Klinische Untersuchungen zu biochemischen Resorptionsmarkern des Knochenstoffwechsels bei Osteoporose am Beispiel der distalen Radiusfraktur : eine explorative, prospektive Studie
In dieser Arbeit wird der Verlauf biochemischer Resorptionsmarker am osteoporotischen und nicht-osteoporotischen Knochen im Verlauf der Frakturheilung bei distalen Radiusfrakturen untersucht. Dabei sind der Schweregrad und die Therapie der Fraktur mit berücksichtigt. Ziel war es, Erkenntnisse über die Einsetzbarkeit bekannter und neuer biochemischer Marker zur Beurteilung der Frakturheilung zu sammeln und neue diagnostische Methoden zu entwickeln.
Es wurden 44 Patientinnen mit distaler Radiusfraktur und 29 Kontrollpatientinnen, eingeteilt in 3 Hauptgruppen (praemenopausale, postmenopausale nicht-porotische und osteoporotische Patientinnen) in die prospektive Studie aufgenommen. Die Diagnose Osteoporose erfolgte durch Messung der Knochendichte an der Wirbelsäule mit Hilfe der quantitative Computertomographie. Im Verlauf der Frakturheilung wurden am Tag des Frakturereignisses bzw. am Operationstag, sowie am 2., 4., 10. und 14. Tag die Knochenmarker Pyridinolin (PYD), Desoxypyridinolin (DPD), das quervernetzte aminoterminale Telopeptid (NTx), das Bone Sialoprotein (BSP) und Calcium (Ca) bestimmt. Bei einer kleinen Pilotgruppe (n = 11) wurde die Messung nach dem 14. Tag einmal wöchentlich bis zum 42. Tag fortgeführt. Sowohl bei den Collagen-Crosslinks, als auch beim NTx konnten am Tag der Fraktur deutliche, teilweise signifikante Unterschiede (p < 0,01) zwischen praemenopausalen, postmenopausalen osteoporotischen und nicht-osteoporotischen Frauen gefunden werden, wobei die niedrigsten Konzentrationen bei den jungen Frauen und die höchsten Konzentrationen bei den osteoporotischen Frauen messbar waren. Im Verlauf stiegen in allen Gruppen alle drei Marker bis zum 10. bzw. 14. Tag an, wobei die Konzentrationsunterschiede zwischen den Gruppen weitgehend unverändert blieben. Diese Tendenzen und Unterschiede waren bei dem Bone Sialoprotein, bzw. beim Calcium im Urin weniger deutlich bis nicht nachvollziehbar. Die Untersuchung vom Calcium im Serum ergab das Bild einer Homöosthase.
Weiterhin auffällig war, dass gerade bei den osteoporotischen Studienteilnehmerinnen am Tag 0 tendenziell höhere Werte von PYD, DPD, NTx und Calcium bei den Patientinnen mit distaler Radiusfraktur vorlagen als bei den Kontrollpatientinnen der gleichen Gruppe, was auf eine Prädisposition, eine Fraktur zu erleiden, schließen läßt. Während der Frakturheilung waren die Resorptionsmarker PYD, DPD, NTx und Calcium zunächst bei den operierten Patientinnen höher als bei den konservativ behandelten Patientinnen, wobei sich bei den osteosynthetisch versorgten Frauen die Werte schneller normalisierten und die im Gips behandelten Frakturen über längere Zeit erhöhte Konzentrationen aufwiesen. Hier lässt sich eine höhere Stabilität und ungestörtere Knochenbruchheilung bei den osteosynthetisch versorgten Frakturen diskutieren. PYD, DPD und NTx zeigten, wie erwartet, sowohl am Tag 0, als auch im Verlauf signifikante Korrelationen untereinander.
Trotz der geringen Fallzahl war es möglich, Trends und teilweises signifikante Zusammenhänge und Unterschiede im Verlauf der Frakturheilung von osteoporotischem und nicht-osteoporotischem Knochen darzustellen. Um die Relevanz der biochemischen Marker zur Diagnostik, Beurteilung von Frakturen und deren Heilungsverlauf heranzuziehen sind weitere Studien mit größeren Patientenkollektiven notwendig. Biochemische Knochenmarker und ihre einfache, nicht-invasive Bestimmungsmöglichkeit in Blut und Urin scheinen zukunftsträchtig bei der Entwicklung und Optimierung neuer Diagnostik- und Therapiemethoden osteoporotischer Frakturen zu sein
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