Haltungsbiologische Untersuchungen zur Beschäftigung von Mastschweinen in einstreuloser oder eingestreuter Haltung
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Zusammenfassung
Ziel dieser Arbeit war es festzustellen, wie groß der tägliche Anteil an Beschäftigungsverhalten sowie anderer Verhaltensparameter von Schweinen in einer einstreulosen oder einer eingestreuten Haltung im Verlauf der Mast bei unterschiedlichen Lichttaglängen unter Berücksichtigung von drei zeitgleich angebotenen Beschäftigungsgeräten ist. Insbesondere die tägliche Nutzung der Geräte (Pendelbalken, Kettenkreuz, Hebebalken) durch die Tiere der gesamten Mastgruppe als auch die Beschäftigung von ausgewählten Fokustieren mit den drei unterschiedlichen Beschäftigungsgeräten sollte erfasst werden. Zugleich war durch Bonituren der Tiere auf Schäden am Integument nachzuweisen, ob Unterschiede zwischen einstreuloser und eingestreuter Haltung bezüglich der Auswirkungen möglicher Verhaltensstörungen (z. B. Schwanz- und Ohrenbeißen) bestehen. Die Daten wurden an vier Mastdurchgängen an insgesamt 144 eingestallten Tieren erfasst. Es standen je Durchgang vier Buchten für je neun Tiere zur Verfügung, von denen zwei eingestreut und zwei einstreulos (Teilspaltenböden) waren. Bei zwei Durchgängen wurde den Tieren über eine Zeitschaltuhr acht Stunden Licht am Tag gewährt, in zwei weiteren Durchgängen 14 Stunden Licht. Das Verhalten der Tiere in jeder Bucht wurde mittels Infrarot-Videotechnik und Langzeitvideorecorder jeweils zum Einstallen als auch in den Maststadien Mastanfang, Mastmitte und Mastende über 24 Stunden aufgezeichnet. Die Aufzeichnung zur Einstallung diente hierbei der Erfassung der Zeitdauer bis zum ersten Kontakt der Tiere mit den drei Beschäftigungsgeräten. Die Auswertung der aufgezeichneten Videos erfolgte über das Auswerteprogramm THE OBSERVER® , wobei sowohl die Nutzung der Geräte durch die Mastgruppe als auch die Beschäftigung von ausgewählten Fokustieren in 24 Stunden analysiert wurde. Folgende Verhaltensparameter wurden hinsichtlich der Dauer lückenlos und sekundengenau erfasst und ausgewertet: die Beschäftigung mit den drei Beschäftigungsgeräten Pendelbalken, Kettenkreuz und Hebebalken, mit dem Stroh (eingestreute Buchten) bzw. dem Boden (einstreulose Buchten), der Buchteneinrichtung, dem Trog und der Tränke, den Buchtenpartnern, dem Schwanz und den Ohren der Buchtenpartner, die Zeitdauer des Aufreitens, Scheuerns, Liegens sowie die Lokomotionsparameter Laufen, Stehen und Sitzen. Die Tierbeurteilungen erfolgten zur Einstallung, zur Mastmitte, zum Mastende sowie zur Ausstallung der Tiere. Zusätzlich wurde auch die Abnutzung der Beschäftigungsgeräte, die Lebendmasseentwicklung, der Futter- und Strohverbrauch sowie die Temperatur in regelmäßigen Abständen erfasst. Die Zeitdauer bis zum ersten Kontakt mit den drei Beschäftigungsgeräten unterschied sich bei keinem der Geräte weder zwischen den Haltungssystemen noch zwischen den Geschlechtern. In den Strohbuchten brauchten die Tiere im Mittel 3,9 Minuten bis zum ersten Kontakt mit dem Hebebalken, 4,0 Minuten bis zum Kontakt zum Pendelbalken und 5,9 Minuten bis zum Kontakt mit dem Kettenkreuz. Auch in den Spaltenbodenbuchten brauchten die Tiere mit 5,5 Minuten beim Kettenkreuz am längsten bis zu ersten Kontakt. Die Zeitdauer bis zum ersten Kontakt mit dem Hebebalken betrug in diesem Haltungssystem 4,0 Minuten und die mit dem Pendelbalken 3,3 Minuten. Sowohl die Auswertung der Nutzung der Geräte durch die Tiere der Mastgruppe als auch die Auswertung der Beschäftigung der Fokustiere mit den drei Beschäftigungsgeräten zeigte, dass das Kettenkreuz in beiden Haltungssystemen gegenüber dem Hebe- und auch dem Pendelbalken bevorzugt wurde. Die Tiere der Mastgruppe aus einstreuloser Haltung nutzten das Kettenkreuz zu 2,04 %, den Hebebalken zu 1,44 % und den Pendelbalken zu 0,85 % in 24 Stunden. Das Kettenkreuz wurde durch die Tiere in eingestreuter Haltung zu 1,04 %, der Hebebalken zu 0,73 % und der Pendelbalken zu 0,65 % in 24 Stunden genutzt. Somit zeigte sich, dass die Tiere im einstreulosen Haltungssystem sowohl das Kettenkreuz als auch den Hebebalken signifikant und den Pendelbalken tendenziell länger nutzten als die Tiere im eingestreuten Haltungssystem. Auch die Ergebnisse des Verschleißes der einzelnen Beschäftigungsgeräte unterstreichen diese Beobachtung. Sowohl die Bonitierung des Verschleißes als auch die Ergebnisse der Messung der Holzstücke zeigten eine größere Abnutzung der Holzstücke in den Spaltenbodenbuchten insbesondere beim Kettenkreuz und beim Hebebalken. Die Auswertung der Nutzung der Geräte durch die gesamte Mastgruppe zeigte weiterhin, dass alle drei Beschäftigungsgeräte von mehren Tieren gleichzeitig genutzt werden können, wobei mehr als zwei Tiere vor allem beim Kettenkreuz beobachtet werden konnten. Die Beschäftigung der Fokustiere mit den Geräten war in beiden Haltungssystemen individuell sehr unterschiedlich. In der Strohbucht schwankte die mittlere Beschäftigungsfrequenz zwischen 0,07 % (1 Minute) und 0,83 % in 24 Stunden, dieses entsprach einer Beschäftigungsdauer von 11,95 Minuten am Tag. Im einstreulosen Haltungssystem konnte eine Beschäftigungsfrequenz zwischen 0,10 % (1,44 Minuten) und 1,99 % (28,66 Minuten) in 24 Stunden beobachtet werden. Die Dauer der Beschäftigung mit den angebotenen Beschäftigungsgeräten nahm im Verlauf der Mast beim Pendelbalken, beim Kettenkreuz sowie bei der Beschäftigung gesamt mit allen drei Geräten zu, beim Hebebalken konnte jedoch eine geringe Abnahme der Beschäftigungsdauer beobachtet werden. Zu Mastanfang beschäftigten sich die Fokustiere mit dem Kettenkreuz zu 0,1 % am Tag, zu Mastende lag die Beschäftigung bei 0,26 %. Mit dem Pendelbalken beschäftigten sich die Fokustiere zu 0,05 % zu Mastanfang und zu 0,11 % in 24 Stunden zu Mastende. Keinen Einfluss auf die Nutzungsdauer der Mastgruppe und auch die Beschäftigung der Einzeltiere mit den Beschäftigungsgeräten hatte die Lichttaglänge. Die Beschäftigungsdauer mit den drei Beschäftigungsgeräten war sowohl bei einem 8 h-Lichttag als auch bei einem 14 h-Lichttag nahezu gleich hoch. Die Beschäftigungszeitpunkte wurden jedoch durch das Licht beeinflusst. Bei Fokustieren mit einem 8 h-Lichttag konnte beobachtet werden, dass diese sich länger in der Dunkelphase mit den Geräten beschäftigten als Tiere mit einem 14 h-Lichttag. Im Tagesrhythmus der gesamten Beschäftigung mit allen drei Beschäftigungsgeräten zeigte sich bei einem 14 h-Lichttag während der Lichtphase ein für Schweine typischer bigipfliger Rhythmus vom Alternanstyp. An einem 8 h-Lichttag dagegen war die Beschäftigung der Einzeltiere mit den Geräten heterogener; es zeigten sich drei Beschäftigungsgipfel, wobei aber auch hier die nachmittägliche Aktivität intensiver als die am Morgen war. Keine Unterschiede zwischen den Haltungssystemen konnte bei der Beschäftigung mit den Buchtenpartnern sowie mit dem Schwanz der Buchtenpartner, bei der Gesamtaktivität und der Zeit, die die Tiere am Tag laufend, sitzend, stehend oder liegend verbrachten, beobachtet werden. Auch bei der Beschäftigung mit dem Trog und bei den Masttagszunahmen gab es keine signifikanten Unterschiede zwischen den beiden Haltungssystemen. Dagegen konnte beobachtet werden, dass sich Fokustiere in der Strohbucht mit 4,38 % (63,04 Minuten) in 24 Stunden höchstsignifikant mehr mit dem Stroh beschäftigten als Tiere im einstreulosen Haltungssystem mit dem Boden (3,06 % = 44,07 Minuten). Die Tiere in den Spaltenbodenbuchten nutzten mit 0,84 % am Tag die Buchteneinrichtung hochsignifikant mehr zur Beschäftigung als die Tiere in den Strohbuchten (0,64 % in 24 Stunden). Die Gesamtaktivität in den Strohbuchten war mit 19,85 % (4,76 Stunden) in 24 Stunden nahezu gleichhoch wie die in den Spaltenbodenbuchten mit 19,08 % (4,58 Stunden) in 24 Stunden. Trotz des Fehlens von Stroh in den einstreulosen Haltungssystemen kam es demnach nicht zu einem Aktivitätsrückgang und einem damit verbundenen vermehrten Liegen. Das Fehlen der Einstreu kompensierten einstreulos gehaltene Mastschweine durch eine verstärkte Beschäftigung mit den Beschäftigungsgeräten und der Buchteneinrichtung. Im Gegensatz zur Beschäftigung mit dem Kettenkreuz und dem Pendelbalken sowie der Beschäftigung gesamt war die Beschäftigung mit dem Stroh bzw. mit dem Boden mit 55,46 Minuten bzw. 32,84 Minuten zu Mastende geringer als zu Mastanfang mit 70,65 Minuten bzw. 43,63 Minuten am Tag. Das gleiche galt auch für die Beschäftigung mit der Buchteneinrichtung, dem Buchtenpartner, dem Ohr der Buchtenpartner, mit dem Trog, aber auch mit der Zeit, die die Tiere laufend oder stehend verbrachten. Auch die Gesamtaktivität war zu Mastende geringer als zu Mastanfang. Dagegen nahm der Zeitanteil, den ein Tier am Tag liegend verbrachte, von Mastanfang zu Mastende hin zu, das gleiche galt auch für die Zeitdauer des Sitzens und der Beschäftigung mit der Tränke. Weiterhin zeigte sich, dass weibliche Tiere etwas aktiver waren als die Kastraten. So beschäftigten sich die Kastraten signifikant mehr mit dem Trog, was das Fressen beinhaltete. Kastraten erreichten signifikant höhere tägliche Zunahme als die weiblichen Buchtengefährten. Auch lagen und standen die männlichen Tiere tendenziell länger in 24 Stunden als die weiblichen Tiere. Bei den anderen Verhaltensweisen konnte zumindest eine tendenzielle, bei der Beschäftigung mit dem Stroh bzw. dem Boden, der Buchteneinrichtung, dem Buchtenpartner und beim Laufen bei den weiblichen Fokustieren eine signifikant längere Zeitdauer gegenüber den Kastraten beobachtet werden. Die Ergebnisse der Tierbeurteilung zeigten, dass durch das Anbieten von einfachen Beschäftigungsgeräten in einer einstreulosen Bucht das Auftreten von Schwanz- und Ohrenbeißen vermindert werden kann. Veränderungen am Schwanz kamen kaum vor (nur ein Tier beim Ausstallen). Verletzungen an den Ohren konnten zwar beobachtet werden, jedoch gab es nur wenige Fälle von mittelgradigen Ohrverletzungen. Insgesamt zehn Tiere in unterschiedlichen Maststadien waren betroffen, dies war auch in beiden Haltungssystemen zu beobachten (p > 0,05). Fazit: Durch das Anbieten von Beschäftigungsmaterialen, wie Pendelbalken, Kettenkreuz oder Hebebalken, kann ein einstreuloses Haltungssystem tiergerechter gestaltet werden. Zwar ist der Beschäftigungsanteil mit solchen Beschäftigungsgeräten im Vergleich zum Stroh geringer, jedoch kann durch das Anbieten dieser Geräte ein Schwanz- oder Ohrenbeißen vermindert werden. Dabei bieten die Beschäftigungsgeräte über die gesamte Mastperiode eine Beschäftigung, was seitens der Tiere auch angenommen wird.Verknüpfung zu Publikationen oder weiteren Datensätzen
Beschreibung
Anmerkungen
Erstpublikation in
Giessen : VVB Laufersweiler 2008
