Wolfgang Lutz: die höhenphysiologischen Experimente im Konzentrationslager Dachau 1942 und deren Auswirkungen auf seine Biographie

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Die Arbeit untersucht das Leben von Dr. Wolfgang Lutz, der am 27.5.1913 in Linz geboren wurde. Aufgrund der Diskussion in der Medizin- und wissenschaftsgeschichte zu den Handlungsspielräumen der Mediziner in Zusammenhang mit den Menschenrechtsverstößen während der Humanexperimente in der Zeit des Nationalsozialismus erfolgte die Forschung. Ausgangspunkt der Recherche bildet seine Arbeit nach Kriegsende. Daran anschließend wurde Lutz Arbeitsumfeld im Münchener Institut für Luftfahrtmedizin bis 1945 nachvollzogen. Mittels Archivrecherche konnte Wolfgang Lutz als Mitarbeiter der Ludwig-Maximilian-Universität in München verifiziert und Teile seinerveröffentlichten Arbeit eingesehen werden. Wolfgang Lutz wurde aufgrund der Bombardierung Münchens nach Freising versetzt und dort 1945 von dem amerikanischen Ermittler und Psychiater Dr. Leo Alexander aufgefunden. Aufgrund seiner Aussagen gegenüber Alexander, die dieser als Miscellaneous Aviation Medical Matters Report zusammenfasste, begannen die Alliierten wegen der Menschenversuche im Konzentrationslager Dachau zu ermitteln und Lutz wurde zu einem der Hauptzeugen in diesem Teil des Nürnberger Ärzteprozesses. In Zusammenhang mit den Prozessakten des Verfahrens ergab sich eine zusammenhängende Übersicht über Lutz´ Ausbildung und Arbeit während des Krieges. Lutz Aussage, er habe das Angebot bei den KZ-Versuchen in Dachau mitzuarbeiten abgelehnt, lässt sich nur aus den eben genannten Prozessakten entnehmen. Andere Zeugen im Prozess negieren sowohl das Angebot als auch die Ablehnung. Trotz der nicht stattgefundenen Teilnahme an den höhenphysiologischen Experimentenin Dachau wurde Lutz wissenschaftliche Karriere nicht beeinträchtigt. Es lassen sich allerdings auch keine signifikanten Vorteile gegenüber anderen Mitgliedern seines Institutes eruieren. Aus den Dokumenten, die er Leo Alexander überreichte, gehen seine Forschungsthemen und seine Reisen zu Frontverbänden und Fabriken hervor, die seine Forschung um die verschiedenen Probleme des Fluges im Kriegseinsatz und die Rettungsmöglichkeiten der Piloten bei Abschuss aufzeigen. In ihnen wird eine ständige Beschäftigung von Wolfgang Lutz zwischen Oktober 1942 und Mai 1945 als wissenschaftlicher Mitarbeiter des Institutes für Luftfahrtmedizin in München deutlich. Eine Unterbrechung seiner Tätigkeit oder Herabstufung seiner wissenschaftlichen Arbeiten ist nicht erkennbar. Ebenso wenig scheint er Probleme mit der Finanzierung seiner Reisen gehabt zu haben. Unsicher ist weiterhin seine Tätigkeit zum Zeitpunkt der KZ-Versuche in Dachau. Es existiert ein Patentantrag vom 10. Oktober 1942, der nahelegt, dass Lutz sich 1942 mit diesem Projekt beschäftigt hat. Weiterhin sind viele Berichte aus dem Miscellaneous Aviation Medical Matters Report nicht datiert. Ein beweisendes, unabhängiges Dokument für Lutz Tätigkeit während der Versuchszeit in Dachau wurde jedoch während der Recherche nicht aufgefunden. Lutz´ Betätigung im Rahmen des NS-Regimes (z.B. seine SS-Mitgliedschaft) führte nach der Begegnung mit Leo Alexander zur Inhaftierung im Kriegsgefangenenlager Marcus W. Orr in der Nähe von Salzburg. Über den Zeitpunkt seiner Entlassung ist nichts bekannt. Erst die Veröffentlichungen Kranker Magen, kranker Darm und Leben ohne Brot bilden weitere Anhaltspunkte in seiner Biografie. Aufgrund der Veröffentlichung und Berichte in mehreren Internetforen sowie des Stammbaums seiner ersten Frau Lilli Nordegg konnte Kontakt mit Lutz Nichte Cecilé Nordegg hergestellt werden. Sie gab einige Hintergrundinformationen zu Lutz Familie und der bis dahin nicht nachzuweisenden Behauptung, Lilli Nordegg sei Halbjüdin gewesen. Demnach wurden Lilli Nordegg und ihr Bruder mittels gefälschter Papiere als Arier getarnt und überlebten so die NS-Zeit. Über den weiteren Verlauf der Ehe ist nichts bekannt. Ein Kontakt mit Lutz Töchtern wurde abgelehnt. Auf Anfrage wurde seine Identität von Lutz dritter Ehefrau Helen bestätigt. Nach seinem Tod am 17.09.2010 wurde Dr. Wolfgang Lutz in Graz beigesetzt.

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