Epidemiologische Studie zum Nachweis ausgewählter Mykobakterien-Spezies bei Wildschweinen in Deutschland

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Mykobakterien (M.) sind die Verursacher der Mykobakteriosen und Tuberkulosen bei Mensch und Tier. Ausbrüche der Paratuberkulose und Tuberkulose können große wirtschaftliche Verluste verursachen. Mykobakterien haben ein breites Wirtsspektrum und sind auch auf den Menschen übertragbar. In den letzten Jahren sind zusehends Mykobakterien bei immundefizienten Patienten nachgewiesen worden. In den Industrieländern gilt die Rindertuberkulose überwiegend als getilgt. Dennoch tritt die Rindertuberkulose immer wieder sporadisch auf. Oftmals werden damit Wildtiere in Verbindung gebracht. Das Wildschwein ist eine Wildart, in deren Population in den letzten Jahrzehnten ein enormer Populationszuwachs stattgefunden hat. Diese Arbeit verfolgt das Ziel Wildschweine in Deutschland auf das Vorkommen ausgewählter Mykobakterienspezies zu untersuchen.Die Mesenteriallymphknoten von 428 Wildschweinen aus den verschiedensten Regionen Deutschlands wurden auf Spezies des Mycobacterium avium complex (MAC) und des Mycobacterium tuberculosis complex (MTC) mittels PCR untersucht. Dazu wurden verschiedenste Primerpaare, die entweder bereits in der Literatur beschrieben waren oder selbst konstruiert wurden, auf Spezifität und auf deren analytische Sensitivität getestet. 18% der untersuchten Tiere waren zum Zeitpunkt der Untersuchung mit dem MTC infiziert. 2,8% konnten als Träger von M. tuberculosis identifiziert werden. Jeweils bei 1,2% der erlegten Wildschweine wurde M. bovis/BCG und M. africanum/microti/pinnipedii/caprae nachgewiesen. 0,2% der Probanden wurden PCR-positiv auf Mycobacterium avium ssp. paratuberculosis getestet. Hinsichtlich der Prävalenzen konnten signifikante Unterschiede zwischen den in den verschiedenen Bundesländern gelegenen Revieren aufgezeigt werden. Anhand der statistischen Auswertung konnte kein signifikanter Zusammenhang zwischen MTC-Nachweis und Lebensalter oder Körpergewicht festgestellt werden. Die Wildschweine zeigten keine klinische Erkrankung. Sie wurden vielmehr als reine Träger von MTC identifiziert. Erstmalig wurde in der deutschen Wildschweinepopulation M. tuberculosis nachgewiesen. Dagegen wurden Spezies des MAC molekularbiologisch deutlich seltener, nämlich M. avium ssp. paratuberculosis in nur 0,2% der Fälle und M. avium ssp. avium/hominissuis gar nicht detektiert.Diese Studie liefert erstmals flächendeckende Ergebnisse zum Auftreten einzelner Mykobakterienspezies bei Wildschweinen in Deutschland. Die eingesetzten PCR-Systeme zeigten sich für epidemiologische Studien als zeitsparende und sinnvolle Alternative zur kulturellen Anzucht. So kann die Schlussfolgerung gezogen werden, dass Wildschweine viel öfter als bisher angenommen mit M. tuberculosis infiziert sind, während die Prävalenz von MAP auf einem sehr niedrigen Niveau liegt. Allerdings erlaubt die Untersuchung anhand der einbezogenen Tierzahlen noch keine Aussage darüber, welche epidemiologische Rolle das Wildschwein hinsichtlich der Verbreitung von Mykobakterien insgesamt einnimmt.

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Giessen : VVB Laufersweiler

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