Untersuchungen zum Transfusionsbedarf bei kieferorthopädisch-chirurgischen Eingriffen unter Berücksichtigung individueller Patientenparameter

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Zahlreiche Untersuchungen haben sich in den vergangenen Jahren mit der Fragestellung nach der Notwendigkeit einer präoperativen Eigenblutspende vor dysgnathiechirurgischen Eingriffen befasst. Nach einem Urteil des Bundesgerichtshofes und den Richtlinien der Bundesärztekammer muss ein Patient, sofern die Wahrscheinlichkeit einer Transfusion größer als 10 % ist, auf die Möglichkeit einer präoperativen Eigenblutspende hingewiesen werden. Im Rahmen dieser Untersuchung sollte diese Thematik durch die Aufstellung einer Transfusionsbedarfsliste auch in Gießen analysiert werden. Zudem sollte das Transfusionsverhalten geprüft, sowie der Zusammenhang zwischen Patientenvariablen bzw. operativen Variablen und dem Blutverlust untersucht werden. Gemäß den Empfehlungen der Bundesärztekammer und des Bundesministeriums für Gesundheit und soziale Sicherung wurde eine Transfusionsbedarfsliste anhand der im Zeitraum von 1997 bis 2005 am Universitätsklinikum Gießen operierten Patienten erstellt. Anhand von Geschlecht, Gewicht, Körpergröße und dem präoperativen Hämatokrit wurde für jeden Patienten der maximale Blutverlust, der noch ohne eine Transfusion zu tolerieren gewesen wäre, berechnet. Dieser wurde mit den tatsächlich durchgeführten Transfusionen sowie dem operativen Blutverlust (geschätzt und berechnet mit einer Standardprozedur) und dem niedrigsten Hämatokrit ins Verhältnis gesetzt. Die Transfusionsrate unter Einbeziehung der autologen Konserven lag mit insgesamt 80 % bei den bimaxillären Umstellungsosteotomien und 60 % bei den maxillären Osteotomien höher als in anderen Untersuchungen. Eigenblutspender wurden deutlich häufiger transfundiert als Nicht-Eigenblutspender. Die Durchführung der Spenden führte zu einer signifikanten Absenkung des präoperativen Hämatokrits (p < 0,01). Der geschätzte und der berechnete Blutverlust zeigten eine signifikante Korrelation mit einem Koeffizienten von 0,63 nach Spearman (p < 0,01). Der Median des berechneten Blutverlustes lag jedoch besonders bei den bimaxillären Operationen mit 2129 ml höher als der geschätzte Blutverlust mit 1300 ml. Eine rechnerische Überschreitung des individuell zulässigen Blutverlustes trat bei diesen Operationen sowohl durch den berechneten (41,5 %) als auch durch den geschätzten Blutverlust (8,5 %) deutlich seltener auf als die Transfusion von Blutprodukten (80 %). Bei niedrigen zulässigen Blutverlusten traten transfusionstriggernde Laborwerte signifikant häufiger auf (p < 0,05). Transfusionen hingegen wurden bei niedrigen zulässigen Blutverlusten nicht signifikant häufiger durchgeführt, obwohl in diesen Fällen der operative Blutverlust signifikant häufiger über dem individuell zulässigen Blutverlust lag (p < 0,01). Eine zusätzliche Transplantation von Beckenkammknochen führte zu einer signifikanten Erhöhung des Blutverlustes (p<0,05). Der retrospektive Vergleich zwischen zulässigem und tatsächlichem Blutverlust deutet darauf hin, dass die Transfusionsrate in Hinblick auf die gültigen deutschen Richtlinien deutlich gesenkt werden kann. Die regelmäßige Verfügbarkeit von Eigenblut führte offensichtlich zu einer liberaleren und verfrühten Gabe der autologen Konserven, die im Vergleich zu anderen Untersuchungen eine relativ hohe Transfusionshäufigkeit bedingte. Da bei den bimaxillären Operationen im Gegensatz zu den monomaxillären Eingriffen sowohl die Transfusionshäufigkeit der Nicht-Eigenblutspender als auch die Häufigkeit von transfusionstriggernden Laborwerten oberhalb des Grenzwertes von 10 % lagen, wird den Patienten vor bimaxillären Operationen auch weiterhin eine präoperative Eigenblutspende angeboten. Die Analyse zeigt jedoch, dass die individuellen Patientenparameter (Geschlecht, Körpergröße, Gewicht und Hämatokrit) dabei berücksichtigt werden sollten, da sie einen signifikanten Einfluss auf das Transfusionsrisiko haben. Nach dieser Untersuchung kann bei einem maximal zulässigen Blutverlust von 3000 ml oder mehr auch bei bimaxillären Operationen auf die Anwendung der Eigenblutspende verzichtet werden.

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