpopulationen beider Arten konnte durch Variation innerhalb der einzelnen Subpopulationen erklärt werden. Dies deutet darauf hin, dass zwischen den Populationen aus verschiedenen Agrarlandschaften keine wesentlichen genetischen Unterschiede existieren. Allerdings wurde bei den SSR-Analysen der A. thaliana-Population von dem intensiv bewirtschafteten Standort eine geringere Heterozygosität gefunden, als bei A. thaliana-Populationen aus den extensiveren Anbauregimen. Dieses könnte ein Hinweis darauf sein, dass die genetische Diversität von wilden A. thaliana-Populationen durch intensive Agrarpraktiken reduziert wird. Allerdings müssen zur Unterstützung diese Hypothese weitere Versuche in ähnlichen Agrarlandschaften durchgeführt werden, um generelle Zusammenhänge zwischen landwirtschaftlichen Anbausystemen und der genetischen Struktur von Wildkräuterpopulationen zu konkretisieren.
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