Das Ziel der Kurzschaftimplantation ist, eine optimale Lasteinleitung am Knochen zu erreichen um Knochenabbauprozessen und aseptischen Prothesenlockerungen vorzubeugen und somit lange Standzeiten zu erzielen. Die vorliegende prospektive Studie wurde initialisiert, um mit Hilfe von osteodensitometrischen Verfahren zu untersuchen, ob die Metha Kurzschaftprothese den Ansprüchen einer proximalen Lasteinleitung gerecht wird. Hierfür wurden insgesamt 133 Patienten retrospektiv ausgewertet, und zusätzlich, nach Bereinigung des Kollektives, 40 Patienten (20 Frauen und 20 Männer, Durchschnittsalter: 55,4 Jahren, Durchschnitts BMI von 26,9) prospektiv klinisch, radiologisch und osteodensitometrisch untersucht. Es erfolgten 6 und 12 Monate postoperativ DEXA Messungen mit speziell auf die Kurzschaftprothese modifizierten Zonen nach Gruen. Ein besonderes Augenmerk galt den Zonen Gruen 1, 6 und 7. Untersuchungen fanden sowohl an der operierten als auch an der nicht operierten Seite zum Ausschluss von systemischen Knochendichteänderungen statt. Diese Ergebnisse wurden um die Ermittlung der präoperativen Femurkonfiguration nach Noble, Osteointegration und Stress-shielding nach Engh sowie Ossifikationen nach Brooker und dem Harris Hip Score ergänzt und statistisch analysiert.Die Metha®Kurzschaftprothese (Braun, Aesculap, Tuttlingen, Germany) konnte in dieser Studie insgesamt sehr gute klinische, radiologische und osteodensitometrische Ergebnisse aufweisen. So war bereits nach 6 Monaten eine signifikante Steigerung des Harris Hip Scores von präoperativ 57,35 auf postoperativ 93,41 und nach 12 Monaten auf 96,72 Punkte zu verzeichnen. Die osteodensitometrischen Auswertungen konnten während der ersten 6-Monatsuntersuchung in nahezu allen Gruen Zonen einen signifikanten Abbau von Knochensubstanz detektieren. In der 12-Monatsuntersuchung fanden sich weiterhin signifikante Abnahmen in Zone 1, Zone 4 und Zone 7, wovon sich lediglich die Zone 7 als progredient erwies. Darüber hinaus war die Zunahme der Knochendichte in Zone 6 nun signifikant, woraus sich folglich ein einheitliches Muster der Lasteinleitung ableiten liess. Mithilfe von DEXA-Analysen erfolgte die Erfassung sehr spezifischer Veränderungen, die mit nativradiologischen Auswertungen noch nicht erfasst werden konnten; diese stellen allerdings eine wichtige Ergänzung dar. In den Analysen zur präoperativen Femurkonfiguration nach Noble fand sich die Normal-Konfiguration als vorherrschende Ausprägung. Während des Beobachtungszeitraumes kam es zu keiner Prothesenlockerung oder Wechseloperation. Zusammenfassend zeigten sich sowohl in der radiologischen, als auch in der osteodensitometrischen Untersuchung Knochendichteabnahmen im proximalen Prothesensegment auf, die sich im weiteren Verlauf als regredient darstellten. Das Prinzip einer rein proximalen Lasteinleitung konnte mit dem Implantat nichtrealisiert , allerdings zeigte sich eine sehr gute Osseointegration im mittleren Prothesenanteil, sodass man von einer sehr guten knöchernen Integration und proximaleren Verankerung verglichen mit der eines Standardschaftes sprechen kann. Die Amplituden der Knochendichteabnahmeprozesse sind im Vergleich zu Standardgeradschaftprothesen sogar geringer ausgeprägt. Multifaktorielle Analysen zeigten weiterhin eine Einflussfähigkeit von Alter und Geschlecht auf die Entwicklung der Knochendichte. Somit konnte eine höhere Dynamik von Knochendichteänderungen bei älteren Patienten und ein geringgradig höherer BMDQ beim männlichen Geschlecht demonstriert werden. All diese Faktoren sowie die o.g. epidemiologische Entwicklung machen deutlich, dass die Notwendigkeit für langfristige Implantationsstrategien besteht. Grund ist die bereits erwähnte steigende Lebenserwartung der Patienten und die daraus resultierende erhöhte Wahrscheinlichkeit für Prothesenwechseloperationen. Hier ermöglicht die Verwendung von Kurzschaftprothesen als Primärimplantat im Falle einer notwendigen Wechselsituation die Implantation einer Standardgeradschaftprothese anstelle eines grösser dimensionierten und mit schlechteren klinischen Ergebnissen behafteten Revisionsschaftes. Dies würde bedeuten, dass man mit der von uns dargestellten Strategie eine Prothesengeneration einsparen könnte. In dieser Entwicklung liegt gerade für jüngere Patienten die Chance auf eine innovative Langzeitlösung in der endoprothetischen Versorgung. Dieses Ziel gilt es weiter zu verfolgen und zu optimieren. Die MethaÓKurzschaftprothese konnte in dieser Studie insgesamt sehr gute Ergebnisse erzielen. Die wichtige Frage nach den Standzeiten eines solchen Implantates muss allerdings langfristigen Untersuchungen vorbehalten bleiben.
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