Das Labrum glenoidale beim Hund : eine anatomisch-histologische Studie unter besonderer Berücksichtigung des Kollagenfaserverlaufs und klinischer Relevanz im Vergleich zur humanmedizinischen Schultergelenkssituation

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Im Gegensatz zu zahlreichen humanmedizinischen Studien zum Labrum glenoidale wird die Schultergelenkslippe des Hundes in der veterinärmedizinischen Literatur nur in wenigen Publikationen erwähnt. Ziel der vorliegenden Arbeit war es daher, die Zusammensetzung und den Verlauf des caninen Labrums makroskopisch und mikroskopisch zu beschreiben und seine Beziehung zu angrenzenden Strukturen, wie der Bizepssehne, den Glenohumeralbändern und der Gelenkkapsel zu klären sowie im Hinblick auf klinische und experimentelle Relevanz mit der humanen und veterinärmedizinischen Literatur zu diskutieren. Untersucht wurden 20 Schultergelenke von 6 Monate alten Beagles, die im Rahmen einer toxikologischen Studie euthanasiert wurden. Nach der Aufteilung des formalinfixierten und entkalkten Glenoids in 7 Segmente, welche sich an der cranial gelegenen Bizepssehne ausrichteten, erfolgten histologische Färbungen der paraffin-eingebetteten Schnittpräparate. Darüber hinaus wurde das Labrum immunhistologisch auf das Vorhandensein von Kollagen I, II und III überprüft und die tissue-Transglutaminase-Aktivität von Endothelzellen zum Nachweis der Blutgefäßversorgung herangezogen. Das Labrum glenoidale stellt sich beim Hund als nicht einheitliche Struktur dar. Während die cranial gelegenen Segmente VII, I und II eine faserknorpelige Verankerungszone aufweisen, welche sich Kollagen II-positiv darstellt, dominiert in den übrigen Segmenten III bis VI eine zirkulär ums Glenoid verlaufende, Kollagen II-negative Faserzone. Lediglich im zweiten Segment finden sich beide Zonen parallel. Im dritten Segment schiebt sich eine meniskoide Falte in den Gelenkspalt vor, deren gute Gefäßversorgung im ansonsten gefäßfreien Labrum immunhistologisch deutlich gemacht werden konnte. Eine direkte Anbindung des Labrums an die Gelenkkapsel des Schultergelenks findet sich in den Segmenten III bis VII. Hierbei wird die Kapselwand medial durch den caudalen Schenkel des medialen Glenohumeralbandes (MGHL) sowie lateral durch das laterale Glenohumeralband (LGHL) verstärkt, wobei letzteres ausschließlich in der Verankerungszone des siebten Segmentes ansetzt. Im ersten Segment werden Labrum und Kapsel durch die tief knöchern ansetzende Bizepssehne getrennt, deren Ursprungsfasern zum Teil auch im Labrum verankert sind. Im zweiten Segment dominiert der craniale Schenkel des MGHL, welches, über ein Gekröse aufgehängt, zwischen Labrum und Gelenkkapsel zu liegen kommt und den Recessus subscapularis in zwei Buchten unterteilt. Makroskopisch lässt sich das Labrum glenoidale lediglich lateral als derber Ringwulst ansprechen, während craniolateral bereits keine Trennung mehr vom LGHL möglich ist. Medial liegt die meniskoide Falte dem peripheren Rand des Glenoids auf. In den übrigen Segmenten lässt sich das Labrum nicht als eigenständige Struktur definieren. Die Ergebnisse machen deutlich, dass dem Labrum glenoidale beim Hund trotz nachgewiesener Inkongruenz des Schultergelenks von ungefähr 1:2,5 weder gelenkflächen-vergrößernde, noch vertiefende Hauptfunktion zugesprochen werden kann, es jedoch als Anheftungszone für angrenzende Strukturen einen unerlässlichen Bestandteil des Schultergelenks darstellt. Die vorliegende anatomische Beschreibung soll es dem veterinärmedizinischen Orthopäden in der bildgebenden Diagnostik mittels MRT, Sonographie oder Arthroskopie künftig erleichtern, glenoidnahe Veränderungen richtig zu interpretieren, eine korrekte Therapie daraus abzuleiten und die Prognose zu bestimmen.

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Erstpublikation in

Giessen : VVB Laufersweiler 2008

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