Einfluss des Alltagskontextes auf den Prozess einer Ernährungsverhaltensmodifikation : eine qualitative Untersuchung von Personen mit erhöhten Cholesterinwerten
Das erkenntnisleitende Forschungsinteresse gilt einer umfassenden Betrachtung ernährungsbezogenen Handelns in den drei Alltagsbereichen Haushalt/Familie , Arbeitsplatz/Kollegen und Freizeit/Freunde mit dem Ziel, individuell erlebte Bedingungen und Faktoren einer Ernährungsverhaltensmodifikation herauszuarbeiten. In die Untersuchung sind Personen mit einer Fettstoffwechselstörung eingeschlossen worden, die sich in verschiedenen Stadien einer Gesundheitsverhaltensmodifikation befinden. Als Vorstudie hat eine Gruppendiskussion mit Ernährungsberatern stattgefunden. Die Ergebnisse der sich anschließenden 20 Einzelinterviews der Haupterhebung legen nahe, dass Handlungsressourcen und Handlungsbarrieren den gesamten Prozess einer Ernährungsverhaltensänderung beeinflussen und sich stadienspezifisch unterschiedlich auswirken können. Im Sinne einer problemadäquaten, effektiven Gesundheitsförderung kann demnach eine Ernährungsmodifikation gefördert werden, wenn je nach Phasenzugehörigkeit des Individuums passende Handlungsempfehlungen ausgesprochen werden: Beispielsweise ist es für präaktionale Personen hilfreich, sie in ihren Planungskompetenzen familiärer und beruflicher Tagesabläufe zu stärken. Sehen sie sich in der Lage, diese optimal zu koordinieren, scheint dies dafür förderlich zu sein, die Intention zur Ernährungsänderung auszubilden (oder: zu verwirklichen). Auf der Basis dieser Befunde können Strategien aufgezeigt werden, den Ernährungsalltag zu organisieren und an die bestehenden strukturellen Handlungsspielräume anzupassen. Aktionale Personen sollten darin bestärkt werden, ihr angestrebtes Zielverhalten auch in besonderen und außergewöhnlichen Situationen der Ernährungsversorgung sowohl im privaten als auch im beruflichen Bereich (z. B. beim Außer-Haus-Verzehr) aufrechtzuerhalten. Insgesamt betrachtet implizieren die gewonnenen Erkenntnisse die Forderung, ernährungsbezogene Interventionen stärker als bisher auf ihre Akteure und deren persönliche Lebens- und Alltagsumstände zu fokussieren und dabei zugleich gesundheitspsychologische Befunde einfließen zu lassen.
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