Der ländliche außerlandwirtschaftliche Sektor in Thailand und Vietnam : Struktur, Krisenanfälligkeit und institutionelles Umfeld

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Mehr als die Hälfte der Bevölkerung in Schwellen- und Entwicklungsländern lebt in ländlichen Räumen. Auch wenn Letztere durch landwirtschaftlich genutzte Flächen geprägt sind, bilden Ackerbau, Viehzucht und Ähnliches bei weitem nicht die einzigen Einkommensquellen. Empirische Untersuchungen zeigen, dass die außerlandwirtschaftliche Beschäftigung für einen substantiellen Anteil der ländlichen Einkommen verantwortlich ist. Entsprechend spielt der außerlandwirtschaftliche Sektor, englisch Rural Non-Farm Economy, in jüngeren Konzepten der Armuts- und Entwicklungsforschung wie dem Livelihood-Schema oder dem Vulnerabilitätskonzept eine wichtige Rolle. Die bestehende Literatur zu dieser Thematik nimmt bislang ganz überwiegend die Haushaltsperspektive ein, und beschäftigt sich mit Zugangsfaktoren oder Auswirkungen auf Armut und Vulnerabilität. Die Betrachtung der RNFE aus Unternehmenssicht trägt aber darüber hinaus zum besseren Verständnis der Angebotsseite außerlandwirtschaftlicher Beschäftigung bei. Die vorliegende Arbeit betrachtet daher im empirischen Teil ein Sample aus mittleren bis größeren Unternehmen des formalen Sektors innerhalb der RNFE in sieben ländlichen Provinzen in Thailand und Vietnam.Zwei Forschungsfragen stehen dabei im Vordergrund. Zum einen wird der Einfluss externer Schocks im Allgemeinen und der Weltwirtschaftskrise 2008/2009 im Besonderen auf ländliche Unternehmen in Thailand untersucht. Zum anderen werden Unterschiede im institutionellen Umfeld der RNFE zwischen der Marktwirtschaft Thailand und dem Transformationsland Vietnam analysiert, und die wesentlichen Wachstumsbarrieren der Unternehmen aufgezeigt. Die Ergebnisse zeigen, dass die befragten ländlichen Unternehmen in Thailand nur in geringem Ausmaß von der Weltwirtschaftskrise betroffen waren. Negative Auswirkungen waren in erster Linie in Firmen aus fortschrittlichen Branchen des verarbeitenden Gewerbes mit starker Verflechtung mit ausländischen Märkten spürbar. Trotz teils erheblicher Umsatzeinbußen blieben aber auch dort Entlassungen weitgehend aus. Unternehmen, welche zwischen den Befragungszeitpunkten 2007 und 2010 den Betrieb einstellten, taten dies hingegen meist aufgrund hohen Konkurrenzdrucks oder anderen, idiosynkratischen Schocks. Dass die Weltwirtschaftskrise nur geringe Spuren hinterließ, kann zu einem guten Teil darauf zurückgeführt werden, dass die RNFE im thailändischen Untersuchungsgebiet immer noch in hohem Maße lokale Märkte bedient und auf der Weiterverarbeitung lokaler Agrarprodukte (insbesondere Reis) beruht. Die allgemeine Zurückhaltung bei Entlassungen kann zudem mit dem generellen Mangel an qualifizierten Arbeitskräften zusammenhängen, so dass selbst in Krisenzeiten so lange wie möglich versucht wird die Belegschaft zu behalten um für den folgenden Aufschwung gerüstet zu sein.Die Analyse des institutionellen Umfelds entsprechend der Bewertung durch die Unternehmen lässt einige zu erwartende Muster erkennen. Faktoren des staatlichen Einflusses spielen in Vietnam eine wesentliche höhere Rolle, insbesondere aufgrund der immer noch starken Rolle der Provinzregierungen. Das insgesamt höhere Entwicklungsniveau der thailändischen Provinzen spiegelt sich in den etwas höheren Bewertungen einiger Infrastrukturindikatoren wie beispielsweise des Straßennetzes wider. Trotz der unterschiedlichen politischen und wirtschaftlichen Systeme ähneln sich allerdings die primären Wachstumsbarrieren sowohl in Thailand wie auch in Vietnam. Der Mangel an qualifizierten Arbeitskräften steht in beiden Ländern an erster Stelle. Darüber hinaus existieren für die ländlichen Unternehmen zahlreiche weitere Wachstumsbarrieren, welche in Thailand auch den Mangel an günstigen Arbeitskräften einschließen. Hier wird deutlich, dass selbst in ländlichen Räumen Thailands das auf billiger Arbeitskraft beruhende Wachstumsmodell überholt ist, auf welches sich bislang insbesondere die Textilindustrie stützte. Ein weiteres Problem stellt die nach Ansicht vieler Unternehmen mäßige Motivation ihrer Angestellten dar, welche häufig noch völlig andere Arbeitsweisen aus der landwirtschaftlichen Produktion gewöhnt sind - ein durchaus häufiger anzutreffendes Problem in ländlichen Regionen in Entwicklungsländern.Zur Förderung der RNFE in der Untersuchungsregion bietet sich insbesondere die Verbesserung der beruflichen Ausbildung an, auch in Kooperation mit den Unternehmen selbst. Ebenso kann die Qualität der Bildungseinrichtungen vor Ort (Universitäten in den Provinzhauptstädten) verbessert werden. Ergänzt werden kann dies beispielsweise durch die Beseitigung lokal spezifischer Mängel der Infrastruktur. Auch wenn die RNFE in den Untersuchungsprovinzen auf absehbare Zeit keine hohe Wachstumsdynamik aufweisen dürfte, rechtfertigt ihre Rolle für Einkommensdiversifizierung und regionale Entwicklung eine solche Unterstützung.

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